Carolin Hartmann und Jonathan Müller über "Indien"

Simon Solberg inszeniert am Volkstheater den österreichischen Klassiker „Indien“ mit Carolin Hartmann und Jonathan Müller
| Mathias Hejny
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Carolin Hartmann und Jonathan Müller in "Indien".
Arno Declair Carolin Hartmann und Jonathan Müller in "Indien".

Alfred Dorfer und Josef Hader schrieben „Indien“ zunächst als Kabarettprogramm für zwei und entwickelten es nicht als Nummernrevue, sondern, wie es in Österreich Tradition hat, erzählten sie eine durchgehende tragikomische Geschichte. Sie spielt nicht in Zentralasien, sondern in Niederösterreich, wo Heinz Bösel (Hader) und Kurt Fellner (Dorfer) als Wirtshaus-Kontrolleure unterwegs sind. 1993 wurde aus dem Stoff einer der erfolgreichsten Austro-Filme aller Zeiten.

Für Theaterschauspieler ist der Dialog noch immer eine starke Vorlage. Heute Abend ist Premiere im Volkstheater. Carolin Hartmann und Jonathan Müller erzählten der AZ, was sie in „Indien“ unter der Regie von Simon Solberg alles ganz anders machen werden.

AZ: Frau Hartmann, Herr Müller, es kann sein, dass die Premiere am Freitag wetterbedingt nicht, wie geplant, im Garten stattfinden kann. Wie verändert es eine Inszenierung, wenn sie innen oder draußen gespielt wird?Carolin Hartmann: Extrem. Es betrifft viele äußere Umstände: Lautstärke, Straßengeräusche oder Gäste.

Jonathan Müller: Leute, die von draußen mal kurz reingucken.

Hartmann: Oder Paketlieferanten. Manchmal ist hier richtig Trubel. Den geschützten Bühnenraum gibt es draußen natürlich nicht. Dadurch, dass einem draußen das Publikum so nahe ist, wird es zu Mitmach-Theater. Das muss man dann benutzen und mit zum Thema machen, was man drinnen dann wieder nicht muss. Das Stück wird ein anderes, auch, wenn es natürlich das gleiche Stück ist.

Ob abends zur Vorstellung oder beim Besuch tagsüber scheint am Volkstheater ein trotziger Optimismus bei erstaunlich viel guter Laune zu herrschen. Stimmt dieser Eindruck?
Müller: Das finde ich auch. Ich glaube, dass die Entscheidung, im Sommer aufzumachen, einen Ruck ergibt. Wir haben keine Angst, dass wir wieder schließen müssen. Das ist ja auch unser Spielzeitmotto: „Wir sind positiv“.

Die drei ersten der Sommer-Premieren hatten im weiteren Sinne mit Folgen der Corona-Krise zu tun. Wie passt „Indien“ da hinein?
Müller: Ich glaube, wir sind die, die am besten dazu passen.

Hartmann: Wir hauen richtig auf die Kacke!

Müller: Der Regisseur hat das Stück komplett daraufhin umgearbeitet, dass wir keine Restaurant-Tester mehr sind, sondern Lebensmittelkontrolleure, beziehungsweise Kontrolleure jeglicher Art, die durch jede Branche gehen.

Hartmann: Simon Solberg hat einen guten Weg gefunden, nicht nur in der Gastronomie zu prüfen, ob die Tische 1,50 Meter auseinanderstehen, sondern wir wollen wissen, wie es eigentlich im Atomkraftwerk aussieht oder mit der Umweltverschmutzung im Meer, bei der Polizei oder im Militär. Es werden Themen kontrolliert, die ein bisschen in Vergessenheit geraten sind.

Müller: Es gibt diesen Satz, der über allem schwebt: „Corona ist wie ein Brennglas“. Auf einmal sind Themen präsent wie die fleischverarbeitende Industrie oder Kreuzfahrtschiffe. Da gehen wir jetzt einmal durch.

In 90 Minuten?
Hartmann: Es ist ein sportliches Programm.

Hader und Dorfer beschreiben in „Indien“ eine Männerfreundschaft. Bösel und Fellner führen Gespräche, die eine Frau und ein Mann niemals führen würden.
Hartmann: Man sagt immer, eine wirkliche Freundschaft zwischen Mann und Frau könnte es nicht geben, weil immer der sexuelle Aspekt dazwischen stehe. Aber mein bester Freund und ich können über alles reden. Wir kennen uns seit 15 Jahren und haben den gleichen derben Humor.

Müller: Ich habe keine solchen Freundschaften. Ich glaube, das ist etwas Besonderes.

Aus dem Kurt ist bei Ihnen die Sabine Fellner geworden. Was für eine ist die?
Hartmann: Sabine Fellner ist ein lebendiges Lexikon. Sie weiß alles. Man könnte sie im ersten Teil unterschätzen, weil sie eine Anfängerin ist, aber sie findet schnell ihren Platz. Sie ist ein positiver Mensch, hat aber auch viele große Probleme, die sie mit ihrer Fröhlichkeit unterdrückt.

Wie kommt der recht bildungsferne und spießige Heinz Bösel mit einem Gscheithaferl zurecht, das außerdem noch eine Frau ist?
Müller: Erstmal gar nicht. Daran arbeiten wir gerade – ich finde sie zuerst richtig doof. Sie weiß alles, redet zu viel und ist viel klüger als ich. Sie interessiert sich für andere Dinge und ist an einem anderen Punkt in ihrem Leben. Es kommt dann erst der Punkt, an dem es sich wendet.

Frau Fellner glaubt – worauf der Stücktitel anspielt – an die Wiedergeburt. Sind Sie persönlich empfänglich für diese Spiritualität?
Hartmann: Ich bin evangelisch und glaube an etwas. Ich weiß nicht, ob es Gott ist oder nur ein Titel. Aber Sabine sagt: „Ich bin Materie und Materie löst sich nicht in Nichts auf“. Ich glaub an so etwas – an irgendetwas. Aber ich werde die erste sein, die in spätestens 30 Jahren eine Therapie macht, weil ich so unfassbare Angst vor dem Sterben habe. Schon wenn ich in einer Dokumentation höre, dass die Sonne in Abermillionen von Jahren die Erde verbrennen wird, bekomme ich Beklemmungen, obwohl ich dann schon lange nicht mehr da sein werde.

Müller: Ich glaube überhaupt nicht an die Wiedergeburt. Ich bin katholisch erzogen worden und das war nie ein Thema. Aber ich finde, dass das ein sehr spannender Gedanke ist und auch ein schönes Modell, dass es immer weiter geht. Es dreht sich immer weiter, es hört nie auf und man solle die Fliege auf dem Tisch nicht erschlagen, weil sie dein Vater sein könnte.     

Münchner Volkstheater, Premiere am heutigen Freitag. Auch am Sa. und So, sowie am 20., 30. August, 20.30 Uhr, 9., 13. September, 20 Uhr, Telefon 5234655

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