Für mehr Weltoffenheit!

Kunst und Kultur für Respekt: Die Münchner Kulturszene positioniert sich vor den kommenden Wahlen mit einem Bündnis gegen Rassismus, Rechtsextremismus und Rechtspopulismus
| Robert Braunmüller
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Vereint im Kampf gegen Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit: Martin Kušej (Residenztheater), Arne Ackermann (Stadtbibliothek), Miriam Heigl (Fachstelle gegen Rechtsextremismus), Johan Simons (Kammerspiele), Christian Stückl (Volkstheater), Laura Pulz (Kreisjugendring) und Christian Ude zeigen rechts die rote Karte.
Michael Nagy Vereint im Kampf gegen Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit: Martin Kušej (Residenztheater), Arne Ackermann (Stadtbibliothek), Miriam Heigl (Fachstelle gegen Rechtsextremismus), Johan Simons (Kammerspiele), Christian Stückl (Volkstheater), Laura Pulz (Kreisjugendring) und Christian Ude zeigen rechts die rote Karte.

Der Vergleich ist ein wenig frivol. „Es ist der größte Zusammenschluss staatlicher und städtischer Institutionen seit dem ,Protest der Richard-Wagner-Stadt München gegen Thomas Mann’“, sagte Christian Ude. Und fügte schnell hinzu: „Natürlich als Kontrastprogramm und historische Antwort.“

Im April 1933, brachte der Dirigent Hans Knappertsbusch diverse Theater, Künstler und Journalisten zusammen, um gegen eine Wagner-Rede des Schriftstellers zu protestieren. Mann kehrte nach dieser Zurechtweisung nicht mehr in ein Deutschland zurück, das zum Nazi-Deutschland geworden war.

Gestern, knapp 80 Jahre später, formierte sich im Rathaus die Initiative „Münchner Kunst und Kultur für Respekt“. Sie richtet sich gegen Rassismus, Rechtsextremismus und Rechtspopulismus. Rund 30 Kultureinrichtungen, darunter die Theater der Stadt und des Staats, die Stadtbibliothek, das Haus der Kunst, aber auch die Freie Szene haben sich angeschlossen.

Der Zeitpunkt kommt nicht zufällig: Derzeit sitzt nur ein Rechtsaußen des NPD-Ablegers „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ im Stadtrat, und Ude wünscht seinem Nachfolger nicht, dass es mehr werden – eher weniger. Johan Simons, der niederländische Intendant der Kammerspiele, wies auch auf die kommenden Europawahlen hin und berichtete, dass die Rechtspopulisten die Weltoffenheit seiner Heimat gefährden.

Martin Kušej, sein Kollege am Residenztheater, hat als Kärntner mit slowenischem Hintergrund und einem Hatschek im Nachnamen ohnehin eine „Urangst“ vor Intoleranz. Im Marstall, der kleinsten Dependance seines Hauses, fand gestern Abend als Auftaktveranstaltung die Lesung „Miasanmia“ statt. Im April folgt dort „Urteile“, ein dokumentarisches Theaterprojekt über die Opfer des NSU in München.

Die Kammerspiele und das Volkstheater praktizieren Toleranz nicht nur im Spielplan: Sie beschäftigen zunehmend auch Künstler mit migrantischem Hintergrund. Aber das ist nicht ganz einfach. Christian Stückl erzählte, dass er nach den Premieren von Hochhuths „Stellvertreter“ und Joshua Solbols „Ghetto“ wieder Schmähbriefe erhielt. Und er berichtete, dass ein bei ihm beschäftigter Regisseur türkischer Herkunft trotz bayerischem Abitur vor der Einbürgerung extra eine Deutschprüfung ablegen sollte und dann doch lieber Türke blieb. Toleranz bleibt ein gesamtgesellschaftlicher Lernprozess – auch für die Bürokratie.

Die Pasinger Fabrik kooperiert mit der Lesung des neuen Krimis „M“ von Friedrich Ani, in dem ein Detektiv mit der Münchner Neonazi-Szene konfrontiert wird (28. 2.). In Stadtbibliotheken finden Diskussionen statt. Die Staatsoper beschäftigt sich im Rahmen ihrer „Unmöglichen Enzyklopädie“ mit Judenquintetten und Zigeunerchören. Neue Aktivitäten kommen ständig hinzu, weitere Initiativen sind zur Teilnahme eingeladen.

www.kunstkulturrespekt.de

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