Die Akustik kommt von Toyota

Das Büro des Japaners Yasuhisa Toyota bekommt den Auftrag für die Neugestaltung der Gasteig-Akustik
| Robert Braunmüller
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Yasuhisa Toyota in der Elbphilharmonie.
Christian Charisius Yasuhisa Toyota in der Elbphilharmonie.

Alles andere wäre eine Überraschung gewesen. Die Geschäftsführung und der Aufsichtsrat der Gasteig München GmbH haben ihre Wahl für den Akustiker des neuen Gasteig getroffen: Das Büro Nagata Acoustics International unter Leitung von Yasuhisa Toyota soll den Akustikpart der bevorstehenden Generalsanierung übernehmen. Die Philharmonie, der Carl-Orff-Saal und der Kleine Konzertsaal sollen ein neues Akustikkonzept erhalten.

Toyota hat unter anderem die Akustik der Elbphilharmonie in Hamburg und der Philharmonie in Paris betreut. Sein Büro verfügt über umfassende Erfahrung: 50 Konzertsäle und 300 Zuschauerräume hat Toyota bereits klanglich optimiert.

Grundlage der Münchner Entscheidung war ein Vergabeverfahren, an dem sich zehn Akustikbüros beteiligten. Geschäftsführer Max Wagner äußerte sich „überglücklich“ über das Ergebnis, Kulturreferent Hans-Georg Küppers verspricht ein „Hörerlebnis“, das die „Stärken der Münchner Philharmoniker voll zur Entfaltung“ bringen soll. „Die sachliche Bewertung der Gebote nach den Vergabekriterien hat ein eindeutiges Ergebnis gebracht“, betont Josef Schmid als Aufsichtsratsvorsitzender der Gasteig GmbH.

Das Image vom asiatischen Weisen

Toyota erhielt bereits den Zuschlag für die Akustik des Gasteig-Interims in Sendling. Es wäre ein Wunder, wenn das Büro des Japaners nicht auch den Zuschlag für den Neubau des Freistaats im Werksviertel erhalten würde. Denn der Akustiker ist nicht nur Favorit von Valery Gergiev, dem Chefdirigenten der Münchner Philharmoniker, sondern auch von Mariss Jansons, dem Chef des BR-Symphonieorchesters.

Und da wird die zwischen Staat und Stadt unkoordinierte Konzertsaalbauerei in München problematisch. Zwar hat jeder Saal ein Eigenleben, dennoch droht in München eine akustische Monokultur, falls sich – womit zu rechnen ist – auch der Freistaat für Toyota entscheidet. Dessen Säle klingen wie eine hochgezüchtete Hifi-Anlage. Sie betonen die Brillanz eines Orchesters, legen aber auch Schwachstellen gnadenlos frei. Die drei Münchner Orchester hatten bei Gastspielen in der Elbphilharmonie kein Problem, zweitklassige Klangkörper schon.

Die von Toyota ausgehende Faszination hat ihren Grund zur einen Hälfte in der unbezweifelbaren Qualität. Die andere verdankt sich der irrationalen, unter Musikern weit verbreiteten Liebe zu Japan und dem Image vom asiatischen Weisen, das der Akustiker geschickt kultiviert.

Die gerühmte, mit Hilfe beweglicher Paneele veränderbare Akustik des KKL Luzern stammt vom verstorbenen Russell Johnson, dessen Büro „arctec“ weiter aktiv ist. Auch die von Musikern des BR-Symphonieorchesters gelobten Säle in Polen stammen teilweise von anderen Akustikern.

Yasuhisa Toyota ist gut, aber nicht alternativlos.

 

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