Hartmut Haenchen hat den schlechtesten Platz

Für den „Parsifal“ ist Hartmut Haenchen kurzfristig auf dem Grünen Hügel eingesprungen. Eine Herausforderung
| Sophie Rohrmeier
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Parsifal (Klaus Florian Vogt) und Klingsors Zaubermädchen in der Bayreuther Neuinszenierung des Regisseurs Uwe Eric Laufenberg.
Enrico Nawrath/Bayreuther Festspiele/dpa 3 Parsifal (Klaus Florian Vogt) und Klingsors Zaubermädchen in der Bayreuther Neuinszenierung des Regisseurs Uwe Eric Laufenberg.
Der Regisseur auf einer Probe mit Elena Pankratova (Kundry).
Bayreuther Festspiele 3 Der Regisseur auf einer Probe mit Elena Pankratova (Kundry).
Parsifal (Klaus Florian Vogt) und Klingsors Zaubermädchen in der Bayreuther Neuinszenierung des Regisseurs Uwe Eric Laufenberg.
Enrico Nawrath/Bayreuther Festspiele/dpa 3 Parsifal (Klaus Florian Vogt) und Klingsors Zaubermädchen in der Bayreuther Neuinszenierung des Regisseurs Uwe Eric Laufenberg.

BAYREUTH - Der versenkte Orchestergraben ist eine große Umstellung für jeden Dirigenten – auf für einen erfahrenen Profi wie Hartmut Haenchen. Nur wenige Tage hatte er Zeit, um sich nach dem überraschenden Rücktritt von Andris Nelsons auf den „Parsifal“ in Bayreuth einzustellen.

AZ: Herr Haenchen, was macht das Dirigieren in Bayreuth so schwierig?

HARTMUT HAENCHEN: In Bayreuth braucht man im Gegensatz zu anderen Opernhäusern wirklich Hilfe von außen, um zu erfahren, wie es im Saal klingt. Mein Assistent sitzt deshalb im Zuschauerraum und gibt mir telefonische Hinweise zum Klangbild und zur Balance. Der Dirigent hat sowieso immer den schlechtesten Platz – aber in Bayreuth ist es besonders schwierig.

Inwiefern?

Die Überdeckung des Grabens ist für meine Größe zu niedrig, und ich stoße bei meinen normalen Dirigierbewegungen oben an, muss mich also permanent in meinen Bewegungen umstellen. Das Orchester sitzt auch ganz anders. Die ersten Violinen sind rechts neben mir, die sonst links sitzen, damit die direkte Klangabstrahlung der Instrumente mit dem Gesamtklang über die Bühne im Saal ankommt. In Bruchteilen von Sekunden muss man im Kopf das, was man unten in dem sehr tief gehenden Graben hört, umdenken in das, was oben klingen soll.

Lesen Sie auch unser Interview mit dem Regisseur Uwe Eric Laufenberg

Der verdeckte Graben hat aber noch andere Effekte, oder?

Man sieht die Bühne nur zur Hälfte. Das erschwert den direkten Kontakt mit Chor und Solisten. Der Orchesterklang kommt immer zuerst auf der Bühne an und wird dann zusammen mit den Stimmen in den Zuschauerraum reflektiert. Ich muss also immer eine minimale Verzögerung der Sänger erzeugen – also genau das, was man in jedem anderen Opernhaus vermeidet – , damit die beiden Klangquellen im Saal synchron klingen. Das muss man hier sehr schnell lernen. Das ist, gerade auch auf die Länge des Stücks gesehen, anstrengend.

Kann da jeder Dirigent gleich gut damit umgehen?

Mir hat die Festspielleiterin Katharina Wagner gesagt, dass manche Dirigenten mit dem Graben gar nicht zurechtgekommen sind und deshalb auch nicht wieder nach Bayreuth kommen wollten. Aber ich fühle mich gut. Und ich habe die Unterstützung dieses hervorragenden Orchesters.

Wie kommt denn der Klang bei den Zuschauern an?

Es gibt im Vergleich zu anderen Häusern einen relativ langen Nachhall. Das hat enorme Vorteile, aber auch Nachteile. Schnelle Tempi mit großer Kontrapunktik sind problematisch, das trifft auf den ‚Parsifal‘, der ja als einziges Stück direkt für diese Akustik geschrieben ist, weniger zu als zum Beispiel auf die „Meistersinger“. Und Artikulationen verschwimmen leicht.

Was bedeutet das für Ihr Handwerk?

Man muss alles etwas knapper und kürzer fassen, damit es im Saal noch klar klingt. Aber man hat auch die Chance, sehr differenziert zu arbeiten. Wagner wollte „Parsifal“ als eine Erzählung aufgeführt wissen, und dazu braucht man alle dynamischen Möglichkeiten. Der dynamische Spielraum in diesem Graben ist ausgesprochen gut.

Den hätte Andris Nelsons aber wohl anders genutzt als sie. Wie wird sich ihre Arbeit von seiner geplanten unterscheiden?

Ich kenne die Auffassung von Herrn Nelsons nicht. Die mir verbliebene Zeit für Proben habe ich genutzt, um den Sängern Wagners Ideen über Tempo und Ausdruck, so wie wir das aus den unterschiedlichsten Quellen wissen, die ich zusammengetragen habe, zu vermitteln. Das heißt, wir werden Wagners Forderung umsetzen, etwas unter der Uraufführungs-Zeit zu bleiben. Manche Kollegen brauchen bis zu einer Stunde länger.

Nach Nelsons’ Weggang hatte es geheißen, Musikdirektor Christian Thielemann habe sich zu sehr eingemischt. Wie geht es Ihnen mit ihm?

Ich höre, dass Herr Thielemann sehr oft in meinen Proben war. Wir sehen uns bei den nebeneinander liegenden Garderoben und pflegen kollegialen, freundlichen Kontakt.

BR Klassik überträgt die Premiere ab 16 Uhr live

 

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