Viel Charme, wenig Feinschliff: Stefan Leonhardsberger spielt "Herzklopfen" in München
Eigentlich wirkt er wie ein gestandenes Mannsbild, der Stefan Leonhardsberger, wie er da auf die Bühne des Lustspielhauses kommt, kurz geschoren die dunklen Haare, perfekt getrimmt der dunkle Bart. Aber nein, auch einer wie er hat "Herzklopfen" – so lautet der Titel seines neuen Programms, womit er das Wummern hinter der Brust meint, welches auch einen kernigen Typen befallen kann, etwa, wenn sein erstes Kind auf die Welt kommt. Oder wenn er vor vollem Haus frisches Comedy-Material präsentiert.
Eine starke Neigung zur Fürsorge (und zur Wohnungshygiene) wurde dem Mann aus der oberösterreichischen Stadt Freistadt im Unteren Mühlviertel nicht unbedingt in die Wiege gelegt. Bei der Geburt des ersten Sohnes wurde Leonhardsberger recht nervös, schließlich gingen bei ihm zuvor alle Zimmerpflanzen ein, "selbst der Kaktus". Über 40 ist er heute, hat mittlerweile drei Kinder. Einen Applaus für seine Frau fordert er beim Publikum ein, und man ahnt, dass die Gattin in Sachen Care–Arbeit die Nase vorn hat, während er selbst sogar mit den traditionellen Mannespflichten hadert.
Es ist schon a bisserl peinlich, wenn man den Nachbarn Mark um Hilfe bitten muss, wenn es was in den eigenen vier Wänden zum Werkeln gibt. Dass Leonhardsberger nicht einmal weiß, dass man eine Markise weder "verfugt" noch "verlegt", möchte man kaum glauben, aber es klingt lustig. Und wenn er die Annahme, dass Männer handwerklich begabt sind, mit den Erwartungen an einen Biber vergleicht, der wissen sollte, wie man einen Damm baut, kann man kurz an den aktuellen Pixar-Film "Hoppers" denken, in dem es ja auch um Biber und Staudämme geht, nur dass im Biber-Fell eine junge Frau steckt.
Nicht ganz ausgereift
Das Männliche in all seinen fragilen Facetten beleuchtet Leonhardsberger in seinem neuen Programm, blickt auf seine Jugend zurück, als die Aussicht auf die Freuden des "Pettings" eher für weiche Knie als harte Männlichkeit sorgte. Die Gelassenheit von Löwenvätern, die nur gelegentlich einen Büffel für die Familie reißen müssen, beneidet er, bewundert auch die Stärken seines eigenen Vaters, wobei er sich für dessen "Dad Jokes" schämt – um einige der schalen Witzchen erheiternd dem Publikum zu erzählen.

Insgesamt wirkt das neue Programm noch unausgegoren, an manchen Stellen vermisst man die zündenden Pointen. Aber Leonhardsberger macht vieles mit seiner sympathischen Ausstrahlung, seinem Schmäh wett. Den Kontakt zur Menge pflegt er in aller Herzlichkeit, will unter anderem wissen, wer denn schon über 10, 20 oder gar 30 Jahre zusammen ist. Ein Langzeitpaar in den ersten Reihen fragt er, was sie über all die Jahre zusammengehalten hat. Die lapidare Antwort der Frau: "Drei Kinder."

In der ersten Hälfte wagt er sich an einen Rap, in der zweiten Hälfte hat er auch die Gitarre dabei, lässt das Publikum beim "Langzeitbeziehungssong" mitsingen. Zur komödiantischen Abwechslung gehört mancher körperliche Einsatz, zum Beispiel, wenn er den Muskelmann markiert, der zunächst vergeblich versucht, durch einen Türstock zu kommen. Es ist halt nicht leicht, ein Mann zu sein. In jeder Beziehung gebe es einen Hosenscheißer und einen "Gangsta", wobei heute meistens die Frauen kriminell cool sind. Da kann man schon Herzklopfen bekommen. Aber das ist ja vielleicht auch ein schönes Gefühl.
Nächste Auftritte im Lustspielhaus am 12. Mai, 19.30 Uhr, und 7. Juli, 20 Uhr; Karten unter Telefon 34 49 74
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