"Vive la Belle Époque": Hurra, ein Opernball für München

Josef E. Köpplinger verspricht neun Premieren und einen Opernball für die kommende Spielzeit seines Theaters.
von  Robert Braunmüller
Rubén Dubrovsky, Josef E. Köpplinger und Karl Alfred Schreiner (von links).
Rubén Dubrovsky, Josef E. Köpplinger und Karl Alfred Schreiner (von links). © Anna Schnauss

Mit dem Christian-Morgenstern-Zitat "Es gibt in Wahrheit kein letztes Verständnis ohne Liebe" hat Josef E. Köpplinger seine 15. Spielzeit am Gärtnerplatztheater überschrieben. Und verständige Liebe schlägt ihm auch seitens seines Publikums entgegen: Die Auslastung liegt bei 98 Prozent, die Zahl der Abos konnten um 12 Prozent gesteigert werden und auch bei den jüngeren Besuchern erfreut sich das Theater großer Beliebtheit. Selbst die Uraufführung von Johanna Doderers Oper "Der tollste Tag" am Beginn der laufenden Spielzeit erreichte beachtliche 85 Prozent.

Auch in der kommenden Spielzeit möchte Köpplinger dazu beitragen, dass die Schönheit in der Welt bleibt, wie er bei der Vorstellung der neuen Spielzeit sagte. Als erste Premiere der neuen Spielzeit kommt am 18. Oktober Rossinis "Die Reise nach Reims" heraus, bei deren Wiederentdeckung durch die Wiener Staatsoper der Intendant auf dem Stehplatz viel gelacht hat. Regie führt Dirk Schmeding, Enrico Lombardi dirigiert als Gast diese anlässlich der Krönung des französischen Königs Karl X. entstandene Oper mit zehn Hauptrollen.

Am 20. November bringt Köpplinger in eigener Regie Carl Michael Ziehrers unterschätzte Operette "Die Landstreicher" heraus, die in Oberbayern spielt. Christiane Lutz inszeniert, der Hausherr schreibt den Text neu. Dann folgt die erste Uraufführung der neuen Saison: das Familienmusical "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" nach dem Buch von Judith Kerr mit Musik von Thomas Zaufke. Premiere ist am 9. Dezember auf der Studiobühne.

Gärtnerplatztheater: Der wilde Westen als Ballett

Als erste Premiere des Jahres 2027 erkundet das italienische Choreografenduo Kor’sia unter dem Titel "Far West" das bisher kaum gehobene Potenzial eines Westernballetts. Bis Anfang März studiert Chefdirigent Rubén Dubrovsky dann mit dem Ensemble "Roméo et Juliette" von Charles Gounod ein. Herbert Föttinger inszeniert.

Ab Ende des gleichen Monats lässt sich halbszenisch erkunden, was jenseits der Glöckchenarie und dem aus der Süßwarenwerbung bekannten Blütenduett in der Oper "Lakmé" von Leo Delibes steckt. Für Erklärungen sorgt dabei Nikolaus Habjans Puppe Professor Bienenzeisel.

Josef Köpplinger wurde 1964 in Hainburg an der Donau geboren. Er studierte an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien, war freischaffender Regisseur, Schauspielchef in St. Gallen und Intendant in Klagenfurt. Seit 2013 ist er Intendant des Gärtnerplatztheaters.
Josef Köpplinger wurde 1964 in Hainburg an der Donau geboren. Er studierte an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien, war freischaffender Regisseur, Schauspielchef in St. Gallen und Intendant in Klagenfurt. Seit 2013 ist er Intendant des Gärtnerplatztheaters. © picture alliance / dpa / Andreas Gebert

Der April bringt eine weitere Uraufführung: Das Musical "Finding Neverland" von Gary Barlow und Eliot Kennedy nach dem Peter-Pan-Stoff. Dessen Bekenntnis zur kindlichen Fantasie liebt Köpplinger besonders, weshalb er die Produktion auch selbst inszeniert. Auch die Juni-Premiere erarbeitet der Hausherr: "Ariadne auf Naxos" von Richard Strauss. Michael Balke dirigiert, Ariadne und Bacchus werden von jungen Gästen übernommen.

Weiter "Les Misérables" mit elf Vorstellungen

Am Ende der Saison beendet Ballettchef Karl Alfred Schreiner seine mit "Berlin 1920" begonnen und mit "Chicago 1930" fortgesetzte Reihe mit "Buenos Aires 1940". Der in dieser Stadt geborene Chefdirigent hat dafür Musik von Astor Piazzolla und Alberto Ginastera ausgesucht.

Das Musical „„Les Misérables“ bleibt mit 12 Vorstellungen im Spielplan.
Das Musical „„Les Misérables“ bleibt mit 12 Vorstellungen im Spielplan. © Ludwig Olah

Im Repertoire bleiben sieben Opern, sechs Operetten, drei Ballette und drei Musicals – darunter "Les Misérables" mit elf Vorstellungen. Dubrovsky dirigiert drei Konzerte: eines mit einem Strauss-Programm, zwei mit Musik von Béla Bartók.

Ein Abend im Gärtnerplatztheater.
Ein Abend im Gärtnerplatztheater. © Sven Hoppe (dpa)

Am Pfingstsamstag 2027 veranstaltet das Haus einen Opernball unter dem Motto "Vive la Belle Époque" – nicht als "Schaulaufen auf dem roten Teppich", sondern als Liebeserklärung an Kunst und Kultur, wie Köpplinger betont. Die Schirmherrschaft übernehmen Brigitte Fassbaender und Herzog Franz. Den für den Abbau unvermeidlichen Schließtag überbrücken Kabarettisten und ein Kinderkonzert, die Generalprobe gibt’s als Sozialprogramm.

Es gibt wieder Kaffee

Köpplinger hätte gerne eine zweite Bühne, um Studio-Musicals länger und öfter spielen zu können. Aber das ist schwierig, wie der Intendant selbst weiß. Und aus der Idee, ins Kino am Sendlinger Tor einzuziehen, ist nichts geworden.

Die neue Theke im Pausenfoyer des Gärtnerplatztheaters - allerdings ohne Kaffeemaschine.
Die neue Theke im Pausenfoyer des Gärtnerplatztheaters - allerdings ohne Kaffeemaschine. © Marie-Laure Briane

Und, ach ja, fast hätten wir es vergessen: Kaffee gibt’s bei den Abendvorstellungen auch wieder, allerdings nicht im Pausenfoyer, sondern nur im Parkett.

Infos zu Abos, Terminen und dem weiteren Programm auf gaertnerplatztheater.de

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