Bewährtes zum Jahreswechsel: „Magic!“ im Prinzregententheater
Die Zauberkunst ist ein wenig konservativ. Der Künstler ist fast immer ein Mann, und der zentrale Trick der Bühnenmagie ist die zersägte und zum Verschwinden gebrachte Frau, vorzugsweise langbeinig und im Trikot. Irgendwann im Verlauf der Vorstellung verspürt der aufgeklärte Zuschauer das Bedürfnis, dazu einmal einen Psychoanalytiker zu befragen.
Die sind alle im Winterurlaub oder feiertagsbedingt unerreichbar, und so beschränken wir uns auf künstlerische Würdigung der Show „Magic!“ Im Prinzregententheater. Die taucht dort - und das passt bestens zum rituellen Charakter der vorgeführten Tricks - regelmäßig zum Jahreswechsel auf. Und das hat sie mit Johann Strauß oder Händels „Feuerwerksmusik“ gemeinsam, auf die am Silvesterabend bereits der nächste Schwung Besucher wartet, während das Publikum der Show das diesen Tag in engem Takt bespielte Theater durch den Seiteneingang verlässt.
Allerdings ist der Trick mit den verschwindenden Damen so raffiniert, dass man ihn auch zum gefühlt zwanzigsten Mal verblüfft anschaut. Der Niederländer Alfredo Lorenzo versteht sich außerdem auf die Kunst der Steigerung und Abwechslung: Am Ende wird er selbst zersägt. Und ganz zuletzt verschwinden Damen in einer Anzahl in einer Art Telefonzelle, die noch einmal überrascht.

Im Unterschied zu anderen Zaubershows dieser Stadt hat „Magic!“ zwei Vorzüge: Weil die Künstlerinnen und Künstler international sind, reden sie nicht pathetisch. Und der leichtfüßige Abend nimmt sich auch nicht völlig ernst: Ramó und Alegria (Spanien) haben die traditionelle Rollenverteilung zwischen dem Magier und der Assistentin aufgehoben: Sie kombinieren Magie mit Clownerie und einem Hauch von Geschlechterkampf.
Diversity mit zersägten Damen
Witzig ist auch die James-Bond-Parodie des Franzosen Tom Wouda, der erst seine Smokingärmel leerzaubert und Pistolen nicht weniger verblüffend zum Verschwinden bringt wie Sektgläser. Im zweiten Teil kämpft er mit einem magischen Klavier. Für Abwechslung sorgen außerdem Les Chapeaux Blancs mit Schwarzlichttheater und die Schweizerin Lara Jacobs Rigolo mit einer ruhigen Balancenummer, in der sie aus 13 Palmblatt-Rispen ein riesiges Mobile zusammenbaut und zum Einsturz bringt.

Da nerven ein wenig die eingespielten Atemgeräusche über der meditativ-ruhigen Musik. Traditionelles Herz der Show sind die Auftritte des Komikers Ed Alonzo, der für seine Tricks zweimal Kinder aus dem Publikum auf die Bühne des Theaters bittet. Auch das sorgt für unterhaltsame Diversity zwischen den vielen zersägten Damen. Und es betont die Familentauglichkeit der begeistert akklamierten Show, die am Premierenabend auch von vielen Kindern und Jugendlichen besucht wurde, ohne sie zu langweilen.

Hübsche Videos von Domenico Toma würzen die Show und setzen einen lokalpatriotischen Schlussakkord. Wer sich ein wenig mit der Zauberkunst auskennt, wird zwar nicht viel Neues sehen. Aber zum Jahreswechsel ist nun mal Bewährtes angesagt. Als Einstieg eignet sich „Magic!“ perfekt. Und weil es viel Pyrotechnik gibt, ist das Silvesterfeuerwerk einschließlich seines Geruchs zusätzlich im Preis inbegriffen.
Wieder am 2. Januar sowie am Samstag und Sonntag um 15.30 und 19.30 Uhr im Prinzregententheater, Karten unter munchenmusik.de und 93 60 93
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