Die fabelhafte Welt der Sandra Leitner

Seit einem Jahr hat die Hamburger Musical-Produktionsfirma Stage Entertainment auch eine Bühne in München gebaut: Das Werk 7. Hier spielte bis Herbst das „Fack Ju, Göhte“-Musical, in dem Sandra Leitner bereits mitspielte. Jetzt hat sie sich beim Casting für die Hauptrolle des Musicals „Amélie“ durchgesetzt. Eine Produktion nach dem Film „Die fabelhafte Welt der Amélie Poulain“ von Jean-Pierre Jeinet. Die Version in München ist eine deutsche von Heiko Wohlgemut nach einer Broadway-Adaption.
| Adrian Prechtel
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Die fabelhafte Welt des Münchner Christkindlmarktes: Sandra Leitner am Stand der Glasbläserei Molnar im Innenhof des Rathauses.
Bernd Wackerbauer Die fabelhafte Welt des Münchner Christkindlmarktes: Sandra Leitner am Stand der Glasbläserei Molnar im Innenhof des Rathauses.
Seit einem Jahr hat die Hamburger Musical-Produktionsfirma Stage Entertainment auch eine Bühne in München gebaut: Das Werk 7. Hier spielte bis Herbst das „Fack Ju, Göhte“-Musical, in dem Sandra Leitner bereits mitspielte. Jetzt hat sie sich beim Casting für die Hauptrolle des Musicals „Amélie“ durchgesetzt. Eine Produktion nach dem Film „Die fabelhafte Welt der Amélie Poulain“ von Jean-Pierre Jeinet. Die Version in München ist eine deutsche von Heiko Wohlgemut nach einer Broadway-Adaption.

AZ: Frau Leitner, die berühmte Amélie Poulain hat ein Näheproblem, schottet sich gegen die Wirklichkeit ab. Wenn man als junger Musical-Darsteller gecastet werden will, darf man aber nicht schüchtern sein.

SANDRA LEITNER: Ja, ich bin das Gegenteil von Amélie: offen, lerne gerne Leute kennen...

Was es also schwierig für Sie macht, Amelie darzustellen?

Nein, man wird ja nicht Schauspieler, um sich selbst zu spielen.

Und wie versetzen Sie sich dann in Amélie hinein?

Ich erinerne mich zurück, an Zeiten und Momente, in denen ich schüchtern war – als man zum Beispiel in einen Jungen verliebt war und nicht wusste, wie man das einfädeln soll.

Amelie hat die wunderbare Fantasiegabe, Gegenstände zu beseelen – vom Gartenzwerg bis zum Keramikschweinchen auf dem Nachttisch, das das Licht löscht, wenn Amélie eingeschlafen ist.

Ja, das hat etwas Kindliches. Amélie ist nicht wirklich ins Erwachsenenleben mitgegangen – und das ist schön. Das ist es auch, was uns so rührt an ihr, weil viele von uns ja genau diese Fähigkeit zur Fantasie verloren haben. Ich hingegen habe als Schauspielierin das Privileg, weiter spielen zu dürfen, also etwas zu machen, was man als Kind ja immer schon gemacht hat.

Und da kann man dann auch mal mit einem Stofftier reden.

Natürlich. Das Klischee stimmt ja: Kinder sind offener, und wir sollten das auch versuchen zu behalten. Und vor allem: Immer weiter lernen, wie die Kinder, weil wir auch nie fertig sind in unserer Entwicklung.

Amélie baut sich eine fabelhafte Welt in ihrem Zimmer über dem Café. Sie sind als Musicaldarstellerin ja viel unterwegs. Welche „fabelhafte Welt“ bauen Sie sich für die Geborgenheit?

Ich bin vor einem Jahr nach München gezogen für das Musical „Fack Ju Göhte“ – und habe hier zum ersten Mal eine eigene Wohnung. Ich kenne dieses Amélie-Gefühl des Fremdseins. So habe ich mir von meinem Zimmer in Hessen eine Lichterkette mitgenommen, einen kleinen Teppich
und Kerzen: Und schon ist es ein bisschen wie zu Hause.

Amélie ist recht neurotisch: Sie braucht immer einen Plan, sonst ist sie verunsichert.

Ja, das ist zwanghaft. Und als sie Nino, in den sie sich dezent verliebt hat, ins Café einlädt, hofft sie, ihn einfach nur heimlich beobachten zu können. Er erkennt sie aber und sie rennt weg. Es ist alles schnell zu viel für sie.

Was psychologisch ja mit der seltsamen Kindheit erklärbar ist.

Klar, der Vater ein Militärarzt mit Hygienefimmel, der seine Tochter immer nur einmal im Monat berührt – für eine Untersuchung. Und die Mutter war ohnehin völlig „verschoben“. Sie wurde zu Hause unterrichtet und hatte als Ansprechpartner nur ihren Goldfisch.
Wo knüpfen sie da an?

Nicht bei meiner Familie, die ist toll. Wir haben ja einen guten Regisseur, den ich schon von „Fack Ju Göhte“ her kenne. Christoph Drewitz hat gute Ideen und ich kann Vorschläge an ihn herantragen.

Wie empfinden Sie München?

Ich habe den letzten Sommer sehr genossen. Von Außen wirkt die Stadt schön und etwas glatt. Ich war ja zum Casting in Hamburg, und da hat man den Eindruck, dass die Menschen viel unterschiedlicher sind, einem mehr Charakterköpfen begegnen.

Sie selbst kommen aber aus einer Kleinstadt.

Ja, aus Herborn in Hessen. Eine Stadt mit nur 20 000 Einwohnern und viel Fachwerk.

Und wenn Sie jetzt zu Weihnachten zurückkommen...

Dann bin natürlich ich die, die erst mal eine Stunde lang durcherzählt.    
    
„Amélie – Das Musical“, ab 14. Februar im Werk 7, Werksviertel beim Ostbahnhof, Karten 30 – 80 Euro, Tel.: 54 81 81 81

 
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