David Marton über das neue Opernhaus in der Kammer 3

Die Kammerspiele zeigen in der Kammer 3 eine Version von Vincenzo Bellinis Oper „La Sonnambula“
| Robert Braunmüller
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Bellinis "La Sonnambula" in der Kammer 3 der Münchner Kammerspiele.
Christian Friedländer 4 Bellinis "La Sonnambula" in der Kammer 3 der Münchner Kammerspiele.
Bellinis "La Sonnambula" in der Kammer 3 der Münchner Kammerspiele.
Christian Friedländer 4 Bellinis "La Sonnambula" in der Kammer 3 der Münchner Kammerspiele.
Bellinis "La Sonnambula" in der Kammer 3 der Münchner Kammerspiele.
Christian Friedländer 4 Bellinis "La Sonnambula" in der Kammer 3 der Münchner Kammerspiele.
Bellinis "La Sonnambula" in der Kammer 3 der Münchner Kammerspiele.
Christian Friedländer 4 Bellinis "La Sonnambula" in der Kammer 3 der Münchner Kammerspiele.

Zwei Opernhäuser hat München schon: das Nationaltheater und das Staatstheater am Gärtnerplatz. In der Pasinger Fabrik, im Hubertussaal und anderswo spielen diverse freie Truppen. Nun werden auch noch die Kammerspiele zum Opernhaus: Der ungarische Regisseur David Marton inszeniert Bellinis „La Sonnambula“ in der Kammer 3, dem ehemaligen Werkraum. Am 9. Juni folgt Mozarts „Le nozze di Figaro“.

AZ: Herr Marton, gibt’s nicht schon genügend Opern in München? Warum werden nun auch noch die Kammerspiele zum Opernhaus?

DAVID MARTON: In der Kunst stellt sich nie die Frage, ob etwas sein muss. Man kann immer davon profitieren, Dinge am falschen Ort zu tun. Es geht immer nur um die Frage, was man tun möchte. Was sein muss, entscheidet das Publikum.

Warum bringen Sie als erstes eine Belcanto-Oper, die eigentlich nur mit Maria Callas funktioniert?

Gerade deshalb. Wenn ich unser Musikleben betrachte, sehe ich noch immer einen Schönheits- und Perfektionskult und elitäre Denkweisen. Produziert wird für die Mittelschicht und oberhalb davon. Klassische Musik wurde zwar für die Kirche und die Aristokratie komponiert, war aber selbst nie aristokratisch.

Trotzdem: Konnten Sie die Callas gewinnen?

Unser Belcanto wird kein klassischer Belcanto. Wir untersuchen, wie diese Musik mit anderen Stimmen klingt. Und auf reduzierter Quadratmeterzahl. Der Raum soll wie ein Filter funktionieren. Mir geht es um einen lebendigen Kontakt mit den Fragmenten der Vergangenheit. Den wollen wir nicht crossovermäßig mit Beats unterlegen. Sondern wir möchten damit leben wie die Bewohner von Rom mit dem Kolosseum.

Das geht nicht ohne gewisse Freiheiten.

In der Oper ist oft davon die Rede, dass etwas auf eine bestimmte Art und Weise gemacht werden müsse. Traditionen sind sicher hilfreich, um bestimmte Musik aufzuführen. Aber die meisten Komponisten haben Traditionen gebrochen: Monteverdi, Gluck, Mozart, Wagner – alle diese Komponisten umgibt eine museale Fleißigkeit. Ich finde es interessanter, einen persönlichen Zugang zu finden, auch wenn man damit auf die Fresse fällt.

War Bellini auch so ein Umstürzler?

Aber ja. Nur hören wir das heute nicht mehr. „La Sonnambula“ entstand gleichzeitig mit Webers „Freischütz“ – in der Romantik, als die Volksmelodien wiederentdeckt wurden. Bellini wollte weg von den rossinihaften Dauerkoloraturen. Wenn man seine Musik mit anderen Instrumenten spielt, landet man auf dem Jahrmarkt. Da steckt viel neapolitanischer Leierkasten drin. Das damalige Publikum hörte das, wir nicht.

Die Schweiz, in der „La Sonnambula“ spielt, ist doch eine sehr künstliche Welt.

Das Künstliche ist kein Argument gegen etwas Neues. Der New Wave der Achtziger war auch sehr künstlich – es ging extrem um Posen und Bilder. Die Romantik hatte sicher auch etwas davon.

Mit welcher Besetzung spielen Sie „La Sonnambula“?

Überwiegend mit improvisierenden Musikern aus der Jazz-Szene. Aber es geht uns nicht darum, Bellini zu verjazzen. Wir wollen der Geplantheit und dem Perfektionismus des normalen Opernbetriebs etwas entgegensetzen.

Muss man Bellinis Oper kennen, um zu verstehen, was Sie machen?

Um Verstehen geht es mir nicht. Der Zuschauer soll die Aufführung nicht wahrnehmen wie ein Weinkenner den Wein. Es geht darum, berührt und überrascht zu werden.

Premiere heute, 20 Uhr. Auch am 31.1, 1., 7., 14. und 25. Februar, Telefon 233 966 00

 

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