Geld geht seinen Weg

„Schuld und Schein” – das Metropoltheater erklärt Kapitalismus
| Mathias Hejny
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Erwachsenenbildende Unterhaltung.
Erwachsenenbildende Unterhaltung.

Die Titelmelodie der „Sendung mit der Maus” eröffnet die Show. Was folgt, klingt komisch, is’ aber so. Es geht um Aufstieg und Fall des Geldverkehrs, erklärt von der ersten Aufbewahrung eines Goldstücks bis zum Handel mit Derivaten. Wenn das immer wieder auch komisch im Sinne von lustig ist, liegt das zum einen am Stück von Ulf Schmidt, das dem Kabarett näher liegt als dem Drama, zum anderen an der Inszenierung von Jochen Schölch und seinen fünf Schauspielern, die aus der globalen Geldvernichtung seit den Märchen der Brüder Lehman einen mehr als auskömmlichen Mehrwert an erwachsenenbildender Unterhaltung erwirtschaften.

Schon der Weg, der für die Realisierung von „Schuld und Schein” mit dem Untertitel „Ein Geldstück” beschritten wurde, verlief über das Netzwerk von Internet und Kapitalismus: Autor und Verlag boten den Theatern die Uraufführung über eine Ebay-Versteigerung an. Den Zuschlag erhielt das Metropoltheater für nicht unbedingt inflationstreibende 55 Euro. Zur wertsteigernden Prominenz der deutschen Dramatik gehört Schmidt noch nicht. Bekannt machte sich der 47-jährige Medienwissenschaftler und Werbetexter vor allem innerhalb der Szene mit Blogs über Lage und Zukunft des Stadttheaters.

Während man Spekulation und Börsencrash üblicherweise mit aggressiv blinkenden Computern und Monitoren verbindet, zieht sich Schölch aufs minimalistische Brettl zurück. Das macht er, wie man es von ihm gewohnt ist, mit anbetungswürdig fantasiesatter Bühnenwirksamkeit. Um Kommunikationstechnologie zu spielen, reichen zwei Plastikbecher, die mit einer Schnur verbunden sind. Trotz der Schlichtheit wird die Komplexität der Ökonomie nie geleugnet – oder entspannt analysiert, wie die Undurchschaubarkeit der Finanzmärkte als fauler Zauber funktioniert.

Metropoltheater, bis So, 9., 10., 23. bis 25. Juli 2013, 20 Uhr (sonntags 19 Uhr), Tel. 32 19 55 33

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