Anna Konjetzkys „Lockdown-Sketches“ und Katja Wachters „Our Daily Post

Neustart der freien Tanzszene mit Anna Konjetzkys „Lockdown-Sketches“ und Katja Wachters „Our Daily Post
| Vesna Mlakar
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Eine Szene aus Katja Wachters „Our Daily Post“.
Franz Kimmel Eine Szene aus Katja Wachters „Our Daily Post“.

Es gibt wieder Perspektiven – auch in der freien Tanzszene. Seit Donnerstag steht die blaue Tür zu Anna Konjetzkys Studio „Playground“ auf dem Gelände des Kreativquartiers an der Dachauer Straße fürs Publikum offen. Sperrangelweit. So ist zugleich eine optimale Durchlüftung sichergestellt. Denn auch hier werden alle Hygieneregeln penibel befolgt. Hauptsache, nach 15 Wochen Zwangspause macht sich erneut eine kreativ-enthusiastische Stimmung breit. Und endlich geht es auch wieder an die Öffentlichkeit.

Mit „Lockdown-Sketches“ liegt die Choreografin direkt am Puls der Zeit: ein bis in kleinste Details raffiniert abgestimmtes Doppelspiel – aus absolut sehenswerten, weil treffend-ehrlichen Corona-Tagebuch-Zeichnungen Sahra Hubys und aus Miniaturen, die in leere Soundabwesenheit hinein getanzt werden.

Gemeinsam mit ihren sich im 20-Minuten-Takt ablösenden Tänzerinnen – Quindell Orton und Sahra Huby selbst – schafft Konjetzky eine sinnlich aufgeladene, humorvoll relaxte Atmosphäre. Schnell entsteht dadurch eine immense Lust zu verweilen sowie zum lang vermissten Austausch zwischen spontanen Eindrücken und Vergleichen mit eigenen Erfahrungen.

Dazu passt das Konzept der künstlerischen Zwei-Stunden-Live-Dauerschleife – bei freiem Eintritt, mit viel Außenplatz und dazugehörigem Alltagslärm. Zu den Time-Slots kann man einfach kommen und innen – jeweils zu acht – die luftig vor Fenstern und Wänden schwebenden Bilder betrachten. Dem choreografischen Teil wird im Flaniermodus durch ein Fenster zugeschaut. Das sorgt zusätzlich für hübsche, ungewöhnliche Impressionen.

Hoffnung auf Ausfallhonorar

Unbedingt vorplanen via Reservierung sollte man dagegen die Teilnahme an Katja Wachters Premierenserie „Our Daily Post“ an vier aufeinanderfolgenden Abenden im benachbarten Schwere Reiter. Auch Wachter meldet sich als eine der Ersten aus der verordneten Zwangsstille zurück – in unterschiedlichen Besetzungsteams und mit starken wie lautstarken Dialogmomenten mehrerer Performer und Musiker.

Jeweils nur 32 Zuschauer erhalten die Gelegenheit, sich der Reizfülle aus kurzen Videoclips, Text, Schauspielerei und Tanz hinzuzugesellen. Eine Performance von (selbst-)reflektivem Charakter. Inhaltlich knüpft man dadurch an Vor-Corona an: Das Abstandsgebot wird zwar eingehalten, bleibt sonst aber ästhetisch ausgeklammert. Und das zugunsten einer Verbindung von Social Media-Material mit Machartüberlegungen und Betrachtungsweisen von Kunst.

Konjetzky hatte im vergangenen September zur Eröffnung ihrer neuen Räumlichkeiten geladen. Dichtgedrängt wurden damals im angrenzenden Küchenzimmer Speis und Trank genossen. Nun lässt sie ebendort auf Zetteln angebrachte Memoranden – für abgesagte Projekte, den eigenen Pyjama und vieles mehr – auf einem Podest in schlichte, gut verständliche Bewegungen umsetzen. Episoden mit Lachpotenzial sind diejenigen, die das „me with me“, Europas Krisenmanagement, Nicht-Aufgeben oder die Hoffnung auf Ausfallhonorar thematisieren.

Alles in allem ist das ein feinsinniger Einstieg, bevor am 4. Juli Konjetzkys „Chipping“ – ein Solo für Sahra Huby mit einer Menge flimmernder Bilder und einem Raum voller fahrender Kuben – wiederaufgeführt wird. Sämtlichst gute Stücke gegen den Hunger nach Tanz!

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