Gute Zahlen und eine Verlängerung für Carmen Bayer und Werner Steer

Werner Steer über sein Erfolgsrezept für das Deutsche Theater, seine Pläne und das Verhältnis zur staatlichen Konkurrenz am Gärtnerplatz
| Robert Braunmüller
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München leuchtet auch in der Umgebung des Hauptbahnhofs: Das Deutsche Theater in der Schwanthaler Straße.
Robert Götzfried München leuchtet auch in der Umgebung des Hauptbahnhofs: Das Deutsche Theater in der Schwanthaler Straße.

Im vergangenen Jahr konnten Carmen Bayer und Werner Steer das hervorragende Ergebnis des Eröffnungsjahrs noch steigern: 315 000 Besucher kamen im Spieljahr 2015 ins Deutsche Theater. Der von der Stadt bereitgestellte Zuschuss in Höhe von 1,753 Mio. Euro wurde kaum beansprucht: 1,415 Mio. fließen in den Haushalt zurück. Umgelegt auf die Besucherzahl wird jeder Platz im Theater nur mit 1,07 Euro bezuschusst. Da überrascht es nicht, dass der Aufsichtsrat die Verträge der beiden Geschäftsführer bis 2021 verlängert hat.

AZ: Herr Steer, wie lautet Ihr Erfolgsrezept?

WERNER STEER: Wir setzen auf Qualität. Ich bin morgen in Dublin und schaue mir das Musical „Once“ an. Dass wir so eine Produktion bekommen, wäre vor zehn Jahren nicht denkbar gewesen. Als Carmen Bayer und ich das Theater 2007 von Andrea Friedrichs übernahmen, mussten wir für den Spielplan noch nehmen, was wir kriegen konnten.

Wie sieht das heute aus?

Jeder große Musicalproduzent in Deutschland kommt zuerst einmal zu uns. Die hervorragende Zeit im Fröttmaninger Zelt hat den Grundstock dafür gelegt. Heute können wir auswählen. Wir agieren europaweit und haben mit Stage Entertainment den wichtigsten deutschen Musicalproduzenten mit im Boot.

Warum war die schwierige Renovierungsphase letztlich so ein großer Erfolg?

Die Münchner lieben unser Theater. Während des Umbaus war das Deutsche Theater ständig in den Schlagzeilen. Es waren nicht immer erfreuliche Nachrichten. Aber es steigerte die Spannung. Die Eröffnung war ein echtes Highlight, und wir hatten ein gutes Programm mit Klassikern wie der „West Side Story“ und ein Riesenerfolg mit „Ich war noch niemals in New York“ von Stage Entertainment. Die Summe macht’s.

Wie stellen Sie den Spielplan zusammen?

Dieses Jahr spielen wir zwei große Titel: Im Frühjahr „Chicago“, im Herbst kommt „Tanz der Vampire“. Dazwischen bringen wir zwei, drei Klassiker wie „Porgy und Bess“ oder „Jesus Christ Superstar“. Auch die Operette wollen wir nicht vernachlässigen. Dazu kommen Sachen wie „Next to normal“, die ungewöhnliche Facetten des Genres Musicals zeigen. Und auch etwas ganz Neues wie die Show „Horror“ im September. Sie setzt in extravaganter, neuer Weise den Horrorfilm als Theater um.

Im Sommer haben alle Theater Ferien. Sie haben bisher immer durchgespielt – warum heuer nicht?

Wir brauchen zwei bis drei Wochen für die Wartung der Technik. Der Sommer ist eine schwierige Zeit: Die Leute wollen rausgehen, im Biergarten sitzen oder ein Open air besuchen. Für den August geben die wenigsten Produzenten ihre Stücke her.

Wirkt sich die Fußball-EM auf Ihre Besucherzahlen aus?

Wir haben befürchtet, dass Deutschland relativ weit kommt. Bis 19. Juni lief „Carmen Cubana“. Darauf folgte zwei Woche ein Programm für junge Zuschauer mit Vorstellungen am frühen Abend. 14 000 Kinder haben Produktionen wie den „Grüffelo“ gesehen. Da sind wir stolz drauf.

Empfinden Sie die Musicals im staatlichen Gärtnerplatztheaters als Konkurrenz?

Es ist mein wunder Punkt. Das Gärtnerplatztheater hat nach meiner Ansicht einen klaren Auftrag: Es ist ein Pendant zur Staatsoper. Natürlich kann dieses Haus Musicals machen. Aber bitte nicht die Werke, die auf dem Markt sind. Ich denke auch, dass diese Aufführungen nicht an die Qualität herankommen, die große Musical-Produzenten zu uns bringen.

Das Deutsche Theater hatte heuer „Jesus Christ Superstar“ im Programm. Nächstes Jahr inszeniert der Gärtnerplatz-Chef Josef E. Köpplinger das gleiche Musical.

Eine solche Produktion läuft kurze Zeit, dann wird sie weggeworfen. Das verschlingt Unsummen an Steuergeld. Vor einem Jahr hat Thomas Hermanns für den Gärtnerplatz „Bussi“ in der Reithalle herausgebracht. Er hat getestet, wie viel Geld er ausgeben kann, bis jemand „Halt“ sagt und immer weitere Wünsche geäußert. Sie wurden alle erfüllt: Er musste feststellen, dass Geld keine Rolle spielt.

Bespielen Sie den Silbersaal nicht zu selten?

Wir achten genau darauf, was wir in diesem Juwel spielen. Es ist auch nicht ganz einfach, eine neue Spielstätte zu etablieren. Das muss man langsam aufbauen.

Kommen viele Musicals nicht arg spät nach München?

Das betriftt höchstens Blockbuster. Die Stage baut für „Aladdin“ in Hamburg ein neues Theater. Erst wenn damit Geld verdient ist, geht die Aufführung auf Tournee. Die Leute wollen Klassiker wie „Grease“ sehen. „Tanz der Vampire“ ist eine völlig neue Produktion. Wir haben 60 000 Karten dafür verkauft und werden ausverkauft sein. Unser Auftrag ist es, Münchens Musical-Fenster zur Welt zu sein. Ich habe nicht das Gefühl, dass wir abgedroschene Sachen spielen.

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