Es zischt und knallt und schießt in den Himmel

Mit dem Musical „Tschitti Tschitti Bäng Bäng“ stemmt das Gärtnerplatz-Team die Mega-Produktion des Jahres – Premiere ist am Mittwoch im Prinze. Ein Gespräch mit dem Intendanten Josef E. Köpplinger über 007, Hingabe und Beuschlreißer
| Christa Sigg
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Peter Lesiak als Caractacus Potts, Amelie Spielmann als Jemima Potts, Marinus Hohmann als Jeremy Potts und Nadine Zeintl als Truly Scrumptious.
2 Peter Lesiak als Caractacus Potts, Amelie Spielmann als Jemima Potts, Marinus Hohmann als Jeremy Potts und Nadine Zeintl als Truly Scrumptious.
Peter Lesiak als Caractacus Potts, Amelie Spielmann als Jemima Potts, Marinus Hohmann als Jeremy Potts und das Gärtnerplatz-Ensemble.
2 Peter Lesiak als Caractacus Potts, Amelie Spielmann als Jemima Potts, Marinus Hohmann als Jeremy Potts und das Gärtnerplatz-Ensemble.

Mit dem Musical „Tschitti Tschitti Bäng Bäng“ stemmt das Gärtnerplatz-Team die Mega-Produktion des Jahres – Premiere ist am Mittwoch im Prinze. Ein Gespräch mit dem Intendanten Josef Ernst Köpplinger über 007, Hingabe und Beuschlreißer

Joseph Köpplinger federt durch den Garten hinterm Prinzregententheater. Ach was, er schwebt! Doch im Gegensatz zum weltbesten Karlsson vom Dach braucht der Gärtnerplatz-Intendant mit dem obligatorischen Käppi dafür keinen Propeller. Ihn knatter-pultiert „Tschitti Tschitti Bäng Bäng“ in den mindestens siebten Theaterhimmel. Mag sein, dass auch ein bissl Unterzucker im Spiel ist... – beim Endspurt zur „Kontinental“-Premiere des Musicals nach dem berühmten Kinderbuch von James-Bond-Erfinder Ian Fleming. Und dem hierzulande noch bekannteren Fantasyfilm mit Gert Fröbe.

AZ: Herr Köpplinger, sind Sie ein „Tschitti“-Kind?
JOSEF E. KÖPPLINGER: Ja! Eine meiner wirklich luxuriösen Kindheitserinnerungen ist „Tschitti Tschitti Bäng Bäng“ Anfang der 70er Jahre im Kino. Da war ich vielleicht sechs.

Und hin und weg.
Noch mehr, ich wollte gleich nach der Vorstellung unbedingt nochmal rein. Meine Mutter meinte, das geht nicht. Und als ein zumeist von Frauen aufgezogenes Einzelkind wusste ich natürlich, wie ich’s kriege.

Wie?
Ich hab’ mich auf den Boden geworfen und geschrien, sodass alle Mitleid hatten und meine arme Mutter, Tante, Großtante beschimpften. Mit dem Erfolg, dass wir sofort in die nächste Vorstellung gegangen sind. Das Fieber hat sich dann irgendwann wieder verflüchtigt, aber „Tschitti“ blieb immer im Gedächtnis. Die Musik würde ich als unantastbar brillant bezeichnen.

So schlimm?
Uns geht es hier allen so. Das ganze Theater ist mit Begeisterung dabei: 104 Personen auf der Bühne, im Graben 45 und dann nochmal 100 auf den Seitenbühnen, um die Aufführung möglich zu machen.

Also die Großproduktion der Saison.
Megaproduktion! Die hat uns unglaublich gefordert, aber auch glücklich gemacht. Es fiebern ja alle mit – fliegt das Auto? Als sich zum ersten Mal die Räder drehten und das Auto abhob, sind wir dagesessen, als wär’ zehnmal Weihnachten. Bei aller kritischen Haltung, die ich in die passenden Inszenierungen einfließen lasse, glaube ich zutiefst, dass es eine wesentliche Aufgabe des Theaters ist, wunderbares Entertainment zu sein, Seelenmassage im besten Sinne. Und „Tschitti“ ist eine echte Feel-good-Produktion.

Das Musical hat über zehn Jahre gebraucht, um auf dem Kontinent zu landen.
Schon vor neun Jahren habe ich mich in London um die Rechte bemüht, damals noch fürs Landestheater Klagenfurt. Aber ich hatte keine Chance. Vor einem Jahr hab’ ich’s dann nochmal versucht. Mit Erfolg. Wir konnten sogar John Owen Edwards, die Musical-Koryphäe des Londoner West End, gewinnen, um uns die fantastische Musik der Sherman-Brüder für großes Orchester zu arrangieren.

Inwiefern spielt der Film Ihrer Kindheit noch eine Rolle?
Komischerweise ist das ganz weit weg. Das Stück orientiert sich inhaltlich am Film, klar, aber Film und Theater sind einfach zwei Paar Stiefel.

„Tschitti Tschitti Bäng Bäng“ hat gewisse Parallelen zu Ian Flemings Bond-Geschichten. Ein Auto, das alles kann, ist ein klarer Fall für Q, den Super-Erfinder von 007.
Unbedingt! Und dieses Faible für technische Spielereien, überhaupt die Geschichte ist eben keine reine Sache für Kinder. Die kann Sechsjährige wie Hundertsechsjährige faszinieren. Denken Sie an den bösen Baron Bomburst, der geradezu verspielt ist. Den übernimmt übrigens Erwin Windegger, der schon den Mann von La Mancha gemacht hat.

Es gibt ja auch sonst einige Bekannte.
Sigrid Hauser, unsere Rössl-Wirtin, spielt die Baronin, die Kinder hasst. Dann haben wir mit Peter Lesiak einen der Wenigen, der den Caractacus Potts spielen, singen und tanzen kann. Die berühmte Bamboo-Stocknummer ist ein regelrechter Beuschlreißer, wie man in Österreich sagt.

Und wie lassen Sie nun das Auto fliegen?
Das verrate ich nicht! Wenn’s ein bissl schief geht, wird man es schon ahnen.

Hätte Ihnen nicht die Autofirma, die 007 mit ihren Superschlitten ausstattet, unter die Arme greifen können?
Wir haben es versucht, aber leider ist überhaupt keine Autofirma eingestiegen. Wahrscheinlich war’s zu kurzfristig.

Was gibt es sonst noch an Q-Elementen?
Viele! Eine Frühstücksmaschine, eine Bonbonfabrik, fliegende Klos, ein Bonbonwagen, der sich in einen Käfig verwandeln kann, ein Jahrmarkt, dessen Zelte am Himmel schweben, ein Flug mit dem Auto durch einen Sternenhimmel... Wir geben alles! Und wir hoffen, dass sich diese Riesenportion Hingabe, Fleiß, die Überstunden lohnen und wir die Leute glücklich machen. Bei diesem Stück muss man sich nicht schämen, auch noch Kind zu sein.

Premiere am Mittwoch, 20.April 2014, 19.30 Uhr im Prinzregententheater, Tel. 21 85 19 60

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