"Jedermann"-Premiere in Salzburg: "Ich bin der toxische, reiche Mann"

Verena Altenberger und Lars Eidinger sind die Stars im Salzburger "Jedermann".
| Gabrielle Pinkert
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Verena Altenberger und Lars Eidinger.
Verena Altenberger und Lars Eidinger.

Salzburg - An diesem Samstag steht bei den Salzburger Festspielen die Premiere des neuen "Jedermann" an.

Und obwohl Michael Sturminger bereits seit 2017 Regie führt, wird eine komplette Neusinszenierung zu erwarten sein. Das veranlasste Lars Eidinger vergangene Woche bei der Pressekonferenz dazu, von einer "Mogelpackung" zu sprechen, da bis vor kurzem auf der Festspiel-Homepage noch zu lesen war, es handle sich um eine Wiederaufnahme.

Mit einer Um- und Neubesetzung einiger wichtiger Rollen ergaben sich aber für Sturminger derart neue Bedingungen, dass er das Bedürfnis hatte, das Stück nochmals absolut zu öffnen und mit der Erfahrung von fünf Jahren Arbeit am "Jedermann" trotzdem von vorn anzufangen.

Bereits im Vorfeld sorgt der diesjährige "Jedermann" für großes Interesse

Hauptgrund ist die Neubesetzung von Lars Eidinger in der Hauptrolle sowie Edith Clever als Tod, die in den vergangenen Spielzeiten die Mutter des Jedermann gegeben hatte. Über Eidinger sagte Regisseur Sturminger: "Ich halte ihn für ein Aus-, Aus-, Aus-, Aus-, Aus-, Aus-, Ausnahmetalent, wie mir jetzt auf die Schnelle niemand anderer einfiele." Er und Schauspieldirektorin Bettina Hering seien sich einig gewesen, sie hätten auch nur Eidinger gefragt, die Rolle zu übernehmen.

Bereits im Vorfeld sorgt der diesjährige "Jedermann" für großes Interesse. Das ist zwar in Salzburg üblich, immerhin handelt es sich bei dem Allegorienstück von Hugo von Hofmannsthal um das Wahrzeichen der Salzburger Festspiele.

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In diesem Jahr wird es aber lauter um das Stück: Nicht nur, weil der Berliner Lars Eidinger den Jedermann gibt. Mit Verena Altenberger tritt eine aus der Nähe von Salzburg stammende Buhlschaft an, die aufgrund ihrer bisherigen Filmrollen als neues Supertalent in der österreichischen Filmlandschaft gehandelt wird. Und: Sie tritt mir raspelkurzen Haaren auf die Bühne. Kann das gehen? Darf das sein - eine Buhlschaft, die kurze Haare hat? Kaum vorstellbar, dass das im Jahr 2021 tatsächlich erstmals der Fall ist und noch immer für Fragezeichen sorgt.

Für Lars Eidinger ist das genauso wenig ausschlaggebend wie für Verena Altenberger selbst: "Ich habe mich noch nie allein von Haaren verführen lassen", sagt Eidinger. Und als selbstbewusste junge Frau weiß Altenberger, dass zwar Kleider Leute machen, aber alles für sich sexy sein kann; deshalb ist für sie die Frage um Frisur und Kostüm von relativ geringer Bedeutung; sexy könne man genauso mit kurzen wir mit langen Haaren, genauso im Jogginganzug wie im Abendkleid sein. Und Verführung spiele sich sowieso auf anderer Ebene ab.

Haardebatte um Buhlschaft entbrannt

Ein schlichter Zufall hatte die Haardebatte ausgelöst, mit der bis dahin niemand gerechnet hatte: Altenberger hatte sich die Haare für ihre jüngsten Dreharbeiten abrasiert, bei denen sie als Krebskranke noch vor wenigen Wochen vor der Kamera stand.

Eidinger und Altenberger sind sich überhaupt sehr einig und scheinen gut als Team zu funktionieren. Beide sprechen davon, sich gegenseitig Raum zu geben und sich in ihren Rollen auf keinen Fall die Show stehlen zu wollen, sondern gemeinsam zu agieren. Dabei ist das Zusammenspiel für Eidinger "im besten Fall wie guter Sex - den macht man auch miteinander und nicht gegeneinander", sagte Lars Eidinger auf der Pressekonferenz vor einer Woche.

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Schonungslos offen geht Eidinger seine Rolle als Jedermann an - er scheint nicht spielen zu wollen, sondern vielmehr selbst zu sein: Er erkennt das Hofmannsthalsche Werk als absolut zeitgetreu und realistisch an: "Ich bin der reiche Mann. Ich bin der privilegierte reiche toxische Mann, und ich betrete die Bühne und stell mich zur Disposition; ich stelle mich in Frage."

Hörbiger übernimmt zwei Rollen

Ein weiteres Novum setzt Mavie Hörbiger: Die 41-Jährige übernimmt gleich zwei Rollen - zwei scheinbar gegensätzliche. Mit ihr wird zum ersten Mal der Tod wie auch Gott als Frau besetzt. In weiteren Rollen sind unter anderem Angela Winkler (als Jedermanns Mutter), Anton Spieker (Jedermanns guter Gesell), Mirco Kreibich (Mammon) und Gustav Peter Wöhler (Dicker Vetter) zu sehen.

Nach Sturmingers Aussage wird möglicherweise nicht alles von Anfang an rund laufen - zu knapp könnten die vier Wochen Probezeit angesetzt gewesen sein, um eine solch radikale Neuinszenierung auf die Beine zu stellen.

Dennoch werden die Zuschauer ganz sicher einen spannungsgeladenen und radikalen Abend erleben.


Salzburger Festspiele vom 17. Juli bis 31. August, die "Jedermann"-Premiere an diesem Samstag ist ausverkauft, weitere Termine, alle Stücke und Karten unter salzburgerfestspiele.at

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