Christof Nel über „Carmen Assassinée“ nach Bizet im Prinzregententheater

Fatale Liebe: Die Theaterakademie zeigt ein Projekt von Christof Nel nach Bizets Oper „Carmen“ im Prinzregententheater
| Robert Braunmüller
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Die Studierenden des Masterstudiengangs Gesang spielen "Carmen".
Thomas Dashuber Die Studierenden des Masterstudiengangs Gesang spielen "Carmen".

Eine Gruppe von jungen Sängerinnen und Sängern begibt sich auf eine Expedition in Georges Bizets Oper „Carmen“ und Prosper Mérimées gleichnamige Novelle. Im Musiktheaterprojekt „Carmen Assassinée“ nehmen sie das Publikum im Prinzregententheater mit in eine Welt voller Sehnsucht, Fremdheit, Leidenschaft und Gewalt. Christof Nel ist der Regisseur dieser Aufführung der Theaterakademie.

AZ: Herr Nel, warum beziehen Sie die Vorlage der Oper in die Aufführung mit ein?

CHRISTOF NEL: Ich finde die Spannung interessant. Wenn man sich damit beschäftigt, erfährt man viel darüber, wie der Textdichter einer Oper mit einem Stoff umgeht, wie er ihn glättet und in eine kohärente Erzählung übersetzt. Daher ist die Novelle in unserer Aufführung gegenwärtig.

Wie passiert das?

Wir zeigen, wie junge Sänger auf diesen Text treffen. Sie beschäftigen sich mit dem Frauenbild und fragen sich, warum Don José von Anfang an als Mörder bezeichnet wird. Sie lesen diese Texte, und daraus entsteht eine Spannung zur komponierten Musik. Dabei ist die ursprüngliche Form der Opéra comique wichtig, in der Sprache und Musik einander abwechseln.

Wir sitzen hier auf der Probebühne vor Packpapierwänden. Warum muss man dieser Oper das Andalusische austreiben?

Die Bilder zum „Carmen“-Stoff sind extrem besetzt: mit Kastagnetten und Flamenco-Tanzkleidern. Der Bühnenbildner Thomas Goerges hat am Beginn unserer Arbeit einmal Cover von Aufnahmen der Oper zusammengestellt: Überall war das Gleiche drauf. Das verstellt eher den Blick auf den Stoff.

In der Novelle ist Carmen verheiratet, und Escamillo kommt nicht vor.

Auch Micaela haben Bizets Librettisten Henri Meilhac und Ludovic Halévy hinzuerfunden. Wir haben überlegt, sie herauszunehmen, uns aber dann doch dagegen entschieden. Erstens, weil es eine Studierende gibt, die die Rolle singen kann und will. Und zweitens, weil Carmen ungefährlicher wird, wenn man sie ohne den Hintergrund einer davor erklungenen Sopranstimme hört.

Ist Carmen eine Femme fatale?

Sie sagt: Wenn du mich liebst, wirst Du am Galgen enden. Eine Verbindung endet mit ihr tödlich. Das ist fatal im wörtlichen Sinn. Aber es meint nicht etwas schlüpfrig gesellschaftlich Angepasstes. Ich finde es schön, dass wir Carmen und Don José sehr jung besetzen können. Da hat der gerade Weg in den Tod eine ganz andere Dimension.

Ich sehe hier auf der Probebühne Lautsprecher und Boxen. Wofür sind die da?

Um die Welt des Gesprochenen mit gleicher Kraft dem Komponierten entgegenzusetzen. Hier fehlt noch das kleine Buch mit der Novelle, aus dem gelesen wird.

Was haben Sie gestrichen?

Die Chöre und die nachkomponierten Rezitative. Am Anfang gibt es einen größeren Strich, außerdem fehlen zwei Zwischenspiele. Aber es gab einen klaren Arbeitsauftrag: Die Musik der Hauptrollen muss vollständig sein, damit die Studierenden im Master-Studiengang sagen können, dass sie die Partien gesungen haben.

Und der Dirigent war damit einverstanden?

Karsten Januschke interessiert der besondere Tonfall der Opéra comique. Man kann den Figuren nicht trauen. Bizets Musik wechselt hart zwischen Ernst und einem Tonfall, der einem die Zunge herausstreckt.

Premiere am Donnerstag, 19.30 Uhr im Prinzregententheater. Auch am 20., 24. und 28.2., Karten unter Telefon 21 85 19 70

 

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