In der entlaufenen Loge der Opernbude

Eine Oper (fast) für einen allein – dieses König-Ludwig-Gefühl gibt es in den Kammerspielen
| Robert Braunmüller
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Die Opernbude im Charlottenhof der Kammerspiele.
Max Zimmermann 3 Die Opernbude im Charlottenhof der Kammerspiele.
Die Opernbude im Charlottenhof der Kammerspiele.
Max Zimmermann 3 Die Opernbude im Charlottenhof der Kammerspiele.
Die Opernbude im Charlottenhof der Kammerspiele.
Max Zimmermann 3 Die Opernbude im Charlottenhof der Kammerspiele.

Die Kiste erinnert an einen Beichtstuhl. Aber Opernleidenschaft ist keine Sünde, die der Absolution bedarf. Das Produktionsteam spricht von einer „entlaufenen Opernloge“, die im Hof der Kammerspiele Asyl gesucht hat – also auf dem gleichsam neutralen Gebiet eines grenzüberschreitend aufgestellten Schauspielhauses, das in dieser Saison allen dramatischen Künsten von der Performance bis zur Oper eine Zuflucht bietet.

Drei Leute dürfen pro Vorstellung hinein. Und notfalls, wie in der Premiere von „When We are laid in Earth“ auch noch eine vierte Person auf einem Schemel. Dann wird’s aber schon etwas eng in dem stilecht mit einem kleinen Lüster und Barockengelchen ausgestatteten Kämmerchen, von dem man in eine andere, ähnliche Loge blickt.

Applaus ertönt, vier Sängerinnen verbeugen sich. Der Inspizient sagt über die Sprechanlage eine Pause von 15 Minuten an. Die Damen schminken und pudern sich. Sie bereiten sich auf ihren Auftritt im letzten Akt von Henry Purcells „Dido and Aeneas“ vor. Ist die Situation der karthagischen Königin wirklich so ausweglos? Warum ersticht sie sich, um gleichzeitig auf einem Scheiterhaufen zu verbrennen?

Die 15-minütige Performance ist eine knappe, konzentrierte Auseinandersetzung mit Purcells Oper. Kevin Barz hat die Aufführung inszeniert. Bis zum 17. Juli folgen vier weitere Dido-Variationen und als Finale Clara Hinterbergers „Jelinek-Oper“. Das Programm beginnt bereits am Nachmittag mit Klanginstallationen. Und zum Tagesausklang folgt Musik, „wenn auch andere Musik, als die entlaufene Opernloge in ihrem bisherigen Leben gehört hat“, so die Kammerspiele.

Mit ein wenig Repertoire-Kenntnis macht das Programm von David Martons Opernbude doppelt Spaß. Natürlich könnte man sich fragen, ob das Ganze nicht besser ins Rahmenprogramm der Opernfestspiele passen würde. Eine Stunde vor Beginn der Abendvorstellung in den Kammerspielen gibt es in der Kammer 1 aber ein fünfminütiges Kurzprogramm, das sich ohne weiteres mit einem Besuch im Nationaltheater auf der anderen Straßenseite der Maximilianstraße kombinieren lässt.

Um sich in der Opernbude allerdings eine Viertelstunde lang (fast) wie König Ludwig II. in einer für ihn allein gespielten Separatvorstellung zu fühlen, muss man extra in den Charlottenhof der Kammerspiele kommen.

Opernbude, jeweils 30 Minuten nach Beginn der Hauptvorstellung (meist 20.30 Uhr), 3 Euro, Eintritt nur möglich nach Anmeldung per E-Mail an opernhaus@kammerspiele.de

 

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