„Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“ von Axel Hacke

Axel Hackes Stück „Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“, inszeniert im Café des Metropoltheaters
| Michael Stadler
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Judith Toth und Dieter Fischer.
Jean-Marc Turmes 5 Judith Toth und Dieter Fischer.
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Judith Toth und Dieter Fischer.
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Judith Toth und Dieter Fischer.
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Axel Hackes Stück „Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“, inszeniert im Café des Metropoltheaters

Der Mensch besitzt doch einiges an Schöpfungskraft. So kann er in der Fantasie eigentlich Großes nach Belieben klein machen, so wie der Mann, der im Café des Metropoltheaters auf einer kleinen erhöhten Bühne steht. Unter anderem berichtet er von einem Spaziergang, den er mit seinem Büro-Elefanten unternahm. 25 Zentimeter misst der Elefant; der Mann zeigt mit seinen Händen, wie winzig das ist. Eines Tages tauchte das Tier vor seinem inneren Auge auf, was ihn so in seiner Konzentration störte, dass er es fortscheuchte. Dann erschien es vor seinen zwei äußeren Augen, war einfach da.

So funktioniert das ja mit fast jeder Schöpfung: Zuerst hat man eine Idee, und die muss einen schon auch ein wenig plagen, dass man sie veräußerlicht. Der Kolumnist und Autor Axel Hacke ist diesen kreativen Prozess längst gewohnt. Mit „Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“ hat er ein Theaterstück geschrieben, dass in üblich hübscher Hacke-Form zwischen Anekdote und Philosophie durchfließt.

Der Regisseur ist auch ein Gott

Gott taucht im Metropol-Café in Gestalt von Judith Toth auf: ein leicht clowneskes, aber doch vor allem verzagtes Geschöpf, weil sie mit ihrer Schöpfung nicht zufrieden ist und sich selbst dafür in die Verantwortung nimmt. Den Mann, bauchig sympathisch verkörpert von Dieter Fischer, rettet sie vor einem herabfallenden Globus, was so ähnlich ist wie der herabfallende Scheinwerfer, der in der „Truman Show“ dem Allerweltmann Truman die Augen öffnet, dass seine Welt eine Inszenierung ist.

Was sich dann an Unterhaltungen zwischen Mann und Gott entspinnt, in seiner Wohnung und bei Streifzügen durch München, inszeniert Thomas Flach mit sicherer Hand. Der Regisseur ist ja auch so ein verkappter Gott und hat hier vor allem Lust darauf, die herausfordernden Einfälle in Hackes Text nicht einfach erzählen zu lassen, sondern sichtbar zu machen. Dafür haben die zwei Darsteller ein paar schöne Taschenspielertricks auf Lager und Flach nutzt geschickt das durch die Glasfront des Cafés gut erkennbare Draußen. Da dient etwa eine Häuserfront als Projektionsfläche für ein Video, und wenn Gott den Mann zum Riesen wachsen lässt, fliegt was Aufgeblasenes am Fenster vorbei.

Das große Egal

Ja, in der Fantasie kann nicht nur ein Elefant klein, sondern der Mensch elefantös groß werden. Hacke nimmt sich die großen Dinge des Lebens und Sterbens vor. Sein Text pendelt zwischen der existentialistischen Erkenntnis, dass die Aussicht auf den Tod den Menschen zur Freiheit verdammt (wobei diese Freiheit bei ihm ein Segen ist), und buddhistischer Entspanntheit: „Das große Egal“ taucht auf und hat zu allen Schicksalsschlägen ein „Eeeeegaaaaal“ parat. Der Mann steigert sich ob dieses Gleichmuts arg in einen Wutanfall hinein. Den dramatischen Höhepunkt braucht es aber nicht.

Die Emotionskurve sinkt gottlob zum Ende hin und vielleicht haben dann der Mann, der seinen Vater vermisst, und Gott und die Zuschauer etwas Trost gefunden. Wenn zwei Menschen sich lieben, ist man immerhin einer Person nicht egal. Und im Theater entsteht eine Gemeinschaft, die hier für 75 Minuten der Einsamkeit gut entfliehen kann, ja, sich gerne einen Elefanten aufbinden lässt. Der anwesende Axel Hacke verbeugte sich zum Applaus mit dem Team: kleine große Schöpfer unter sich.

Café Metropol, Floriansmühlstr. 5, Do bis Sa, 27.12., 28.12., 20 Uhr; 31.12., 20.30 Uhr, 32 19 55 33

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