Die Hälfte von Ulan & Bator über „Zukunst“ und die Zukunft des Ensembles

Die Hälfte von Ulan & Bator über das Programm „Zukunst“ und die Zukunft des Ensembles der Lach- und Schießgesellschaft
| Thomas Becker
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Es ist nicht ganz sicher, wer von den beiden Herren Ulan ist und welcher Bator.
Lucas Kromm Es ist nicht ganz sicher, wer von den beiden Herren Ulan ist und welcher Bator.

Auch im neuen Programm „Zukunst“ ziehen sich Sebastian Rüdiger und Frank Smilgies wieder ihre bunten Strickmützen über und feiern aufs Furioseste den Irrwitz. Dazu braucht das vielfach preisgekrönte Duo auch in der Lach- und Schießgesellschaft nicht mehr als eine leere Bühne, ihre Musikalität, ihr Theaterhandwerk und ihre legendäre Spielfreude. Ein Gespräch mit 50 Prozent des Duos.

AZ: Herr Smilgies, der Titel „Zukunst“ ist ein Wortspiel, das nach Zukunft der Kunst klingt. Was erwartet uns am Mittwochabend?
FRANK SMILGIES: Zunächst erwartet diejenigen, die kommen, Ulan und Bator, wie man sie kennt. Also keine chronologische Geschichte, kein äußerer roter Faden. Es wird schon, was man gemeinhin Nummernkabarett nennt, aber es gibt einen inneren roten Faden, der eher unsere Haltung beschreibt: keine Politikerparodien, keine Merkel-Raute, sondern theatralisches Erzählen, Phantasieräume für die Zuschauer. Es wird nicht alles 1:1 serviert.

Und die Zukunst?
Das sind schon sehr wir. Es gibt bei uns ja immer das Bedürfnis nach Kategorisierung: Seid ihr Kabarett? Seid ihr Comedy? Was seid ihr eigentlich? Wenn das Wort Kunst im Kontext von Kabarett benutzt wird, dann immer ein bisschen mit hochgezogener Augenbraue. Wir sehen uns aber schon als Theater und auch als Künstler, durch die Art, wie wir erzählen. Wir können auch nicht von heute auf morgen eine Nummer schreiben, sind keine tagesaktuellen Kabarettisten – auch wenn wir das als Lach- und Schießensemble versuchen. Unser täglich Brot ist Theater. Da sind wir der Kunst näher als der Tagespolitik.

Dieser kreative Prozess mit all den zur Verfügung stehenden Kunst- und Spielformen muss doch einen Heidenspaß machen, Stichwort wechselseitige Erhellung der Künste. Besser als bloß stumpf auf der Bühne zu stehen und zu deklamieren, oder?
Stumpf klingt wie eine Kritik – wir würden das gar nicht so kritisieren. Es gibt Leute, die das ganz phantastisch können, die auch die Merkel-Raute können und dadurch unterhalten. Aber das ist halt nicht so unser Ding. Wir kommen ja von der Folkwangschule in Essen, diesem interdisziplinären Verein, performativ in alle Richtungen. Da haben wir vier Jahre lang jeden Tag auch mal bei den Tänzern vorbeigeschaut, da gab’s Musik und Jazz und Klassik und Pantomime und alles Mögliche. Und wir nehmen uns bis heute raus, ohne Rücksicht auf Verluste das auf die Bühne zu bringen, was uns interessiert, und das ist halt eine Menge.

Da kommt auch mal der Tänzer Rudolf Nurejew auf die Bühne.
Zum Beispiel. In „Zukunst“ gibt es nicht nur neue Nummern wie den mutierten Käse, der seinen Mitbewohner plötzlich mit seinem Dasein überrascht. Wir spielen auch ein paar Sachen, die wir selber gerne weiterspielen möchten und die das Publikum immer wieder einfordert. Aber Dreiviertel des Programms ist neu.

Sie haben es angesprochen: Ulan und Bator sind auch Teil des vierköpfigen Ensembles der Lach- und Schießgesellschaft. Wie wir seit dem Stellenangebot von Lach- und Schieß-Chef Till Hofmann auf Facebook wissen, scheint sich die gemeinsame Zeit des Quartetts dem Ende zu nähern...
Ja, das klingt traurig, ist es natürlich auch ein bisschen, aber wir hatten einfach das Gefühl, dass es nach viereinhalb Jahren sehr intensiver, schöner und erfolgreicher Zeit wieder Zeit ist, ein bisschen mehr den Fokus auf unser Homeship zu stellen. Man soll ja eh aufhören, wenn’s am Schönsten ist, und das ist jetzt ein guter Zeitpunkt. Das Theater hatte sich aus guten Gründen, die wir nachvollziehen können, gewünscht, dass das mit dem Ensemble noch intensiver würde in der Zukunft, man wollte über Jahre planen, mehr Raum haben, und da mussten wir uns schweren Herzens entscheiden, dass wir dann doch wieder mehr Ulan und Bator machen.

Alles auf einmal geht halt nicht.
Wir haben schon gemerkt, dass wir mit Ulan und Bator nur noch halb so viel spielen konnten. Es fehlten dann einfach Zeit und Energie für die Lach- und Schieß. Am Ende ist es eine Trennung in Freundschaft. Ich glaube, es hat auch die andere Seite verstanden, dass unsere Zeit auch endlich ist und man schaut, wie es weitergehen soll.

Fehlte im Ensemble womöglich auch diese unbedingte Freiheit auf der Bühne, jederzeit was auch immer spielen zu können?
Es ist ein anderes Spiel. Man ist viel mehr in Bewegung. Zum Konzept des Ensembles gehört ja auch, dass wir immer auf der Bühne sind. Das ist sowohl anstrengend als auch eine Herausforderung – man kann ja nicht einfach in einer Tasse Tee rühren und Zeitung lesen, während die Anderen spielen. Das ist auch Teil des Spiels, und doch sitzt oder steht man nur da, wenn man nicht dran ist. Als Ulan und Bator bedeutet das zwei Stunden unter Feuer zu sein und mit allem, was man hat, auf der Bühne zu stehen. Das ist schon ein Unterschied. Darüber hinaus sind wir ja auch Handlungsreisende – als Lach- und Schieß-Ensemble waren wir überwiegend in München, aus guten Gründen. Als Ulan und Bator sind wir eigentlich immer unterwegs und bespielen unsere Bühnen – das ist jetzt vier Jahre lang ziemlich kurzgekommen.

Wie anders spielen Sie als Duo oder Quartett?
So wie wir seit Jahrzehnten arbeiten, können wir kaum noch einen Unterschied zwischen Duo und Ensemble machen. Wir sind auch gar nicht mehr zu so vielen Kompromissen bereit. Für ein Haus zu spielen wie das von Till ist dann nicht ganz das Eigene. Es gibt schon ein paar Parameter, nach denen man sich richten muss. Ulan und Bator steckt uns da schon tiefer in den Knochen.

Lach- und Schieß, 12. bis 15. Februar, 20 Uhr und am 16. Mai im Lustspielhaus, Karten unter 391997

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