Interview mit Katharina Wagner

Katharina Wagner steht als künstlerische Leiterin an der Spitze der weltberühmten Bayreuther Festspiele. Doch sie repräsentiert sie nicht wie gehabt
| Sophie Rohrmeier
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Dieses Jahr gibts stärkere Sicherheit: Ein Zaun sperrt den Bühnenbereich  des Festspielhauses in Bayreuth ab.
dpa Dieses Jahr gibts stärkere Sicherheit: Ein Zaun sperrt den Bühnenbereich des Festspielhauses in Bayreuth ab.

Sie ist das Gesicht der Wagner-Familie auf dem Grünen Hügel in Bayreuth. Seit ihre Halbschwester Eva Wagner-Pasquier im vergangenen Jahr die Festspielleitung verlassen hat, hat Katharina Wagner allein die künstlerische Macht – aber sie scheint weniger präsent als früher.

AZ: Der neue „Parsifal“ von Regisseur Uwe Eric Laufenberg soll islamkritisch sein. Wie sehen Sie das?

KATHARINA WAGNER: Ich rede grundsätzlich nicht über die Regiearbeiten von Kollegen. Das Werk dreht sich per se um Religiöses, und in Herrn Laufenbergs Interpretation werden alle Weltreligionen auf der Bühne gezeigt, unter anderem der Islam. Ich kann keine Islamkritik darin erkennen. Doch genau wegen dieser Diskussion machen wir diesmal die Pressekonferenz bewusst nach der Premiere, erst am 28. August. Es soll erstmal jeder sehen, was auf der Bühne stattfindet. Und dann reden wir über Inhalte, nicht über Gerüchte.

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Zuerst sollte Andris Nelsons dirigieren. Ist er endgültig weg? Er soll doch 2020 den neuen „Ring“ dirigieren.

Bisher bat Andris Nelsons nur um Vertragsauflösung für 2016. Es gab ja sehr viele Spekulationen in der Öffentlichkeit. Herr Nelsons und ich haben eine Abmachung, dass wir die Gründe nicht kommentieren. Ich möchte aber betonen, dass Andris Nelsons und ich persönlich absolut im Guten zueinander stehen.

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Als Nelsons ging, gab es vor allem Gerüchte über Zwist mit Christian Thielemann. Wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit ihm?

Ich schätze Herrn Thielemanns Rat als Musiker sehr, aber letztlich bin ich die Festspielleiterin, schließe die Verträge ab und treffe final die Entscheidungen.

Und wie bringt er seine musikalischen Ratschläge ein?

Wenn wir beim „Tristan“ zusammenarbeiten, ist er Dirigent der Produktion, da arbeitet er wie die anderen. Es geht unter anderem um Tempofragen, wir arbeiten auch sehr kollegial zusammen, gerade wenn es die Szene betrifft. Er verhält sich mir gegenüber immer sehr kooperativ, es läuft reibungslos. Ich persönlich kann mich nicht über die Zusammenarbeit beschweren.

Aber das liegt ja vielleicht auch an Ihrer Persönlichkeit. Es hieß, Nelsons habe sich nicht recht gewehrt. Sind Sie da anders?

Ich weiß nicht, wie sich andere Leute wehren. Ich bin meist nicht dabei, wenn Christian Thielemann mit anderen Kollegen spricht. Aber ja, natürlich, falls Konflikte entstehen, muss man sie ansprechen und austragen.

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Und wie geht es Ihnen mit dem Sicherheitskonzept?

Spaß macht es nicht, aber man gewöhnt sich daran, dass man seinen Ausweis zeigen muss. Das kennt man ja von vielen anderen Opernhäusern und Firmen auch. Es ist zwar ein bisschen komisch, wenn die Wachleute sagen: „Frau Wagner, Sie haben Ihren Ausweis nicht dabei, dann können wir Sie nicht reinlassen.“ Aber dann läuft man halt nach Hause und holt das Ding. Das macht man genau einmal und dann hat man ihn immer dabei. Das hat einen guten pädagogischen Effekt.

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Aber nicht alle Künstler gehen damit so entspannt um, oder?

Es gibt auch Kollegen, die sich daran stören, und das verstehe ich auch. Die sagen: „Wir wollen doch nur Kunst machen und nicht kontrolliert werden.“ Das ist sehr typabhängig. Unabhängig davon ist aber die Frage interessant, ob es das Publikum beeinträchtigt. Bei der „Rheingold“-Generalprobe lief es ganz gut, jetzt habe ich eigentlich keine Befürchtungen mehr. Aber wissen kann man es nie.

Haben Sie an Ihrer vorjährigen Inszenierung von „Tristan und Isolde“ etwas verändert?

Ja, wir haben daran gearbeitet. Petra Lang ist neu dazugekommen, die wirklich eine wunderbare Sängerin ist und in der Rolle der Isolde debütiert. Das macht sie ganz großartig, sowohl musikalisch als auch szenisch. Sie ist einfach eine tolle Künstlerin. Durch die neue Person allein verändert sich schon etwas. Aber wir haben auch an Feinheiten gearbeitet. Wir haben die Isolde im dritten Akt noch etwas abstrakter angelegt, die Masken werden noch etwas fremder. Es ist eine Vision Tristans.

Und wer inszeniert den „Ring“ 2020, vielleicht sogar Sie selbst?

Ich bin Regisseur, ich sollte nie ausschließen, dass ich inszeniere. Sein kann alles. Jedoch sage ich nicht mehr öffentlich, mit wem ich in Verhandlungen stehe. Ich gehe nur noch mit Fakten an die Öffentlichkeit, weil Tatsachen noch Jahre später falsch dargestellt werden.

Was ist denn Ihre Vision für die kommenden Jahre?

Aufgrund der Stiftungssatzung dürfen wir nur Wagner spielen. Man kann aber sehr viel entwickeln, was das Rahmenprogramm angeht, und da gibt es durchaus Visionen, insbesondere was die Jugendförderung betrifft. Wir haben schon die Master Class für Gesang. Es wäre eine tolle Sache, das auch für Dirigenten auszubauen. Da möchte ich auf jeden Fall dran arbeiten, da junge Künstler von erfahrenen Sängern und Dirigenten lernen können. Ein weiteres Thema ist, wie man die mediale Verwertung ausbauen sollte – aber das ist nicht zuletzt eine Kostenfrage.

Sie sind ja – anders als so mancher Künstler – die Konstante auf dem Grünen Hügel. Warum treten Sie als Repräsentantin nicht mehr in die Öffentlichkeit?

Ich mag zwar die Konstante sein, aber ich kann nicht an zwei Orten gleichzeitig sein. Wir haben Kino-Übertragungen mit Live-Programmen, in denen ich als Festspielleiterin zur Verfügung stehe. Dabei kann man mich durchaus sehen.

Ihr Vater hat sich ja als Ikone aufgebaut. Wie sehen Sie Ihre Rolle im Vergleich?

Hat er das getan? Ich glaube eher, dass er, nach über einem halben Jahrhundert als Festspielleiter, für manche zur Ikone geworden ist. Mit dem Ende der Ära Wolfgang Wagner gab es eine wesentliche Strukturveränderung. Mein Vater war Gesellschafter und Geschäftsführer in Personalunion, heute hat die Bayreuther Festspiele GmbH vier Gesellschafter. Dadurch sind die Entscheidungsprozesse außerhalb des künstlerischen Bereiches komplexer geworden und somit die Rollen nicht mehr ganz vergleichbar.

Inwiefern?

Mit stetiger Weiterentwicklung der Technik hat sich auch das Anforderungsprofil bezüglich medialer Verbreitung geändert. Zu den Zeiten meines Vaters wurden Aufführungen im Vorfeld aufgezeichnet, die dann zeitversetzt im Fernsehen gezeigt wurden. Heutzutage sind Liveübertragungen Standard. Dieses Jahr übertragen wir fünf Werke in der Premierenwoche live ins Kino und ins Fernsehen, inklusive Vor- und Pausenprogrammen. Da kollidieren Arbeits- mit Repräsentationsinteressen.

Ist der rote Teppich einfach nicht so sehr Ihr Ding?

Der rote Teppich, die Pausenempfänge und andere Repräsentationsaufgaben wären durchaus auch mein Ding, wenn nicht zeitgleich das international live ausgestrahlte Vor- und Pausenprogramm die direkte Repräsentanz und Teilnahme von mir erfordern würde.  

BR Klassik überträgt die Premiere von „Parsifal“ am Montag ab 16 Uhr live, ab 18 Uhr wird die Aufführung zeitversetzt in ausgewählte Kinos übertragen. In München u.a. ins CinemaxX, Gloria, Mathäser, Cineplex Germering, Gröbenlichtspiele

 

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