Kritik

„Holiday On Ice - Cinema of Dreams“ mit Gaststar Max Giesinger

Der Himmel auf Kufen: Die Hommage ans große Hollywoodkino in der Münchner Olympiahalle
Veronika Beck |
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Eislauf, Akrobatik, Pop und Kino: Hier eine bunte Nummer aus „Cinema of Dreams“.
Holiday on Ice/Morris Mac Matzen 5 Eislauf, Akrobatik, Pop und Kino: Hier eine bunte Nummer aus „Cinema of Dreams“.
Close-up in die Show.
Holiday on Ice/Morris Mac Matzen 5 Close-up in die Show.
Hier eine ethno-gefärbte Nummer, die an „König der Löwe“ erinnert.
Holiday on Ice/Morris Mac Matzen 5 Hier eine ethno-gefärbte Nummer, die an „König der Löwe“ erinnert.
Fantastisch.
Holiday on Ice/Morris Mac Matzen 5 Fantastisch.
Max Giesinger ist Gaststar.
picture alliance/dpa 5 Max Giesinger ist Gaststar.

In einem kleinen Hotel in Toledo, USA, fand am Abend des 25. Dezember 1943 eine unscheinbare Eisrevue statt. Es war die allererste Show von Holiday on Ice und die war eigentlich als Unterhaltungsveranstaltung für amerikanische Soldaten gedacht. Ein anwesender Unternehmer erkannte jedoch das Potenzial dieser kontrollierten Zerstreuung und ließ schon bald die ersten mobilen Eisbahnen bauen, wodurch er die Eis-Show in ein internationales Erfolgsmodell verwandelte.

Die schillernden Looks und die naive Leichtigkeit der Show erwiesen sich als effizientes Mittel gegen die Trostlosigkeit der Nachkriegszeit. Mit Holiday on Ice wurde eine leicht konsumierbare Form von Eskapismus exportiert, der weder forderte noch verstörte.

Das Erfolgsrezept: Beständigkeit
in Glitzer

Von den Vereinigten Staaten aus eroberte das Format auch Europa und schaffte es sogar durch den Eisernen Vorhang in die Sowjetunion. Heute zählt Holiday on Ice zu den meistbesuchten Live-Entertainment-Events der Welt und auch in der Olympiahalle München ist über Tage jeder Platz ausverkauft. Es ist ein ausgefeiltes Spektakel, das seit seiner Uraufführung zwar enorm expandiert hat, sich in seinem Kern aber kaum verändert. Das Erfolgsrezept: Beständigkeit verkleidet in Glitzer.

Close-up in die Show.
Close-up in die Show. © Holiday on Ice/Morris Mac Matzen

Unter der künstlerischen Leitung von Kim Gavin, der als Creative Director bereits Shows für Adele und Robbie Williams produziert hat, wird Jahr für Jahr der Hochleistungssport auf Kufen in funkelnde Tutus verpackt und mit eingängiger Popmusik unterlegt.

Das Bühnenbild der diesjährigen Ausgabe „Cinema of Dreams“ zeigt passend die klassische Fassade eines alten, verlassenen Kinos. Drei Freunde entdecken dieses scheinbar zufällig und beschließen, es zu renovieren. In diesem Plot scheint auch ein bisschen die eigene Geschichte von Holiday on Ice selbst versteckt zu sein: ein kleines Unternehmen, das wider Erwarten durchstartet. In den folgenden zwei Stunden verwandelt sich die Eisfläche in eine Hommage an verschiedene Hollywood-Blockbuster. Dramaturgisch offenbart sich „Cinema of Dreams“ dabei nicht als kreatives Meisterwerk, präsentiert wird mit jedem Auftritt eine eindeutige Referenz zu Film-Klassikern wie „Dune“ oder „James Bond“. Doch wo die Dramaturgie überschaubar bleibt, glänzt die Show mit handwerklicher Präzision, aufwändigen Kostümen und waghalsigen Choreografien mit Sprüngen, Hebefiguren und stuntreifen Nummern in der Luft.

Hier eine ethno-gefärbte Nummer, die an „König der Löwe“ erinnert.
Hier eine ethno-gefärbte Nummer, die an „König der Löwe“ erinnert. © Holiday on Ice/Morris Mac Matzen

Bei den sogenannten Aerial Acts, arbeiten die Tänzer mithilfe von Bungee-Seilen, wodurch sie nicht nur meterhoch springen können, sondern auch den gesamten Luftraum der Olympiahalle in ihre Performance integrieren. Einen Höhepunkt im Finale sieht man, als eine Tänzerin - offenbar ohne Sicherung - von ihrem Partner an den Beinen durch die Luft gewirbelt wird.

Max Giesinger wird mit einem Flügel aufs Eis geschoben

Abgerundet wird die Show durch einen Auftritt des Musikers Max Giesinger, der seine Songs „Butterfly Effect“ und „Wenn sie tanzt“ zum Besten gibt - leider selbst nicht auf Schlittschuhen, dabei aber auf einem Flügel, der auf das Eis geschoben wurde.

Fantastisch.
Fantastisch. © Holiday on Ice/Morris Mac Matzen

Während die Tänzer in jedem Act ein weiteres, opulentes Outfit präsentieren, bleibt Giesinger ganz in Schwarz. Sein Auftritt wirkt bewusst bescheiden, als wüsste er genau, dass es an diesem Abend unmöglich ist, der fast 40-köpfigen Crew aus Eiskunstläufern Konkurrenz zu machen. Selbst seinen sonst sehr poppiger Hit „Wenn Sie tanz“ verwandelt er für diesen Anlass in eine ruhige Ballade, man sieht nur Giesinger und sein Piano im Spotlight. Nach seinem Auftritt bleibt er hinter seinem Klavier sitzen und wartet brav, bis er wieder vom Eis geschoben wird. Holiday on Ice beschenkt sein Publikum mit Zeit - mit zwei Stunden, die sich durch den Wirbel an Darbietungen viel länger anfühlen, als sie eigentlich sind. Und es sind zwei Stunden, in denen die Olympiahalle ein Ort wird, an dem die Welt in Ordnung ist.

Max Giesinger ist Gaststar.
Max Giesinger ist Gaststar. © picture alliance/dpa

Vielleicht ist das der Grund, weshalb die Eis-Revue heute populärer denn je ist. Denn Beständigkeit und Ablenkung in Glitzerkleidung klingen eigentlich nach dem perfekten, illusionsreichen, bunten Start ins neue Jahr - mit all seinen kommenden Unsicherheiten.

 

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