Andreas Dresen über die Oper "Arabella" von Richard Strauss

Feiern, bis die Krise kommt: Andreas Dresen inszeniert die Oper „Arabella“ von Richard Strauss
| Britta Schultejans
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Anja Harteros und Hanna-Elisabeth Müller (Zdenka) in "Arabella"
Wilfried Hösl 4 Anja Harteros und Hanna-Elisabeth Müller (Zdenka) in "Arabella"
Anja Harteros als Arabella.
Wilfried Hösl 4 Anja Harteros als Arabella.
Doris Soffel (Adelaide) und Thomas J. Mayer (Mandryka).
Wilfried Hösl) 4 Doris Soffel (Adelaide) und Thomas J. Mayer (Mandryka).
Regisseur Andreas Dresen.
dpa 4 Regisseur Andreas Dresen.

Die Hauptfigur, von ihrer Familie zu einer lukrativen Zweckehe angehalten, beharrt auf der Idee der einen wahren Liebe. Und drumherum geht in „Arabella“ alles den Bach hinunter. Als zweite Premiere der Opernfestspiele bringt die Bayerische Staatsoper heute diese Oper von Richard Strauss heraus. Der Filmregisseur Andreas Dresen inszeniert dieses 1933 in Dresden uraufgeführte Spätwerk im Nationaltheater.

AZ: Herr Dresen, haben Sie Angst vor der Premiere?

ANDREAS DRESEN: Ich mache mich auf einiges gefasst, aber es gehört in der Oper ja inzwischen schon zum guten Ton, dass es da rund geht und eine gewisse Polemik gibt. Im Kino kommt es ja kaum vor, dass mal gebuht wird nach einer Premiere, und im Schauspiel auch ganz selten. Wenn die Leute ihren Emotionen freien Lauf lassen, finde ich das prinzipiell gut. Komisch wird es nur, wenn das auch schon wieder zum Ritual wird und einfach nur dazu gehört.

Wie inszenieren Sie die Oper „Arabella“?

„Arabella“ spielt in Wien um 1860. Wir haben sie in ihre Entstehungszeit, die späten 1920er Jahre, verlegt und halten diese Geschichte für eine sehr existenzielle. Es geht ums Geld, es geht ums Überleben. Schon in der ersten Szene tanzen alle am Abgrund. Und in diesem Strudel sehnt sich eine Frau nach Liebe und Halt – weg aus dieser trostlosen Welt. Wenn man es genau nimmt, wird Arabella an einen reichen Mann verhökert. Es ist ein Stück über Sehnsucht in instabilen Zeiten und dadurch auch sehr heutig. Wir spüren ja alle, dass die Welt ganz schön am Wackeln ist.

Und warum spielt Ihre Inszenierung dann nicht im Hier und Jetzt?

Als modernes Stück würde es schon wegen der Verkleidungsgeschichte nicht funktionieren. Etwas Abstand macht eine Erzählung auch durchaus poetischer und allgemeingültiger. Wir fanden die 20er Jahre interessant, weil es eine Zeit war, in der die Welt aus den Fugen geriet: Weltwirtschaftskrise, hohe Arbeitslosigkeit. Die Menschen haben sich in dieser Zeit danach gesehnt, dass jemand kommt, der Stärke hat. Und das hat dann politisch in eine sehr desaströse Richtung geführt. Ich glaube, dass diese Sehnsucht nach Sicherheit auch bei der Entstehung der Oper eine Rolle gespielt hat. Insofern war es spannend, das in diese morbide, kaputte Zeit zu setzen. Ein Tanz auf dem Vulkan, man lässt sich gehen. Bei diesem Ball im zweiten Akt geht es ja sehr wild zu. So was gibt es heute ja auch noch, wenn die ganze Nacht in einem Techno-Club durchgetanzt wird.

Sie haben ja zuletzt einen Techno-Film gemacht.

Da gibt es durchaus Parallelitäten, die durch alle Zeiten gehen. Je instabiler die Welt ist, desto mehr haben die Leute das Bedürfnis, zu feiern und alles zu vergessen. Es ist ja eh schon egal.

Was hat Sie bei der Arbeit an „Arabella“ am meisten überrascht?

Ich habe zweimal Mozart gemacht, und das ist natürlich eine ganz andere Form von Oper. „Arabella“ ist eigentlich ein Konversationsstück, keine Wiederholungen, fast wie im Schauspiel. Das ist für die Inszenierung ziemlich interessant – nur dass der Rhythmus manchmal recht schnell ist. Es hat mich schon überrascht, dass man teilweise kaum hinterherkommt, wenn man die Vorgänge geordnet erzählen will.

Den zweiten und dritten Akt konnte Hugo von Hofmannsthal nicht fertigstellen – er starb 1929.

Da klappert es dramaturgisch ziemlich. Es gibt einen sehr spannenden Briefwechsel von Strauss und Hofmannsthal über die Entstehung der Oper, der zeigt, wie offen und kritisch die beiden miteinander umgegangen sind, das ist wirklich toll – ein Beispiel für eine kreative und sehr fordernde Zusammenarbeit. Das geht teilweise an den Rand der Beleidigung. Aber es führt ja auch zu was.

Kennen Sie solche künstlerischen Beziehungen auch?

Das ist Teil des kreativen Prozesses. Ich arbeite gerne in der Gruppe und entwickle Dinge auch hier häufig erst in den Proben mit den Sängern.

Lassen sich alle Sänger darauf ein?

Sicher muss man sich erstmal kennenlernen und Vertrauen fassen, aber im allgemeinen ist es ja etwas sehr Schönes, wenn man merkt, dass man zwar geführt wird, aber doch seinen eigenen Raum hat. Ich habe hier sehr gute Erfahrungen gemacht mit den Sängern, das macht viel Spaß.

Sie haben aber jetzt nicht so viel Gefallen an der Oper gefunden, dass Sie dem Film den Rücken kehren wollen, oder?

Nein. Ich bin in erster Linie Filmregisseur und das bleibe ich auch. Ich bin mit dem Film verheiratet und das Theater ist die Geliebte. Das kann ja sehr inspirierend sein.

Premiere heute, 19 Uhr, ausverkauft. BR Klassik überträgt live, Livestream auf www.staatsoper.tv am 11. Juli

 

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