Disney's "Die Schöne und das Biest" in der AZ-Kritik

Schön und weihnachtlich: Disneys „Die Schöne und das Biest“ als Musical mit dem Budapester Operettentheater im Deutschen Theater
| Mathias Hejny
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Wo man Bücher liest, da lass dich nieder, denn wer eine Bibliothek besitzt, kann kein ganz böses Monster sein.
Stefan Malzkorn Wo man Bücher liest, da lass dich nieder, denn wer eine Bibliothek besitzt, kann kein ganz böses Monster sein.

Hat man Tafelgeschirr jemals so entfesselt und dazu auch noch perfekt tanzen gesehen? Um das schöne, aber traurige Mädchen aus dem Dorf, das der Schlossherr festhält, aufzumuntern, zeigen Teller und Gläser, Messer und Gabeln, Tassen und Terrinen mit dem Song „Sei hier Gast“, was sie können. Und das ist eine fantastische Nummer kurz vor Ende des ersten Akts, wie es überhaupt vor allem die Tanznummern mit dem ganzen gut gelaunten Ensemble sind, die begeistern und mitreißen.

„Die Schöne und das Biest“ sind wieder zu Besuch in München. Vor drei Jahren war die opulente Produktion schon einmal im Deutschen Theater zu Gast, doch damals im Ausweichquartier in Fröttmaning.

Jetzt wird zu Hause an der Schwanthalerstraße gespielt und nicht nur das Theater ist frisch renoviert, sondern auch Lichtdesigner Peter Somfal hat für den Märchenzauber noch einmal mächtig draufgelegt.

Trotz der Marke „Disney“ kommt die Produktion aber nicht aus den USA, sondern aus Ungarn. Das Budapester Operettentheater spielt die Fassung, die Alan Menken zu den Texten von Linda Woolverton, Howard Ashman und Tim Rice zum Animationsfilm von 1991 komponierte. Seine Musik erklingt, dirigiert von Laszlo Makláry, farbenreich nuanciert und live aus dem Orchestergraben, was längst nicht mehr Standard ist für Musicalaufführungen.

Ein Spektakel

Obwohl die Produktion von der Donau nicht ganz so aufwändig ist wie das Original aus New York, sind die Schauwerte enorm. Die Kostüme sind detailreich und liebevoll gestaltet, und im Mittelpunkt steht das raffiniert entworfene Spukschloss, das der Zuschauer dank der Drehbühne von der Eingangshalle bis zum verbotenen Westflügel mit den Augen durchwandern kann. Der Inszenierung von György Böhm ist anzumerken, das Biest nicht nur als ein Schrecken einflößendes Scheusal zu zeigen, sondern als einen gebrochenen Mann, der für Vergangenes entsetzlich büßen muss.

Dafür aber ist die Spielvorlage schon allzu weich gespült, ist der Gesang allzu schön und ist die Maske allzu lieblich: Unter speckigen Dreadlock-Zotteln steckt ein Wesen zwischen bayerischem Percht und dem König der Löwen. Und Belle schaut man zwar gerne an und hört ihrem klaren Sopran auch gerne zu, aber sie ist nicht mehr als ein sehr, sehr liebes Mädel. Schärfer gezeichnet sind manche Miniaturen der Nebenrollen wie der aufgekratzte Dorftrottel Lefou, die drei Grazien, die dem selbstgefälligen Macho Gaston nachstellen und vor allem der verzauberte Hausrat im Schloss, der den Prinzen unbedingt verkuppeln will.

Deutsches Theater, bis 11. Januar außer 23., 24. Dez. und 1., 5. Januar Mo. bis Sa. 19.30 Uhr, sonntags, an Silvester und 7. Januar 18.30 Uhr, samstags, Zweiter Weihnachtstag und Heilige Drei Könige auch 14.30 Uhr, sonntags auch 13.30 Uhr, Telefon 55234444

 

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