Im Museum der Erinnerung

Hans Werner Henzes Kammeroper „Elegie für junge Liebende” im Cuvilliéstheater
| Robert Braunmüller
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Golda Schultz (Elisabeth Zimmer), Dean Power (Toni Reischmann) und Tim Kuypers (Mittenhofer) in Henzes „Elegie für junge Liebende“.
Golda Schultz (Elisabeth Zimmer), Dean Power (Toni Reischmann) und Tim Kuypers (Mittenhofer) in Henzes „Elegie für junge Liebende“.

Vor über einem halben Jahrhundert sang an gleicher Stelle Dietrich Fischer-Dieskau die Rolle: Hans Werner Henze hatte diesen großen Interpreten im Ohr, als er die Rolle des Großdichters komponierte, der seine Mitwelt wie ein Vampyr aussaugt, weil die Inspiration zum Dichten nicht reicht.
Es gehören Mut und gute Nerven dazu, um als junger Sänger diese auch auf Platte festgehaltene Partie Fischer-Dieskaus zu wagen. Der Bariton Tim Kuypers meisterte sie mühelos und textverständlich. Und eine starke Ausstrahlung hat er auch.

Nach über 50 Jahren kehrte die von der Bayerischen Staatsoper in Schwetzingen uraufgeführte und später ins Cuvilliéstheater übernommene Kammeroper „Elegie für junge Liebende” an den Ort ihrer Münchner Erstaufführung zurück. Das Werk wirkt heute etwas verkopft. Aber es diente einem guten Zweck: Denn wieder einmal wurde deutlich, wie ernst Nikolaus Bachler und sein Team die Nachwuchspflege nehmen. Die Mitglieder des Opernstudios, die sonst das Taumännchen, diverse Pagen und sonstige Stichwortgeber singen, verkörperten hier ziemlich schwierige Hauptrollen, und es war ein großes Vergnügen, ihnen dabei zuzuhören.

Die Kunst des Weglassens

Für die Rolle der Hilda Mack hat Henze die Wahnsinnsszene aus „Lucia di Lammermoor” noch einmal komponiert. Iulia Maria Dan würde auch diese Donizetti-Partie zum allgemeinen Entzücken hinkriegen. Auch die anderen nicht minder heiklen Frauenrollen waren bei Golda Schultz (Elisabeth Zimmer) und Silvia Hauer (Kirchstetten) in besten Händen. Dean Powers metallischer Tenor passt bestens zu modernen Rollen, und auch Rafal Pawnuk hatte die nötige Autorität für den Arzt Reischmann.

Regisseurin Christiane Pohle hatte die unangenehme Aufgabe, eine Geschichte, in der unterschiedliche Generationen aufeinander treffen, allein mit jungen Menschen zu inszeniereren. Sie übte sich auf der fast leeren Bühne des Rokokotheaters in der allerhöchsten Kunst: der des Weglassens. Aber sie ließ zuviel weg und fügte auch stumme Szenen zu Henzes „Tristan-Préludes” hinzu, gespielt von Tobias Truninger, dem musikalische Leiter des Opernstudios, der auch in der Sprechrolle eines Bergführers absolut professionell wirkte.
Nach viel Regie-Unentschiedenheit fand die Inszenierung erst gegen Ende, als Mittenhofer zwischen Matterhorn-Modellen alle Figuren im Museum seiner Erinnerungen bannte, zu einer klaren Bildsprache. Zuvor lohnte es sich mehr, dem von Francesco Angelico präzise geführten Staatsorchester zuzuhören.

Noch einmal am 7. und 9. Mai 2013, 19 Uhr im Cuvilliestheater, Karten 21 85 19 20

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