Einer wie Aerosmith

Nepo Fitz ist ungeduldig, deshalb heißt auch sein aktuelles Programm „Dringend“ –  am Freitag gastiert er im Schlachthof.
| Volker Isfort
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Nepo Fitz
Der 34-jährige Sohn von Lisa Fitz und Ali Khan ist Musiker und Kabarettist und stand schon als Jugendlicher auf der Bühne
Veranstalter Nepo Fitz Der 34-jährige Sohn von Lisa Fitz und Ali Khan ist Musiker und Kabarettist und stand schon als Jugendlicher auf der Bühne

 

AZ: Herr Fitz, Ihr Programm ist eineinhalb Jahre alt, was ist denn von der Premiere noch vorhanden?

NEPO FITZ: Nicht mehr viel. Das ist ja das Gute, wenn man so frei ist und improvisieren kann. Wenn die Leute es mitmachen und zulassen, dann entstehen spannende Sachen. Ich gehe also selbst dahin, um ein Spektakel zu erleben.
 

Jeder Abend ist anders, auch für die, die Sie schon gesehen haben?

Da Menschen sich von Kabarettauftritten vielleicht zehn Prozent merken können, ist bei der Flut an Kabarettisten und Inhalten, die es gibt, sowieso jeder Auftritt neu.
 

Ein hart umkämpfter Markt?

Genau. Aber das Wichtigste für mich war immer, mir und dem Publikum ein gutes Gefühl zu vermitteln. Das ist letztendlich auch das, was in der Informationsflut übrigbleibt.
 

Ganz der tagesaktuelle Kabarettist waren Sie ja nie?

Ich habe eine gewisse Hemmschwelle über Dinge zu reden, die ich nicht persönlich erlebt habe. Ich finde, die anderen machen einen wichtigen Job, mit politischem Kabarett aufzuklären. Aber das hat auch manchmal ein bisschen was Gscheitlerisches – und das steht einem Bayern nicht zu. Das ist mehr was für Menschen, die nicht aus Bayern kommen. Die dürfen das. Uns nimmt man ja schon allein aufgrund des Dialekts im Rest des Landes nicht ganz ernst.
 

Wir haben doch ganz hervorragende politische Kabarettisten in Bayern.

Klar, ich schaue auch lieber „Die Anstalt“, als dass ich Nachrichten schaue.
 

Die Themen der Tagesschau, die sich nicht schauen, finden also nicht den Weg auf die Bühne?

Nicht wirklich. Und da das alles immer so negativ gehalten ist und ich auch keinen besonders originellen Lösungsansatz für die Weltprobleme habe, weiß ich nicht, ob es das wirklich bringt, wenn noch einer mehr darüber redet.

Was passiert denn?

Im Publikum schreien sie „genau!“, und dann gehen alle nach Hause und tun nichts.
 

Die frühen Shows von Ihnen waren derb, laut und geprägt von ungeheurer Energie. Nimmt das mit steigendem Alter ein wenig ab?

Das wäre ja schrecklich. Es ist ja ein Irrglaube, dass man ruhiger wird, nur weil man älter wird. Dann hat man ja einen Fehler gemacht. Ich mag zum Beispiel Aerosmith. Die Band wird von Album zu Album härter, lauter und kräftiger – so etwas finde ich toll. Die Energie steigt immer mehr.
 

Und die Wut?

Wenn ich mich mit schönen Dingen beschäftige, ist auch die Energie besser. Ich möchte Vieles gerne auch humorvoll nehmen und nicht als geifernder Typ durch das Programm jagen, der die Welt schlecht findet.
 

Wie schlägt man eigentlich den Bogen von Sex bis Massentierhaltung in einem Programm?

Gar nicht, weil das gar nicht vorkommt. Das war mal eine alte Ankündigung mit hohen Plänen, die ich alle ansprechen wollte. Dann ist mir aber klar geworden: Ich scheitere bereits an mir selbst, wenn ich versuche, um acht Uhr aufzustehen und um zehn dann noch einmal aufstehe. Die großen Themen der Welt müssen warten, bis ich meinen eigenen Alltag im Griff habe und gelassener reagiere, wenn sich jemand an der Supermarktkasse vordrängelt. Und davon handelt mein Programm.
 

Die Musik spielt aber auch noch eine Rolle?

Selbstverständlich habe ich ein paar Songs eingebaut, aber nicht so viele wie früher. Es ist ja auch das erste Programm, das ganz allein auf meinem Mist gewachsen ist. Ich wollte herausfinden, wie das funktioniert, wenn man nicht an ein Gerüst gebunden ist.
 

Sie haben die große Konkurrenz unter den Kabarettisten erwähnt. Muss man da schnell eine eigene Marke werden?

Das ist nie verkehrt. Aber ich sehe die anderen Kabarettisten nicht als Konkurrenz. Wir haben halt gerade eine Zeit, die sehr fruchtbar für diese Kunst ist. Deswegen erleben wir so viele verschiedene Arten von Kabarett. Ich finde das gut.
 

Sie schauen sich aber schon die Kollegen an?

Ich schaue kaum jemanden an, weil ich das so schwer ertrage, zwei Stunden lang still zu sitzen und jemandem zuzuhören. Das geht gegen meine Natur.    


Nepo Fitz tritt am Freitag um 20 Uhr im Schlachthof auf (Zenettistraße 9) , Abendkasse 22 Euro

 

 

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