„Jahre später, gleiche Zeit“ mit Heiner Lauterbach

„Jahre später, gleiche Zeit“ in der Komödie im Bayerischen Hof mit Dominique Lorenz und Heiner Lauterbach
| Mathias Hejny
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Heiner Lauterbach und Dominique Lorenz.
Marina Maisel Heiner Lauterbach und Dominique Lorenz.

George ist in Panik. Sind er und seine Geliebte aufgeflogen? In dem Hotelzimmer hat jemand alte Fotos von ihren alljährlichen Treffen am gleichen Tag am selben Ort aufgehängt. Als George im Telefon und in den Lampen nach Wanzen sucht, kann Doris ihn beruhigen: Die Bilder haben die beiden einst selbst von sich gemacht und sie hängen, weil es genau 25 Jahre her ist, dass sie sich begegneten. Man könnte das, was Doris und George an diesem Tag in einem kalifornischen Hotel feiern, als „silberne Affäre“ bezeichnen.

Der besondere Reiz an den Bildern, die Ausstatter Thomas Pekny für das Bühnenbild der jüngsten Produktion seiner Komödie im Bayerischen Hof verwendet, ist, dass sie aus der eigenen Geschichte des Hauses kommen. Dominique Lorenz als Hausfrau Doris, die ihrem Gatten erzählt, sie verbringe das Wochenende bei „religiösen Exerzitien“ und Heiner Lauterbach als Steuerprüfer George, der zu Hause behauptet, einem Freund bei den Finanzen zu helfen, spielten das Paar schon 1998. Damals hieß das Stück „Nächstes Jahr, gleiche Zeit“.

Sex in reiferen Jahren

Der kanadische Autor Bernard Slade schrieb mit „Jahre später, gleiche Zeit“ eine Fortsetzung und berichtet darin, was mit den beiden zwischen 1976 und 1993 geschah. Darin geht es um das Altern im Allgemeinen, aber auch um Sex in reiferen Jahren im Besonderen. Die Konversationskomödie mit den zauberhaft altmodischen Figuren und ihrem süßem Geheimnis ist aber auch ein amüsant intelligentes Gesellschaftspanorama über das letzte Viertel des vorigen Jahrhunderts. Sogar Donald Trump war damals schon ein Gesprächsthema.

Doris ist inzwischen Fernsehköchin und wird mit einem Schlüsselroman auf Basis ihrer jährlich gelebten Liebesgeschichte zur Bestsellerautorin. Gleichzeitig zerbricht ihre Ehe und die Tochter zerstört sich mit Drogen. George ist nun Witwer und nach einer Affäre mit einer Hippie-Astrologin noch einmal Vater. Später verliert er seinen Job. Bis zum Happyend mit 70 schlagen sie sich ihre Schicksale in pointierten Dialogen um die Ohren.

Heidelinde Weis, die schon beim ersten Teil vor 20 Jahren Regie führte, setzt die ungewöhnliche und doch so unaufgeregt daher kommende Liebesgeschichte mit berührender Behutsamkeit in Szene. Die Situationen entwickeln sich in ruhigem Tempo und das Darstellerduo trägt das souverän. Dominique Lorenz und Heiner Lauterbach mischen an den intensiven Farben der Stimmungen und Atmosphären. Sie ist die liebevolle Geliebte mit großer Durchsetzungskraft, die sich auch mal mütterlich geben kann, wenn ihr Lover wieder auf dem von Lauterbach fein gezeichneten Neurotiker-Trip ist. Ein schöner Abend mit guter Unterhaltung im Boulevardtheater.    

Komödie im Bayerischen Hof, bis 24. Februar, nicht am 24. Dezember, an Silvester 16 und 19.30 Uhr, sonst 19.30 Uhr, sonn- und feiertags 18 Uhr, Telefon 29161633

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