Interview

Franziska Wanninger im Interview: "Es gibt hunderte lustige Frauen"

"Für mich soll's rote Rosen hageln", nennt Kabarettistin Franziska Wanninger ihr neues Programm.
| Thomas Becker
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Franziska Wanninger steht im Rosenhagel.
Franziska Wanninger steht im Rosenhagel. © Josepha und Markus

Franziska Wanningers neues, mittlerweile fünftes Kabarett-Soloprogramm "Für mich soll's rote Rosen hageln" ist laut der gebürtigen Simbacherin "eine launige Hommage an die Leichtigkeit". Ein Gespräch über Frauen-Quoten, Corona-Lähmungen und die Untiefen des Lebens.

AZ: Frau Wanninger, normalsterbliche Kabarettisten sind in der Regel mit ihrer Existenz als tingelnde Bühnenmenschen völlig ausgefüllt. Bei Ihnen scheint das anders zu sein: zwei Podcasts, Regie für eine Kollegin, Lektorin für den TV-Koch Lichter, Werbe-Spots für die Stadt, Buchautorin, Schauspiel und so weiter. Wie viel Stunden hat der Tag bei Ihnen?
FRANZISKA WANNINGER: Ich will nicht sagen, dass mir schnell langweilig wird, aber ich mag auch gern andere Sachen. Ich find's spannend, wenn man nicht immer das Gleiche macht, sondern sich noch andere Projekte sucht.

 "Viele Künstler haben gedacht, sie sind unnütz"

Während der Pandemie dürften Ihnen all die verschiedenen Hochzeiten nicht geschadet haben.
Ich habe echt Glück gehabt. Ein paar Jahre vorher hätte es mir wohl das Genick gebrochen, weil ich da einfach noch nicht so etabliert war. Allein diese Podcasts: Da bekomme ich kein Geld, aber es ist etwas, was ich regelmäßig machen muss - und das hat mir auch geholfen, weil du sonst denkst 'Ja, was ich denn jetzt mit meiner Zeit?' So ist es doch vielen Künstlern in dieser Zeit gegangen: Sie haben gedacht, sie sind unnütz, sie werden nicht gebraucht, sind nicht systemrelevant. Aber ich habe immer was zum Tun gefunden.

Was sind das für Podcasts?
"Der famose Freistaat" gibt es seit Januar 2020, nach dem gleichnamigen Buch, das ich Martin Frank geschrieben habe. Davon gibt es bislang rund 20 Folgen. Und im Oktober 2020 kam mit Claudia Pichler dieser Frauen-Podcast dazu, "Ladies first". Das Thema hat uns unter den Nägeln gebrannt. In allen etablierten Kabarettsendungen treten immer fünf Männer auf, nur in jeder dritten Sendung ist mal eine Frau dabei, und das ist aber immer eine von drei Gleichen. Wir wollen einfach, dass Frauen in dieser Branche sichtbar gemacht werden. Es heißt immer 'Es gibt ja keine lustigen Frauen' - das stimmt nicht! Es gibt hunderte lustige Frauen!

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Zum Beispiel Eva Karl-Faltermeier, bei der Sie Regie führen.
Ich hatte so was schon mal mit einem anderen Nachwuchskabarettisten gemacht, aber der hatte mich nur für ein paar Tage gebucht. Und dann hat mich die Eva, die ich schon lange kenne, einfach gefragt. Und Frauen sollen sich ja gegenseitig mehr unterstützen und sich nicht sich im Weg stehen. Es ist für uns Frauen in dieser Branche einfach schwieriger. Als ich anfing, war Martina Schwarzmann die einzige, die mich unterstützt hat. Sie hat mich auch mal mit auf Tour genommen, als Praktikantin.

"Man steht sich oft krass selbst im Weg"

Die ehemalige Praktikantin füllt mittlerweile ausgewachsene Säle. Ist Ihr neues Programm auch so alt wie Corona, wie bei so vielen Kollegen und Kolleginnen?
Nein, das ist so unfassbar frisch. Erst Anfang Juli habe ich geglaubt, dass diese Premiere wirklich stattfinden kann. Von Mitte Juli bis Mitte August hatte ich dann ganz viele Nachhol-Termine: Das Duo-Programm mit Martin Frank habe ich an 30 Tagen 27 Mal gespielt. Dann wurde es allmählich eng mit dem neuen Programm. Am Anfang dachte ich: Ich bin völlig auserzählt. Corona lähmt einen ja. Ich war da oft überhaupt nicht kreativ, hatte keine Motivation. Aber jetzt läuft's!

Im Programm geht's um alles: falsche Vorsätze, Dating per Videocall und die Untiefen des Lebens. Korrekt?
Es geht vor allem um Freiheit. Man begibt sich oft selbst in Abhängigkeiten: In Freundschaften kann man nicht nein sagen, kann schlecht Grenzen ziehen. Dabei hat man im Leben viel selbst in der Hand, steht sich aber oft krass selbst im Weg.


Franziska Wanninger: "Für mich soll's rote Rosen hageln", Theater im Schlachthof, Freitag, 8. Oktober, 20 Uhr

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