„Empören Sie sich“ im Residenztheater, rät Intendant Andreas Beck

Der Intendant des Bayerischen Staatsschauspiels stellt mit seinem Team das Programm der Saision 2026/27 vor
Michael Stadler |
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Intendant Andreas Beck (Mitte) mit den Regisseurinnen und Regisseuren Alexander Eisenach (links), Nora Schlocker, Claudia Bauer, Elsa-Sophie Jach und Thom Luz.  Foto: Adrienne Meister
6 Intendant Andreas Beck (Mitte) mit den Regisseurinnen und Regisseuren Alexander Eisenach (links), Nora Schlocker, Claudia Bauer, Elsa-Sophie Jach und Thom Luz. Foto: Adrienne Meister
Andreas Beck ist der Intendant des Residenztheaters.
Matthias Leidgschwendner 6 Andreas Beck ist der Intendant des Residenztheaters.
Andreas Beck ist der Intendant des Residenztheaters.
Matthias Leidgschwendner 6 Andreas Beck ist der Intendant des Residenztheaters.
Alexander Eisenach, Nora Schlocker, Andreas Beck, Claudia Bauer, Elsa-Sophie Jach und Thom Luz.
Adrienne Meister 6 Alexander Eisenach, Nora Schlocker, Andreas Beck, Claudia Bauer, Elsa-Sophie Jach und Thom Luz.
Alexander Eisenach, Nora Schlocker, Andreas Beck, Claudia Bauer, Elsa-Sophie Jach und Thom Luz.
Adrienne Meister 6 Alexander Eisenach, Nora Schlocker, Andreas Beck, Claudia Bauer, Elsa-Sophie Jach und Thom Luz.
Das Residenztheater am Max-Joseph-Platz.
picture alliance/dpa 6 Das Residenztheater am Max-Joseph-Platz.

Die Bühne des Cuvilliéstheaters bietet nicht nur ein prachtvolles Ambiente für eine Spielzeitkonferenz, sondern ist auch ein Ort mit Geschichte. Andreas Beck, Intendant des Bayerischen Staatsschauspiels, wirft zunächst einen kurzen Blick zurück, spricht von „Stürmen, Anstürmen und Bestürmungen“, die der Rokoko-Saal erlebt hat, um dann einen Bogen in die turbulente Gegenwart zu ziehen: „Es ist auch heute unruhiges Wetter, nicht nur in der Gesellschaft, sondern vor allem in der Kunst und in der Kultur.“

Kultur ist kein Luxus, sondern ein Erbe, das es zu pflegen gilt, betont Beck. Wie man dieses Vermächtnis bewahren und weiterführen kann, sollte im Zentrum kulturpolitischer Überlegungen stehen. Beck bemerkt jedoch einen eher nachlässigen Umgang mit Kunst und Kultur, womit er „auf keinen Fall unseren Staatsminister“, aber die Politik im Allgemeinen meint und ins Rund die Frage wirft: „Wie viele politische Vertreter sehen Sie in Kulturveranstaltungen, in Konzerten, Opern, Theateraufführungen?“

Zu Becks Bedauern ist „Faust“ nicht mehr Pflichtlektüre

Dass hierzulande die eine „offenkundig verfassungsfeindliche Partei“ einen zielstrebig-rechten Kurs in Sachen Kultur verfolgt, verwundert Beck nicht: „In keinem Bereich ist es so leicht, einen Effekt zu erzielen, wie in diesem.“ In Sachsen-Anhalt werde gerade „ein Programm abgespult“, das eigentlich keinen kalt lassen sollte. Beck wünscht sich mehr Empörung, bei allen, auf dass das, was an kulturellem Erbe und Potenzial vorhanden ist, „nicht einfach von wurschtigen Politikern verjuxt wird.“

Andreas Beck ist der Intendant des Residenztheaters.
Andreas Beck ist der Intendant des Residenztheaters. © Matthias Leidgschwendner

Als rote Fäden im Programm der nächsten Spielzeit entdeckt Beck unter anderem das Motiv des Sturms sowie die Frage, wie man mit dem, was an Erbe vorhanden ist, umgeht. Dabei beginnt die neue Saison im Grunde schon im Sommer: Ulrich Rasche inszeniert mit Resi-Ensemblemitgliedern Goethes „Faust 1“, in Koproduktion mit den Salzburger Festspielen. Die Neuauflage des Klassikers, der zu Becks Bedauern nicht mehr Pflichtlektüre in den Oberstufen ist, findet im Rahmen des Festivals am 25. Juli auf der Perner-Insel in Hallein statt. Die Münchner Premiere folgt am 6. November im Residenztheater.

Eine neue „Dreigroschenoper“

Zuvor gibt es aber schon einige andere Premieren: Der Saison-Startschuss fällt am 26. September, zunächst im kleineren Rahmen des Marstalls, mit Ran Chai Bar-zvis Inszenierung von Anja Hillings „Reigen. Variationen“, frei nach dem Stück von Arthur Schnitzler. Einen Tag später, am Samstag, den 27. September, hat Philipp Stölzls Inszenierung von Brechts „Die Dreigroschenoper“ im Residenztheater Premiere. Zwar liegt Brechts Tod im September schon über siebzig Jahre zurück, womit das Urheberrecht eigentlich erlischt, aber da Brechts Co-Autorin Elisabeth Hauptmann erst 1973 starb, können die Erben, allen voran die Kurt-Weill-Stiftung, noch ein starkes Auge auf die Umsetzung werfen. Wie viele Freiheiten mit diesem Stoff dennoch möglich sind, wird man austesten, verspricht Beck.

Einen anderen, feministischen Blick auf einen literarischen Klassiker hat Ensemblemitglied Lea Ruckpaul mit ihrem ersten Roman „Bye Bye Lolita“ geworfen. Unter der Regie von Nora Schlocker bringt Ruckpaul ihr Buch selbst auf die Bühne, die Uraufführung ist am 1. Oktober im Cuvilliéstheater. Ums Erben unter stürmischen Umständen dreht sich Shakespeares „King Lear“ - Elsa Sophie-Jach inszeniert das Stück mit Manfred Zapatka in der Titelrolle, Premiere ist am 10. Oktober im Residenztheater.

Das Residenztheater am Max-Joseph-Platz.
Das Residenztheater am Max-Joseph-Platz. © picture alliance/dpa

Wie passiv man in seiner Komfortzone bleibt, selbst wenn um einen herum gezündelt wird, führt einem Max Frischs „Biedermann und die Brandstifter“ vor Augen. Milo Lolic setzt das „Lehrstück ohne Lehre“ im Cuvilliéstheater in Szene (Premiere am 3. Dezember), wobei Lolic vielleicht auch Möglichkeiten des Widerstands aufleuchten lässt. Später in der Saison findet zwar eine Rebellion statt, aber zu einem harten Preis: Johanna Wehner, 2017 mit dem „Faust“-Preis für ihre Kasseler „Orestie“-Inszenierung ausgezeichnet, nimmt sich Schillers „Die Jungfrau von Orleans“ vor (Premiere am 4. Juni 2027 im Residenztheater).

Schorsch Kamerun inszeniert „Bambi“ von Felix Salten

Burgtheater-Direktor Stefan Bachmann, der bereits „Erfolg“ von Lion Feuchtwanger für die Resi-Bühne adaptierte, bringt den zweiten Teil von Feuchtwangers Romantrilogie, „Die Geschwister Oppermann“, mit Schauspielern des Staatsschauspiels und des koproduzierenden Wiener Burgtheaters auf die Bühne (Premiere am 13. März im Residenztheater). Während Feuchtwanger von einer jüdischen Familie im Aufdämmern des Nationalsozialismus erzählt, beschäftigt sich Arthur Millers „Alle meine Söhne“ mit einer Familie, die nach dem Zweiten Weltkrieg kapitalistische Interessen verfolgt und allmählich auseinanderbricht. Stefan Pucher nimmt sich das Stück vor, Premiere ist am 6. Mai im Residenztheater.

Claudia Bauer inszeniert mit „Raststätte oder Sie machens alle“ ein frühes Stück von Elfriede Jelinek, Premiere ist am 22. Januar 2027 im Residenztheater. Im Oktober desselben Jahres wird Jelinek ihren 80. Geburtstag feiern, die Inszenierung ist eine Art frühes Geschenk.

Andreas Beck ist der Intendant des Residenztheaters.
Andreas Beck ist der Intendant des Residenztheaters. © Matthias Leidgschwendner

Ein längst fälliges und nun realisiertes Präsent der Bayerischen Staatsregierung ans Residenztheater ist das neue Proben- und Werkstättenzentrum in Steinhausen, das Anfang 2027 von Becks Team bezogen werden kann. Im Sommer darauf lädt Thom Luz zum Besuch der veralteten, aber auch „zauberhaften“ Werkstätten im Marstall ein. Als Stoff hat er sich Goethes „Zauberlehrling“ ausgesucht. Zudem wird Elsa-Sophie Jach Irmgard Keuns Roman „Das kunstseidene Mädchen“ adaptieren, Premierentermin noch ungewiss.

Tierisch-Theatralisches für Groß und Klein

Mit Ludwig Tiecks „Der gestiefelte Kater“, bearbeitet und inszeniert von Alexander Eisenach, und „Bambi“, inszeniert von Schorsch Kamerun nach dem Roman von Felix Salten, gibt es Tierisch-Theatralisches für Groß und Klein. Das Festival für internationale Gegenwartsdramatik „Welt/Bühne“ findet in dieser Saison zwischen dem 19. und 25. Juni statt und dreht im Sommer 2027 eine weitere Runde. Theater trifft auf KI in dem Projekt „Kaspar 2028“, an dem im Rahmen von „Resi Digital“ zwei Jahre geprobt wird. Einziger Neuzugang im Ensemble ist Elisabeth Nittka, die an der Otto-Falckenberg-Schule studiert hat und zuletzt an den Kammerspielen als Orpheus in „Eurydike und Orpheus“ auftrat.

Alexander Eisenach, Nora Schlocker, Andreas Beck, Claudia Bauer, Elsa-Sophie Jach und Thom Luz.
Alexander Eisenach, Nora Schlocker, Andreas Beck, Claudia Bauer, Elsa-Sophie Jach und Thom Luz. © Adrienne Meister

Insgesamt stehen 19 Premieren an, darunter fünf Uraufführungen. Am 28. Januar 1951 wurde der Neubau des Residenztheaters eröffnet. In der nächsten Spielzeit wird also auch das 75-jährige Bestehen gefeiert, das Programm dazu ist vielfältig. Dennoch sollte man wach bleiben: „Empören Sie sich!“

Das ganze Programm findet sich unter www.residenztheater.de

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