"Liebe auf den ersten Blick": Bayerische Staatsoper holt Wunschkandidaten

Markus Blume und Serge Dorny stellen im Nationaltheater den künftigen Generalmusikdirektor vor. Er ist der Wunschkandidat des Bayerischen Staatsorchesters.
Robert Braunmüller
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Als der Tscheche vor einem Jahr bei den Opernfestspielen Janáčeks "Katja Kabanova“ übernahm, wäre die Begeisterung einhellig gewesen, berichten Hausangehörige, die es wissen müssen. Nicht nur im Orchester, auch bei Bühnentechnikern sei der Wunsch erwacht, Petr Popelka möge bald und möglichst oft ans Nationaltheater zurückkehren. Ein Akademiekonzert verstärkte diesen Wunsch, der nun in Erfüllung geht: Der 1986 in Prag geborene Dirigent, Kontrabassist und Komponist ist der designierte Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper. Er wird im Herbst 2029 auf Vladimir Jurowski folgen, der seinen Vertrag auslaufen lässt.

Das Bayerische Staatsorchester wurde zwar - wie zuvor unter dem zu den Berliner Philharmonikern gewechselten Kirill Petrenko - in einer Kritikerumfrage wiederholt und in Folge zum "Orchester des Jahres“ gewählt. Aber irgendwie wirkte der wenig präsente Jurowski nie in München angekommen. Und die Entfremdung zwischen ihm und dem Staatsorchester scheint zuletzt unüberwindlich geworden.

Popelka sei der "absolute Wunschkandidat“ der Musikerinnen und Musiker gewesen, berichtete Kunstminister Markus Blume bei der Pressekonferenz anlässlich der Vertragsunterzeichnung im Königssaal des Nationaltheaters. Beim unmittelbar vorangegangenen Termin mit dem Orchester habe es "Beifallsstürme“ gegeben.

Sogar der Vorgänger ist begeistert

Es sei eine "Liebe auf den ersten Blick“. Auch der Intendant Serge Dorny betonte, Popelka sei der ideale Kandidat, weil er Tradition und Innovation vereine. Und es wirkt fast kitschig, wenn Insider berichten, dass selbst Jurowski auf die Entscheidung für Popelka zustimmend reagiert haben soll, weil er seinen Nachfolger für einen der besten jüngeren Kollegen hält.

Der künftige und der gegenwärtige Generalmusikdirektor in Eintracht beisammen: Vladmir Jurowski (2. von re.) mit Petr Popelka (2. von li.) mit Serge Dorny (li.) und Kunstminister Markus Blume (re.).
Der künftige und der gegenwärtige Generalmusikdirektor in Eintracht beisammen: Vladmir Jurowski (2. von re.) mit Petr Popelka (2. von li.) mit Serge Dorny (li.) und Kunstminister Markus Blume (re.). © Axel König/StfWK

Popelka hat keine typische Opernkarriere hinter sich, die typischerweise als Klavierbegleiter bei Proben und dem Einstudieren von Partien mit Sängern beginnt. Er studierte Kontrabass in Prag und Freiburg. Im Alter von 19 Jahren wurde er Mitglied des Prager Rundfunk-Sinfonieorchesters, von 2010 an war er ein Jahrzehnt lang Solo-Kontrabassist der Staatskapelle Dresden.

Erst seit gut zehn Jahren widmet sich der 40-Jährige vermehrt dem Dirigieren, und das als Senkrechtstarter. 2023 wurde er zum Chefdirigenten der Wiener Symphoniker ab der Saison 2024/25 ernannt. Er ist überall ein gefragter Gast und hat auch schon die recht wählerischen Berliner Philharmoniker dirigiert.

Mit den Sängern atmen gelernt

Einwände hinsichtlich seiner mangelnden Opernerfahrung erwidert Popelka mit seiner Arbeit als Kontrabassist der Staatskapelle in der Dresdner Semperoper. Er habe auf diese Weise mit den Sängern in vielen Vorstellungen atmen gelernt. "Oper ist eine Gemeinschaftsleistung, wie sie in kaum einem anderen Beruf existiert“, zitiert die Pressemitteilung des Kunstministeriums den Dirigenten. In der Pressekonferenz betonte er die Wechselwirkungen zwischen Konzerten und Opernaufführungen. Er wolle das symphonische Profil des Orchesters stärken, aber auch Ballette dirigieren.

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Die Bayerische Staatsoper kennt Popelka seit seiner Zeit als Akademist des BR-Symphonieorchesters ab 2009. Damals besuchte er viele Vorstellungen. Auch später sei er oft ins Nationaltheater zurückgekehrt. Konkret nannte er eine Aufführung von Bernd Alois Zimmermanns "Die Soldaten“ unter Kirill Petrenko, die ihn stark beeindruckt habe.

Serge Dorny, Petr Popelka und Markus Blume bei der Vertragsunterzeichnung.
Serge Dorny, Petr Popelka und Markus Blume bei der Vertragsunterzeichnung. © Geoffroy Schied

Popelka dirigiert bei den Münchner Opernfestspielen im Juli mehrere Vorstellungen von "Rusalka“. Eine gewisse Präsenz bis 2029 scheint zwar geplant zu sein, blieb aber offen. Der Intendant Serge Dorny berichtete, in der Saison 2029/30 sei die Neuproduktion eines Hauptwerks von Richard Strauss und eine weitere Premiere vorgesehen, dazu Repertoirevorstellungen von "Tosca“ und einer Mozart-Oper. Auch ein neuer "Freischütz“ sei mittelfristig in Planung.

Hoffentlich kein Strohfeuer

Der Vertrag wurde vorerst für fünf Jahre geschlossen. Vorgesehen sind 40 Operntermine des Generalmusikdirektors, dazu Konzerte mit dem Bayerischen Staatsorchester. Den Vertrag bei den Wiener Symphonikern wolle er auslaufen lassen, er bleibe aber mit dem Orchester weiter verbunden, so Popelka.

Die Amtszeit des künftigen Generalmusikdirektors berührt nach gegenwärtiger Planung die anstehende Sanierung des Nationaltheaters, zu der momentan eine Machbarkeitsstudie erstellt werde, so Blume. Neben der "Liebe auf den ersten Blick“ des Staatsorchesters scheint Popelka auch einen Willen zur Innovation und ungewöhnlichen Formaten mitzubringen, der für diese schwierige Phase der Bayerischen Staatsoper im nächsten Jahrzehnt wichtig werden könnte.

Vladimir Jurowski und das Bayerische Staatsorchester bei einem Gastspiel in Antwerpen.
Vladimir Jurowski und das Bayerische Staatsorchester bei einem Gastspiel in Antwerpen. © Geoffroy Schied

Begeisterung über Popelka ist auch aus den Münchner Philharmonikern zu vernehmen, wo der Dirigent im Juli wieder am Pult steht. Für Dirigenten entflammte Orchester hat es in München schon öfter gegeben. Lodernde Strohfeuer sind in diesem Bereich allerdings keine Seltenheit. Denn es ist bekanntlich schwierig, Leidenschaften in einen von gegenseitigem Respekt geprägten Alltag zu überführen. Und was schon bei zwei Menschen nur gelingt, ist mit 120 Beteiligten nicht einfacher.

Popelka dirigiert am 3. und 4. Juli die Philharmoniker in der Isarphilharmonie und am 23. und 25. Juli "Rusalka“ im Nationaltheater, Karten vorhanden

 

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