Andreas Wiedermann über "Carmen" im Mixed Munich Arts

Die freie Truppe Opera incognita zeigt diesmal eine ziemlich bekannte Oper: Bizets „Carmen“
| Robert Braunmüller
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Bizets "Carmen" in der Inszenierung von Andreas Wiedermann im ehemaligen Heizkraftwerk an der Katharina-von-Bora-Straße.
Misha Jackl 8 Bizets "Carmen" in der Inszenierung von Andreas Wiedermann im ehemaligen Heizkraftwerk an der Katharina-von-Bora-Straße.
Bizets "Carmen" in der Inszenierung von Andreas Wiedermann im ehemaligen Heizkraftwerk an der Katharina-von-Bora-Straße.
Misha Jackl 8 Bizets "Carmen" in der Inszenierung von Andreas Wiedermann im ehemaligen Heizkraftwerk an der Katharina-von-Bora-Straße.
Bizets "Carmen" in der Inszenierung von Andreas Wiedermann im ehemaligen Heizkraftwerk an der Katharina-von-Bora-Straße.
Misha Jackl 8 Bizets "Carmen" in der Inszenierung von Andreas Wiedermann im ehemaligen Heizkraftwerk an der Katharina-von-Bora-Straße.
Bizets "Carmen" in der Inszenierung von Andreas Wiedermann im ehemaligen Heizkraftwerk an der Katharina-von-Bora-Straße.
Misha Jackl 8 Bizets "Carmen" in der Inszenierung von Andreas Wiedermann im ehemaligen Heizkraftwerk an der Katharina-von-Bora-Straße.
Bizets "Carmen" in der Inszenierung von Andreas Wiedermann im ehemaligen Heizkraftwerk an der Katharina-von-Bora-Straße.
Misha Jackl 8 Bizets "Carmen" in der Inszenierung von Andreas Wiedermann im ehemaligen Heizkraftwerk an der Katharina-von-Bora-Straße.
Bizets "Carmen" in der Inszenierung von Andreas Wiedermann im ehemaligen Heizkraftwerk an der Katharina-von-Bora-Straße.
Misha Jackl 8 Bizets "Carmen" in der Inszenierung von Andreas Wiedermann im ehemaligen Heizkraftwerk an der Katharina-von-Bora-Straße.
Bizets "Carmen" in der Inszenierung von Andreas Wiedermann im ehemaligen Heizkraftwerk an der Katharina-von-Bora-Straße.
Misha Jackl 8 Bizets "Carmen" in der Inszenierung von Andreas Wiedermann im ehemaligen Heizkraftwerk an der Katharina-von-Bora-Straße.
Bizets "Carmen" in der Inszenierung von Andreas Wiedermann im ehemaligen Heizkraftwerk an der Katharina-von-Bora-Straße.
Misha Jackl 8 Bizets "Carmen" in der Inszenierung von Andreas Wiedermann im ehemaligen Heizkraftwerk an der Katharina-von-Bora-Straße.

Ihre Aufführung von Brittens „Turn of the Screw“ im Müllerschen Volksbad ist legendär. Jedes Jahr Anfang September bringen der Regisseur Andreas Wiedermann und der Dirigent Ernst Bartmann mit ihrer freien Truppe „Opera incognita“ ein musikalisches Bühnenwerk an einem ungewöhnlichen Ort in der Stadt heraus. Diesmal gibt es Georges Bizets unverwüstliche „Carmen“ im Mixed Munich Arts, einem ehemaligen Heizkraftwerk im Hof der Katharina-von-Bora-Straße 8a, das eher als Party-Location bekannt ist.

AZ: Herr Wiedermann, Ihre Truppe „Opera incognita“ widmet dem Namen nach den selten gespielten Werken. Von „Carmen“ lässt sich das aber schwerlich behaupten.
ANDREAS WIEDERMANN: Für mich schon. Ich habe „Carmen“ noch nie auf der Bühne gesehen, weil ich als Konsument bekannte Werke meide. Die Oper erstickt unter dem folkloristischen Ballast und den allgegenwärtig dudelnden Wunschkonzert-Melodien.

Die Kritik an der Folklore ist aber ein alter Hut. Warum machen Sie die Oper trotzdem?
Wir möchten „Carmen“ in eine Prekariatsgeschichte zurückverwandeln. Die Zigarettenarbeiterinnen gehören zur Unterschicht. Sie kennen keine Aufstiegsmöglichkeiten. Die Fabrik ist eine Welt, aus der es kein Entrinnen gibt. Deshalb haben wir uns auch für den relativ brutalen Raum des ehemaligen Heizkraftwerks entschieden. Diese entschlackte „Carmen“ scheint mir das Unbekannte in unserem Fall zu sein.

Wer ist denn diese Carmen für Sie?
Eine Frau, die aus prekären Verhältnissen raus will. Keine Opernfigur singt öfter von Freiheit. Bei uns ist die Zigarettenfabrik eine Art Sweatshop mit Näherinnen, also eine Textilfabrik in einem Entwicklungsland, in denen Menschen zu Niedriglöhnen arbeiten. Da können die Frauen auch nicht raus. Die Soldaten sind bei uns die Aufseher: Es ist eine geschlossene Welt.

Und was machen Sie mit den Schmugglern?
Die handeln mit Drogen, ebenfalls in dieser Fabrik. Escamillo ist kein Torero, sondern ein Zulieferer von außen. Alles ist ein geschlossenes ökonomisches System.

„Carmen“ nicht als große Oper, sondern als Opéra comique also. Das verspricht einem aber fast jeder Dirigent vor der Premiere.
Stimmt, das haben gewiss schon andere probiert. Aber schauen Sie nach Bregenz: Da war „Carmen“ zuletzt auch wieder nur ein Touristenevent. Unser musikalischer Leiter Ernst Bartmann hat mir erklärt, wie sehr die Musik durch die Aufführungstradition verlangsamt wurde. Bei uns klingt sie viel gerader und militärischer als sonst.

Die Rückkehr zum – angeblichen – Original war schon immer ein starker Strang der Aufführungsgeschichte von „Carmen“. Spielen Sie die Oper mit gesprochenen Dialogen oder mit Rezitativen?
Mit Rezitativen. Sie sind aber größtenteils neu komponiert und werden auf einer Holzkiste als Schlagzeug begleitet werden. Man muss sich das mehr als Rap vorstellen. Außerdem gibt es in unserer Aufführung eine arabische Klangwelt. Und einen Kaddish. Das mischt sich erstaunlich gut mit der Musik von Bizet.

Dann passt es, dass auch Flüchtlinge mitwirken.
Allerdings nicht als Flüchtlinge oder Migranten, sondern als normale Darsteller. Sie spielen Aufseher und Näherinnen. Für mich ist die Fabrik eine Art Arche der Gestrandeten, in der verschiedenste Nationalitäten zusammenfinden.

Gibt’s derzeit eigentlich irgendwo noch Theater ohne das Thema Migration?
Nicht einmal in München ist die Welt noch rein bayrisch. Cornelia Lanz, die den Verein „Zuflucht Kultur“ gegründet hat, singt die Carmen. Der Verein hat sich der interkulturellen Arbeit mit Asylsuchenden und geflüchteten Künstlern verschrieben.

Wie stark haben Sie die Oper bearbeitet?
Die Orchesterbesetzung ist wie immer reduziert. Wir fangen mit dem vierten Akt an und erzählen die Oper als Chronik eines angekündigten Mordes. Einerseits, um als Rückblende zu erzählen, anderseits um die Vorhersehbarkeit bei diesem bekannten Werk zu vermeiden. Wenn der erste Akt am Schluss gespielt wird, bekommt er eine ganz andere Brennweite.

Wie finanzieren Sie als freie Truppe die Aufführung?
Wir müssen 70 Prozent der Kosten durch den Kartenverkauf einspielen. Der Rest kommt von der Stadtsparkasse und dem Bezirk Oberbayern. Wir haben auch einen Förderverein und Freundeskreis, der notfalls Verluste auffangen könnte. In den letzten Jahren ging unsere Kalkulation auf. Aber wir müssen schon jeden Euro umdrehen.

Wie finden Sie Ihre Sänger?
Anton Klotzner (Don José) und Torsten Petsch (Escamillo) sind schon lange bei uns dabei. Wir haben ein Casting veranstaltet. Wenn man „Carmen“ spielt, bewerben sich viele Sänger. Und viel läuft auch über Mundpropaganda.

Mixed Munich Arts, Katharina-von-Bora-Straße 8a. Premiere heute, Samstag, 19.30 Uhr. Weitere Vorstellungen am 6., 8., 9., 10., 13., 15. und 16. September, 19.30 Uhr. Karten bei München-Ticket unter Telefon 54 81 81 81 und den bekannten Vorverkaufsstellen

 

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