Jesus Christ Superstar im Circus Krone

Das Gärtnerplatztheater begeistert mit einer inszenierung  konzertant im Circus Krone
| Robert Braunmüller
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Szene aus "Jesus Christ Superstar"
Zach Szene aus "Jesus Christ Superstar"
Andrew Lloyd Webbers "Jesus Christ Superstar" vom Gärtnerplatztheater konzertant im Circus Krone
 
Plakate nennen die Aufführung im Circus Krone „konzertant“. Die zum Ausschalten der Handys mahnende Tonbandstimme sagt dazu „halbszenisch“. Im Programmheft zeichnet der Intendant Josef E. Köpplinger für das „Staging“ verantwortlich. Es ist ein babylonisches Begriffswirrwar.
Aber Zeitungen sind nun einmal dazu da, Orientierung zu geben. Deshalb: Wahrlich, ich sage euch, auch wenn sich Köpplinger am Ende nicht verbeugt hat, so ist ihm doch eine Inszenierung von Andrew Lloyd Webbers „Jesus Christ Superstar“ gelungen, die mit dem Pfund des Weglassens wuchert und für Klarheit sorgt.
In der Manege des Circus Krone steht ein gestuftes Podium mit vier Mikrophonständern.
 
Das Orchester des Gärtnerplatztheaters sitzt, wie bei der „Zirkusprinzessin“, in einem Achtel des Amphitheaters gegenüber den Zuschauern. Am Anfang kommen die Darsteller aus dem Publikum, wohin sie sich am Ende wieder verlieren. Die Botschaft: Wir sind Jesus, seine Jünger und das Volk.
Höhepunkt  der Aufführung ist die Gethsemane-Szene: Drew Sarich, ein ganz normaler junger Mann im weißen Unterhemd, steht hell beleuchtet in der Mitte und nimmt zum ersten Mal seine Mütze ab. Mehr braucht es nicht, um ihn als schutzloses, einsames und ängstliches Wesen zu charakterisieren. Sarichs unglaublicher Stimm-Umfang gibt der Rolle etwas Androgynes: Jesus ist Mann und Frau zugleich, Menschensohn und Menschentochter. 
Seine Jünger sind Jugendliche der Gegenwart, Pilatus und die Priester tragen dunkle Mäntel. Wenn Jesus gefesselt ist, kreuzt er seine Handgelenke.
Wer will, darf die  die russischen Doppeladler aus der „Zirkusprinzessin“ als Zeichen der römischen Besatzung Jerusalems lesen. Gesungen wird englisch, aber jeder versteht bei der größen Geschichte  aller Zeiten ohnehin sofort, worum es gerade geht.
 
Michael Heidinger hat die Aufführung wie ein Rockkonzert beleuchtet. Das passt schon deshalb, weil dieses Musical auf Dialoge verzichtet und gleichzeitig auch ein Konzeptalbum war.  Von ein paar sanft-flauen Jesus-Stellen einmal abgesehen, wirkt die 1971 entstandene Musik erstaunlich frisch. Das Orchester des Gärtnerplatztheaters unter Jeff Frohner betont das Rockige und Funkige. Und es hat seinen Charme, dass richtige Streicher in Handarbeit spielen und nicht aus der Konserve kommen.
Peti van der Velde (Magdalena), Alex Melcher (Judas) und Erwin Windegger (Pilatus) seien hier nur stellvertretend für die famose Besetzung genannt. Alle Figuren gehen mit einer großen, fast urchristlichen Zärtlichkeit miteinander um. Am Ende verabschieden sich Jesus und Judas mit einem theologisch tiefgründigen Handschlag.
Muss diese mitreißende und heftige bejubelte Aufführung von „Jesus Christ Superstar“ wirklich nach drei Abenden verschwinden? Nein. Wir sind ganz mutig und fordern ihre eine regelmäßige Rückkehr in der Karwoche als moderne Alternative zur „Matthäuspassion“.
 
 
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