Bodenturnen im Wald

Tanzproduktionen von David Brandstätter und Sabine Glenz im Muffatwerk
| Gabriella Lorenz
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Und ewig steht das Männlein im Wald – aber meistens bewegt es sich in Sabine Glanz’ Produktion am Boden.
Manuela Hartel Und ewig steht das Männlein im Wald – aber meistens bewegt es sich in Sabine Glanz’ Produktion am Boden.

Tanzproduktionen von David Brandstätter und Sabine Glenz im Muffatwerk

Das, was man sich so unter Tanz vorstellt, findet man in zeitgenössischen Tanzproduktionen nur noch selten. Das Medium streckt seine Fühler aus in Richtung Performance, Diskurs und Videokunst. Exemplarisch sind die beiden jüngsten <NO1>Münchner<NO>Uraufführungen im Muffatwerk. Zwei Soli, die einen recht ratlos lassen, was die Choreografen David Brandstätter (Gast aus Berlin) und Sabine Glenz (Münchner Lokalmatadorin) über ihre plakativen Titel-Ideen hinaus vermitteln wollen.

Thematisch ist das bei David Brandstätters „Freiheit!“ klar. Unklar ist nur, wie sich Freiheit definiert. Brandstätter nimmt sich die Freiheit, Tanz zu verweigern. Dafür berichtet er verbal von Kindheits- und Jugenderlebnissen, seinem Werdegang vom Jongleur zum Tänzer. Was ihn persönlich umtreibt, untermauert er mit Zitaten von Slavoj Zizek und anderen Philosophen oder klugen Freunden.

Alles wird aus dem Off gleichermaßen langweilig geraunt ohne jede Dynamik. Szenisch sucht Brandstätter in dem noch erkennbar unfertigen Solo den Dialog mit den Zuschauern, drückt einem seine präparierte E-Gitarre in die Hand, um zu dessen Zufallsklängen zu improvisieren. Der fragile Boden, auf dem er sich bewegt, sind 49 Keramiktassen, die er anfangs ordentlich in Reih und Glied aufstellt. Er geht, rutscht, balanciert auf ihnen, um am Ende die strenge grafische Struktur zu zerstören. Ist das Freiheit? Man kann zumindest darüber nachdenken.

Sabine Glenz hingegen drückt einem mit „Very Natural Adaption“ ihre Sicht auf das Verhältnis von Mensch und Natur so überdeutlich aufs Auge, dass sich keine Fragen mehr stellen. Ein Video-Film (Manuela Hartel) beamt einen Wald, später eine Wiese auf diverse Leinwandstreifen. Davor müht sich der Tänzer Markus Kunas, mit meist bodenturnerischen Übungen klarzumachen, dass der Mensch sich nicht mehr natürlich verhalten kann, sondern nur noch in abgezirkelten Kunstformen.

Das ist sehr genau gearbeitet und in stillen Szenen hochkonzentriert. Aber auch ziemlich schnell kapiert. Dennoch wiederholt es sich eine Stunde lang. Schließlich läuft der Performer noch durchs Bild, und in Video-Exzessen bäumt sich die Natur auf. Wenigstens schreit sie nicht verbal, sondern nur im Getrommel des sonst zarten Soundtracks von Robert Merdzo.

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