Die vorläufige Betriebsschließung

Eine „vorläufige Betriebsschließung“ beendet alle Aktivitäten im Nationaltheater
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Der Vorhang der Bayerischen Staatsoper bleibt wohl für längere Zeit geschlossen.
Wilfried Hösl Der Vorhang der Bayerischen Staatsoper bleibt wohl für längere Zeit geschlossen.

Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass die Ansammlung von Menschen in größerer Zahl mindestens bis zum Herbst des Jahres nicht gestattet werden wird“, teilten am Dienstag die Tiroler Festspiele Erl mit. Ähnlich äußerte sich zuletzt der österreichische Vizekanzler Werner Kogler: „Mein Hausverstand sagt mir, dass als Allerletztes Großveranstaltungen wieder erlaubt werden, wo die Menschen dicht an dicht sind.“
In Bayern spricht das – noch – niemand so direkt aus. Aber alle Zeichen deuten darauf hin, dass für längere Zeit keine Aufführungen, Konzerte und Festivals mehr stattfinden werden.

Vorgestern wurden die Bayreuther Festspiele einen Tag vor Beginn der Proben abgesagt. Gestern gab die Bayerische Staatsoper ihre „vorläufige Betriebsschließung“ bekannt. Auch die live ins Internet übertragenen Montagskonzerte wird es nicht mehr geben.

Die Callas wird nicht sterben

Das bedeutet auch das – vorläufige – Aus für Marina Abramovics Opernprojekt „7 Deaths of Maria Callas“, dessen Premiere ursprünglich für Karsamstag geplant war. Es wurde bis zuletzt in Form von Workshops in Kleinstgruppen vorbereitet. Nun hätten Proben unter Beteiligung des Orchesters beginnen müssen, was derzeit ausgeschlossen ist.

„7 Deaths of Maria Callas“ hätte die Verbindung der großen Performancekünstlerin mit der größten Sängerin der Nachkriegszeit ausgelotet, so Intendant Nikolaus Bachler in einer Mitteilung. „Was das bedeutet hätte, wäre in Zeiten, in denen Tod verdrängt wird, von dringender Notwendigkeit und Relevanz. Im Moment, in dem es für viele ganz real um Leben und Tod geht, stellen sich andere Fragen – das ist mir innerhalb der letzten Tage besonders klar geworden.“

Bachler schreibt, er habe lange mit der Entscheidung gezögert, weil die bedingungslose Hingabe des Teams rund um Marina Abramovic eindrucksvoll gewesen sei. „Zuletzt möchte ich mich bei allen entschuldigen, die sich durch eine scharfe Formulierung meinerseits, die ich im Eifer des Gefechts getätigt habe, verletzt gefühlt haben. Es sollte möglich sein, auch in Krisenzeiten die Arbeit an der Kunst aufrechtzuerhalten. Wir hatten und haben keine Ferien, sondern sind im Dienst der Gemeinschaft unterwegs.“

Bachler hofft auf die Opernfestspiele

Diese Bemerkung dürfte sich auf das Wort von den „selbsternannten Blockwarten“ beziehen, das Bachler in dieser Zeitung Kritikern der Livestreams entgegengehalten hatte, was ihm hausintern sehr übel genommen wurde.

Bachlers Mitteilung schließt mit einer Warnung: „Wir müssen aufpassen, dass die pandemische Krise keine Krise unserer Institutionen, unseres Charakters und unserer Gesellschaft wird.“ 

Die Opernfestspiele im Sommer will Bachler noch nicht aufgeben: „Wir werden gemeinsam mit allen Direktoren des Hauses und in Abstimmung mit dem Ministerium Anfang Mai über die Durchführung der Festspiele entscheiden“, sagte er der AZ.

Das ist ein Optimismus, der einen wieder tröstet. Abramovics „7 Deaths of Maria Callas“ wird „auf einen späteren Zeitpunkt“ verlegt. Wann auch immer das ist. Denn keiner sollte hoffen, dass sich so schnell wieder 2400 Leute in einem Opernhaus versammeln können. 

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