Becker, Michelsen, Loibl, Zehrfeld und Striesow: Stardichte in München für „Die Unmöglichen“

In München kommen sie für etwas Besonderes zusammen: Devid Striesow, Meret Becker, Claudia Michelsen, Ronald Zehrfeld, Matthias Koeberlin und Thomas Loibl setzen mit „Die Unmöglichen“ ein tragikomisches Stück in Szene.
Ein Ehepaar will in einer Privatklinik per In-vitro-Fertilisation ein Kind zeugen. Drei Embryonen entstehen, aber nur einer kann eingepflanzt werden. In einer Parallelmontage werden die drei möglichen Leben der Embryonen - Amelie, Max und Fabian - erzählt: Was macht ein Leben glücklich? Ist die DNA der alles bestimmende Bauplan? Welches der drei Leben wäre das gelungenste?
Zu hören sind drei Möglichkeiten, die Eltern werden sich für eine entscheiden. Nicht zum Zug kommen zwei „Unmögliche“. Devid Striesow führt dabei das Publikum in er Isarphilharmonie durch die dramatische Lesung, er ist Erzähler und hat noch einige Nebenrollen.

AZ: Herr Striesow, Sie machen unheimlich viel. Was in Ihrer Persönlichkeit hält das alles zusammen?
DEVID STRIESOW: Die Freude. Es ist doch toll, zu sehen, wenn sowas wie „Sternstunde der Mörder“ gut läuft. Oder „Eat Pray Bark - Therapie auf vier Pfoten“: Dafür hatten wir uns in der großartigen Schauspielerkonstellation in den Bergen verschanzt. Die daraus entstandenen Freundschaften halten alle bis heute. Dann wird einem wieder bewusst, ein wie großes Spektrum ich als Schauspieler aufmachen darf. Und wenn man viel spielt, kommt man auch gar nicht dazu, sich von den einzelnen Rollen so gefangen nehmen zu lassen, dass man verrückt wird. Dabei hilft auch der Genrewechsel zwischen Film, Bühne, Hörbuch…

Und was ist „Die Unmöglichen“ für eine Form?
Es ist ein Hörspiel, das wir live aufführen und dabei auch spielen. Wir stehen also nicht mit einem Text in der Hand da und sprechen ins Mikro. Theatralik ist immer auch optisch. Und weil wir und das Publikum auch in großen Hallen dabei richtig Spaß haben, kommen wir jetzt auch nach München. Als Schauspieler merkt man dann: Wahnsinn, da ist wirklich ein Funke übergesprungen.
Was zieht die Leute daran so an?
Live dabei zu sein, wenn wir alle auf der Bühne performen - also zum Beispiel, wenn Claudia Michelsen auf der Bühne drei Kinder gebiert….

Aber die Geschichte ist doch, dass nur ein Kind auf die Welt kommen kann, nach der künstlichen Befruchtung, bei der drei Embryonen entstanden sind.
Genau, der Abend endet mit der Entscheidung, welche Eizelle eingepflanzt wird, aber zuvor wurden die Lebenswege der drei theoretisch möglichen Kinder durchgespielt - mit der Spielerei, was denen zustoßen könnte, warum sie so, bei den gleichen Eltern, so verschieden sind. Ein Kind spielt Klavier, ein anderes eher mit Autos. Es ist eine Reflexion über das Leben, Möglichkeiten, Talente, Lebenswege - bis ins Erwachsenenalter. Das wird ernsthaft durchgespielt, auch wenn vieles natürlich auch Komik hat, bis man wieder beim Ehepaar in der freudigen Erwartung ist. Und da ist auch die Frage im Spiel, welchen Einfluss Kinder auf ihre Eltern haben - gespielt von Thomas Loibl und Claudia Michelsen.
„Die Unmöglichen“ war ja ein Hörspiel, das durch die große Zuhörerreaktion auf die Bühne kam. Welche Philosophie steckt hinter dem Stück?
Die spielerische Neugier, was von einem neuen Leben zu erwarten ist, wovon es bestimmt wird, wer darauf wie Einfluss hat. Es steckt alles drin, was uns so umtreibt, verschlankt auf 80 Minuten - und diese Tiefe, Kompaktheit und Tempo sorgen für den Erfolg dieses Projekts - von den ersten Pointen an.

Heute ist ja die Frage, inwieweit man in das Erbgut eingreifen kann, um ein „Wunschkind“ zu erzeugen.
„Die Unmöglichen“ haben aber gar nichts mit Eugenetik zu tun, sondern sind ein Gedankenspiel über: Was wäre wenn… und das ist mitreißend. Das Ganze ist ein Siegeszug von Wien bis Hamburg. Und jetzt ist München dran.
Sie selber haben ja viele Kinder. Haben Sie sich da jeweils im Vorfeld viele Gedanken gemacht, wie was werden könnte?
Nein, mein Lebenslauf war nicht vorhersehbar. Ich bin einer, der nicht plant, und das galt auch für meine Kinder. Ich habe mich da immer überraschen lassen - und bin überrascht, wie unterschiedlich die eigenen Nachkommen sein können.
Wird das verfilmt?
Die Autoren Paul Plamper und Julian Kamphausen brachten 2018 den als Hörspiel konzipierten Text in Hannover auf die Bühne. Szenisch bearbeitet von Simone Henke war dies als einmalige Lesung gedacht. Der unerwartete, überwältigende Erfolg führte zu den vielen Gastspielen. Jetzt böte sich natürlich eine Verfilmung an. Wenn’s passiert, hoffe ich natürlich, dass ich dabei bin.
Isarphilharmonie, „Die Unmöglichen“, Freitag, 15. Mai, 20 Uhr, 48 - 84 Euro, muenchenticket.de