Das Quatuor Ébene spielt Beethoven

Das Quatuor Ébene spielt das wohl für längere Zeit letzte Konzert im Herkulessaal Die Werkauswahl hätte treffender nic
| Marco Frei
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Das Quatuor Ébene.
Julien Mingot Das Quatuor Ébene.

Das Quatuor Ébenè spielt das wohl für längere Zeit letzte Konzert im Herkulessaal

Die Werkauswahl hätte treffender nicht sein können. Jedenfalls passt der „Heilige Dankgesang eines Genesen an die Gottheit“ aus dem späten Streichquartett Nr. 15 op. 132 von Ludwig van Beethoven ganz vortrefflich zur gegenwärtigen Corona-Krise. Für Andreas Schessl von MünchenMusik war dieser vor allem Anlass, um sich auf dem Podium dafür zu bedanken, dass das „Quatuor Ébenè“ seinen Beethoven-Zyklus zum 250. Geburtstag des Komponisten überhaupt fortsetzen konnte.

Noch bis in den Nachmittag hinein war im Grunde nicht klar, ob das Konzert im Herkulessaal stattfinden würde. Was die vier Franzosen schließlich aus Beethovens op. 132 sowie dem Streichquartett op. 18 Nr. 6 „La Malinconia“ herausgearbeitet haben, das war ein veritables Wunder.

Ein Spiel aus einem Guss

Das Quartett musizierte so frisch und eigen wie damals beim ARD-Musikwettbewerb 2004. Von selbstgefälliger Routine war gar nichts zu hören.

Es zeigte sich einmal mehr, wie sehr die Formation von der Bratscherin Marie Chilemme profitiert. Sie folgte auf Andrien Boisseau, der wiederum von 2014 bis 2017 Matthieu Herzog ersetzte. Ihr feines, agiles, hellhöriges Spiel fügt sich perfekt dem Gesamtklang ein: allen voran mit Raphaël Merlin am Cello und dem zweiten Geiger Gabriel Le Magadure.

Man mag darüber streiten, ob Primarius Pierre Colombet stellenweise etwas zu direkt herausstach, aber: Am Ende thronte stets ein Spiel aus einem Guss.

Das galt vor allem für die langsamen Sätze. Sie wurden durchwegs stimmungsvolle Großereignisse. Bereits im Adagio ma non troppo aus op. 18 Nr. 6 gingen die vier Musiker ganz auf Risiko, reduzierten die Dynamik bis ins fragilste, vibratolos gehauchte Piano.

Neue Kraft

Von dieser kühnen Differenziertheit und Reduktion profitierte schließlich der Finalsatz „La Malinconia“. Hier wurde deutlich, wie sehr Beethoven scharfe Kontraste abrupt aneinanderreiht, um tatsächlich Stimmungsschwankungen einzufangen: ganz im Zeichen der barocken Affektenlehre.

Gleichzeitig offenbarte die Interpretation, wie sehr in diesem frühen Quartett bereits der späte Beethoven von op. 132 von 1825 schlummert. Jedenfalls war diese „Malincolia“ nicht weit entfernt von dem „Heiligen Dankgesang eines Genesenden“, in dem sich stets eine „Neue Kraft“ mischt.

Kritik an der Informationspolitik

Ob es mit dem Beethoven-Zyklus der Ébènes am 25. März weitergeht? In seiner Ansprache nannte Schessl die städtische und staatliche Informationspolitik „spärlich“ und „sehr schwierig“. „Wir bekommen stündlich andere und neue Meldungen“, weshalb bislang nur extrem kurzfristig klar sei, ob Konzerte stattfinden könnten oder nicht. Ein planmäßiges Vorgehen sieht anders aus.

Münchenmusik informiert auf seiner Homepage www.muenchenmusik.de über Absagen und Verschiebungen von Konzerten

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