Die spektakuläre Dinner-Show "Limbo"

Verwöhnen und unterhalten: Bei der artistischen Show schlucken Artisten Schwerter und das Publikum Perlhuhn
| Michael Stadler
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Danik Abishev hüpft im Handstand über Pfeiler.
Che Chorey Danik Abishev hüpft im Handstand über Pfeiler.

Verwöhnen und unterhalten: Bei der artistischen Show schlucken Artisten Schwerter und das Publikum Perlhuhn

Der Himmel und die Hölle liegen ganz nah beieinander im Tollwood-Spiegelzelt. Wobei es schon auf das Gewicht ankommt, wie schnell man sich zwischen beiden Polen bewegen kann. Von oben lässt der Artist Mikael Bres eine Feder heruntersegeln, langsam schwebt sie hinab, während er sich rasant entlang der chinesischen Kletterstange herabrutschen lässt, seinen Körper knapp über dem Boden stoppt, um dann in aller Ruhe auf die Ankunft der Feder zu warten.
Teuflisch schnell können sie sein, die neun Performer der Varieté-Show Limbo, und bewegen sich dabei scheinbar federleicht, allein Mikael Bres, der einen akrobatischen Pole Dance der Extraklasse hinlegt, wenn er nicht gerade als Beatboxer mit der Limbo-Live-Band die Stimmung aufheizt.
In der Vorhölle steht man nun mal dem Feuer näher als den göttlichen Sphären: Die Musik von Sxip Shirey knallt rein als Mix zwischen Hip-Hop, Club-Beats und Banjo-seligem Ragtime. Shirey selbst macht im weißen Anzug Alarm durchs Megafon und röhrt schmutzig mit der Mundharmonika.
Die neue Show von Regisseur Scott Maidment und der australischen Produktionsfirma „Strut & Fret“, die vor drei Jahren schon mit „Cantina“ beim Tollwood begeisterten, ist kein Seifenblasen-Varieté, sondern haut einen mit einer sexy Melange aus Burlesque, Stepptanz, Kontorsion, Akrobatik und Zirkuszauber um.

Die Show rast über die Köpfe des Publikums

Was die sechs Artisten aus Russland, Frankreich, Kanada und den USA in rasanten 75 Minuten zu bieten haben, ist spektakulärer Fun mit Lust am Austesten der Körpermöglichkeiten. Wenn Danik Abishev im Handstand über eine Reihe von Pfeilern hüpft, jeder Muskel perfekt ausdefiniert, dann halten die Vier-Gänge-Menü-verwöhnten Zuschauer – sehr lecker und zumindest vom Namen verrucht: das Reisblatt „Mata Hari“ oder das auf der Zunge zergehende Perlhuhn „Lolita“ – den Atem an und denken nach, ob’s nicht mal wieder Zeit fürs Fitness-Studio wird. Und wenn schon das Feuer der Vorhölle brennt, kann man es sich doch gleich einverleiben wie Heather Holliday, in deren Rachen auch zwei Schwerter problemlos Platz haben. Das Publikum schluckt, sie Gott sei Dank nicht.
Wenig Clownerei, aber dann hübsch an- und auszüglich: Mann und Frau entkleiden sich, aber die Unterwäsche-Schichten wollen kein Ende nehmen. Zuviel Vorspiel ist ein Lustkiller! Dann lieber Action, etwa, wenn drei Artisten an elastischen Stangen hin- und herschwingen, über die Bühne inmitten des Spiegelzelts im Vorwärtsgang und dann gefährlich nah über die Köpfe der Zuschauer zurück. Da kann auch mal eine Flasche Sprudel vom Tisch geklaut werden. Klar: Durstlöscher sind ja auch gefragt in der Hölle.
 
Limbo, Spiegelzelt auf dem Tollwood, bis 31. Dezember, montags und am 23./24.12. spielfrei, www.tollwood.de

 

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