Hallo, Usher, altes Haus!

Edgar Allan Poes „Untergang des Hauses Usher“ mit den Puppen von Suse Wächter
| Mathias Hejny
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Suse Wächter mit einer ihrer Puppen.
Thomas Dashuber 4 Suse Wächter mit einer ihrer Puppen.
Szene aus "Der Fall des Hauses Usher".
Thomas Dashuber 4 Szene aus "Der Fall des Hauses Usher".
Die tote Mutter Usher.
Thomas Dashuber 4 Die tote Mutter Usher.
Szene aus "Der Fall des Hauses Usher".
Thomas Dashuber 4 Szene aus "Der Fall des Hauses Usher".

Edgar Allan Poes „Untergang des Hauses Usher“ mit den Puppen von Suse Wächter

Mein Name ist Edgar Allan Poe" stellt sich die Mumie mit blutrotem Schädel vor. Sie nimmt rittlings auf einem der Särge Platz, mit denen Martin Miotk den Marstall großzügig möblierte, und blättert in einem Buch. Es ist seine Erzählung „Der Untergang des Hauses Usher“. In der alptraumschönen Bebilderung der Berliner Puppenspielerin Suse Wächter, die ihre Kunst lieber als „Puppenanimation“ bezeichnet, übernimmt der Autor die Rolle des namenlos bleibenden Erzählers, der seinen alten Freund Roderick Usher auf dessen Anwesen besucht.

Im finsteren Spukschloss im Sumpf bemüht sich Edgar redselig um Konversation, auch wenn die launige Begrüßung „Hallo, altes Haus!“ als unangemessen empfunden wird. Man betreibt Hausmusik und die Mutter des Hausherrn reicht Tee zum Gebäck. Allerdings ist die Dame längst verwest, der Kumpel aus alten Tagen geistig umnachtet und dessen kleine Schwester, mit der er in inzestuöser Beziehung lebt, neigt zu Scheintoden. Zwischendurch wird getanzt – ein Totentanz bunt gekleideter Skelette walzert durch den Saal.

Wem die Bilder seltsam vertraut erscheinen, ist nicht im falschen Film: Suse Wächter bezieht sich nicht nur auf die Literatur des unglücklichen Poe, sondern auch auf den vitalen Kinotrash von Roger Corman. Der schuf in den 1960er-Jahren mehrere B-Movies, die auf Poes Stoffen basieren und stilprägend sind. Den Roderick spielte damals Vincent Price. Ein Gegenentwurf zu dessen stoischen Resten von großbürgerlich-dekadenter Etikette ist jetzt Thomas Gräßle, der sich mit viel Spaß in romantisierende Verwahrlosung wirft.

Gäbe es Friederike Ott nicht schon im Staatsschauspiel-Ensemble, hätte Suse Wächter sie bauen müssen: Die zarte Blonde ist von so herzzerreißend jugendstilhafter Schwindsucht entmaterialisiert, dass sie selbst beim Tabledance kaum noch von dieser Welt zu sein scheint. Es sind die lust- und liebevolle Perfektion in jedem Detail und eine das Genre listig unterlaufende Verspieltheit, die diese morbide Performance zu einem Theatervergnügen jenseits schlichter Parodie machen. Mehr Botschaft hat auch Elfriede Jelinek nicht, die gegen Schluss als Untote aus Ushers Bibliothek zu uns spricht.

Marstall, morgen, 28. März, 14., 26. April, 20 Uhr (sonntags 19 Uhr), Telefon 21851940

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