"Der Spieler", inszeniert von Andreas Kriegenburg

Andreas Kriegenburg adaptierte den Dostojewskij-Roman „Der Spieler“ für das Residenztheater
| Mathias Hejny
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Szenen aus "Der Spieler" im Residenztheater.
Matthias Horn 5 Szenen aus "Der Spieler" im Residenztheater.
Szenen aus "Der Spieler" im Residenztheater.
Matthias Horn 5 Szenen aus "Der Spieler" im Residenztheater.
Szenen aus "Der Spieler" im Residenztheater.
Matthias Horn 5 Szenen aus "Der Spieler" im Residenztheater.
Szenen aus "Der Spieler" im Residenztheater.
Matthias Horn 5 Szenen aus "Der Spieler" im Residenztheater.
Szenen aus "Der Spieler" im Residenztheater.
Matthias Horn 5 Szenen aus "Der Spieler" im Residenztheater.

Hauslehrer Alexej Iwanowitsch irrt, wenn er glaubt, sein demütigendes Dasein in der Familie des Generals beenden zu können, wenn er endlich reich ist. Auch nach einer rauschhaften Nacht im Kasino, in der er sich ein gigantisches Vermögen erspielen konnte, bleibt er nach dem Umzug ins elegante Paris nur der kleine „Auslärähr“ für die Mademoiselle Blanche. Nicht lange braucht sie, Alexejs Geld zu verjubeln. Geld allein macht nicht glücklich, weiß der Volksmund, und „Der Spieler“ von Fjodor Dostojewskij ist dazu ein grandioser literarischer Kommentar aus dem weit in unser Heute ragendes Europa des 19. Jahrhunderts.

Lesen Sie auch unser Interview mit Andreas Kriegenburg

Schauplatz ist die deutsche Kurstadt Roulettenburg, wo ein russischer General mit Familie in einem Luxushotel lebt. Die Lage ist bedrohlich, denn das Geld ist aus und man wartet darauf, dass endlich die reiche Erbtante in Russland stirbt. Aber statt abzuleben erscheint die alte Dame höchst lebendig in Roulettenburg. Dort erliegt sie der Faszination des Glücksspiels und verliert ihren ganzen Besitz. Schon die Entstehungsgeschichte des 1866 erschienenen Romans war dramatisch, denn der selbst spielsüchtige Dostojewskij brauchte dringend Geld.

Hochgeschwindigkeitstheater

„Der Spieler“ ist, für Dostojewskijs Verhältnisse, ein eher schmaler Band und wurde in nur knapp vier Wochen niedergeschrieben. Diese Atemlosigkeit lässt Andreas Kriegenburg in seiner Bühnenadaption im Residenztheater fühlen. Thomas Lettow hetzt als der Hauslehrer Alexej durch das sensationelle Bühnenbild, das Harald Thor erfand.

Im obersten Stock thront der Roulettetisch mit Croupiers und Spielern, darunter erstreckt sich weitläufig die eigentliche Spielfläche aus einem bereits morsch wirkenden Bretterboden und verrostenden Geländern. Darunter sammeln sich leere Champagnerflaschen und die Einkaufstüten vom Nobel-Shopping. Der Kick dieser Konstruktion ist, dass sie sich unentwegt dreht wie der Roulettekessel. Mal schneller, mal langsamer verändert sich der Blick in den ansonsten bis zur Brandmauer aufgerissenen Raum, und wenn Lettow vorne bleiben will, muss er in Bewegung bleiben wie die Kugel beim Roulette. Sein Alexej ist ein aasiger Ich-Erzähler mit hohem Sprechtempo. Dieses Hochgeschwindigkeitstheater fasziniert zu Beginn, ist aber nicht zu bremsen und schon nach kurzer Zeit eine zentrale Schwäche des gut dreistündigen Abends.

Lauter Getriebene

Wo bei Dostojewskij ein psychologisch fein differenziertes Figurenpanorama ausgemalt wird, sieht man bei Kriegenburg nur Getriebene. Das freilich auf schauspielerisch hohem Niveau. Es gibt große Momente wie die fiebrig spannende Schilderung Alexejs von der Nacht, als er reich wurde. Ein Höhepunkt ist der Auftritt von Charlotte Schwab als reiche Tante des Generals – eine alte Dame mit messerscharfem und hellwachem Sarkasmus, die erst die Contenance verliert, als sie sich zum ersten Mal an den Spieltisch setzt.

Auch die jungen Damen sind großartig, wenn auch immer tief im Grenzbereich zum Klischee ihres Typs: Lilith Häßle ist als Stieftochter des Generals und hübsche Intrigantin unter roter Lockenpracht unterwegs in der feinen Gesellschaft. Hanna Scheibe ist als schöne Pariserin Mademoiselle Blanche sehr sinnlich, sehr schwarzhaarig, sehr glutäugig und ein bisschen teuflisch. Sie ist die Verlobte des Generals, der selbst bei Thomas Loibl ein in seiner Selbstherrlichkeit oft sehr komischer Kotzbrocken ist.

Obwohl so Vieles stimmt, lässt das rasante Treiben den Betrachter kühl zurück. In den zurückhaltenden Applaus der Premiere mischten sich vernehmliche Buhs für den Regisseur.  

Residenztheater, wieder am 21. Dezember, 19 Uhr, 3., 19. Januar, 19.30 Uhr, 13. Januar, 15 Uhr, Telefon 21851940
 

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