Kritik

Etwas dünn: Jeff Koons als Festredner der Münchner Opernfestspiele

von  Robert Braunmüller
Jeff Koons nach seiner Rede im Prinzregententheater
Jeff Koons nach seiner Rede im Prinzregententheater © Geoffroy Schied

Für die meisten Besucher dürften die Münchner Opernfestspiele mit der Premiere der „Walküre“ am Donnerstag beginnen. Nach der Zeitrechnung der Intendanz haben sie bereits angefangen: mit dem unauffälligen Ballettabend „Konstellationen“ am vergangenen Donnerstag, Um den Beginn nachträglich zu markieren, schob die Staatsoper am Samstag noch eine Festrede des zuletzt etwas in Vergessenheit geratenen Pop-Art-Künstlers Jeff Koons im maßvoll besuchten Prinzregententheater nach.

Der 71-jährige hat den Vorteil, vor vier Jahren ein Auto des Hauptsponsors bemalt zu haben, das dem Vernehmen nach während der diesjährigen Festspiele den Max-Joseph-Platz zieren soll. Eine Beziehung zu München gibt es auch: In den 80er Jahren lebte Koons eine Weile hier, um in Zusammenarbeit mit süddeutschen und norditalienischen Kunsthandwerkern seine „Banality“-Serie zu entwickeln.

München habe ihn befreit, ähnlich wie es Marcel Duchamp passiert sei, den 1912 der Besuch der Bayerischen Gewerbeschau zum Konzept seiner Ready-made inspirierte. Jenseits des Autobiografischen und Anekdotischen lieferte Koons noch eine metaphysikfreie Theorie des Lebens als rein chemischem Vorgang und ein Lob des voraussetzungslosen Zugangs zu Kunst.

Humperdinck zerstört Wagner

Da traf er sich mit dem eingangs sprechenden Intendanten Serge Dorny. Der lobte die Gattung Oper (und damit auch sich selbst) als unverzichtbar und pries den gemeinschaftsstiftenden Charakter der darstellenden Künste. Was angesichts der Gratis-Veranstaltung „Oper für alle“ am übernächsten Wochenende zwar nicht falsch ist, bei teilweise recht saftigen Kartenpreisen bis zu 250 Euro aber auch ein wenig wohlfeil wirkt.

Es bleibt schwierig, den traditionellen Saisonrückblick der Bayerischen Staatsoper intellektuell aufzubrezeln.  In den Nullerjahren gab es schon einmal den bald wieder entschlafenen Versuch mit Rednern wie Jan Philipp Reemtsma und Slavoj Žižek. Im Vergleich dazu wirkte Koons’ charmante Rede durchaus ausbaufähig.

Der amerikanische Künstler Jeff Koons mit Serge Dorny, dem Intendanten der Bayerischen Staatsoper.
Der amerikanische Künstler Jeff Koons mit Serge Dorny, dem Intendanten der Bayerischen Staatsoper. © Geoffroy Schied

Drumherum gab es sehr umständliche Umbauten für musikalische Auftritte von Mitgliedern des Staatsorchesters und des Opernstudios mit einem amerikanischen Schwerpunkt zu Ehren des Festredners. Den Schluss bildete das von Richard Strauss höchstpersönlich in die Länge gezogene Sextett aus „Capriccio“ und  Engelbert Humperdincks Kammerversion des „Tristan“-Vorspiels.

© Geoffroy Schied

Die endete überraschenderweise auf dem Höhepunkt der Sehnsuchtssteigerung mit einem gefälligen Schlussakkord. Wagner mag sich im Grab umgedreht haben. Aber zu den Gartenzwergen und den Luftballonhündchen von Jeff Koons passte es ganz gut. 

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