Hofspielhaus München: "Der Kontrabass" - mehr Hindernis als Instrument

Michael A. Grimm spielt Patrick Süskinds "Der Kontrabass" im Hofspielhaus.
| Mathias Hejny
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Michi Grimm.
Martin Hangen/hangenfoto Michi Grimm.

Der Mann hat keinen Namen, ist kein berühmter Solist, sondern nur Tuttist, aber er ist Kult. Nikolaus Paryla spielte unter eigener Regie 1981 die Uraufführung im Cuvilliéstheater. Dort blieb "Der Kontrabass" 20 Jahre im Spielplan, bis er vom Volkstheater übernommen wurde. Paryla spielte den Monolog in den letzten vier Jahrzehnten mehr als 700 Mal, und die Virtuosität, mit der Patrick Süskind hochkomisch erzählt, dass eigentlich nichts passiert, ist nach wie vor eine lohnende Herausforderung für Schauspieler, die mehr glänzen wollen als der Protagonist, den sie spielen.

Brachte Paryla seinen Wiener Schmäh ein, bringt jetzt im Hofspielhaus Michael A. Grimm, den Zuschauer des TV-Vorabendprogramms unter anderem von den "Rosenheim-Cops" kennen, Süskind den oberbayerischen Zungenschlag bei. Den griabigen Klang und seine füllige Netter-Kerl-Körperlichkeit nutzt er, sich als sympathischer und kenntnisreicher Orchestermusiker einzuführen, der stolz, fast ein wenig eitel, sein Instrument als das Fundament der Musik, unverzichtbarer jedenfalls als ein Dirigent, feiert.

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Schweißtreibendes Musizieren mit dem Kontrabass

Man erfährt allerdings auch, dass es ein schweißtreibendes Musizieren ist, und eigentlich ist es weniger Klang, den er erzeugt, sondern mehr ein Kratzen. "Wegen des Flüssigkeitsverlusts" säuft er sich mehrfach durch die gesamte Produktpalette des Brauhauses, das das Hofspielhaus sponsort, und mit den Promillen steigen der Hass auf den monströsen Kasten, der "mehr ein Hindernis ist als ein Instrument" und auch der Selbsthass eines mittelmäßigen Kulturdienstleisters.

Er kann sein Problem sogar psychoanalytisch erläutern: Der Vater war dominant, völlig unmusikalisch und ein Beamter; die Mutter war "musisch versponnen", und nun vergewaltigt er jeden Abend in Gestalt des weiblich geformten Kontrabasses die Mutter und rächt sich beim Vater damit, dass er Musiker ist, als Mitglied eines Staatsorchesters trotzdem Beamtenstatus genießt.

Er gesteht auch die Liebe zur Mezzosopranistin Sarah, die davon natürlich nichts weiß. Und während er sich den Skandal ausmalt, mit dem er heute Abend die Galavorstellung platzen lassen will, um endlich Sarahs Aufmerksamkeit zu gewinnen, macht Grimm in der fein beobachtenden Inszenierung von Georg Büttl wie beiläufig aus dem bemitleidenswerten Tropf einen gefährlichen Menschen.


Hofspielhaus, Donnerstag bis Samstag, und 2., 3., 8.-10., 15., 16. Juli, 20 Uhr, Telefon 089 24209333 und auf der Website.

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