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Stockhausen für Kinder: „Der kleine Harlekin“ von La Fura dels Baus im Probengebäude des Nationaltheaters
| Robert Braunmüller
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Szene aus "Der kleine Harlekin".
Wilfried Hösl Szene aus "Der kleine Harlekin".

Er ist für die Neue Musik das, was Mozart oder Beethoven für die Klassik sind: der Inbegriff. Allerdings ist der Komponist, der auf dem Cover von „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ abgebildet ist und als Vater des Techno verehrt wird, mehr berühmt als wirklich bekannt. Denn die Musik von Karlheinz Stockhausen wird vergleichsweise selten gespielt.

Die Bayerische Staatsoper bringt den 2007 verstorbenen Avantgardisten derzeit Kindern im Rennert-Saal des Probengebäudes am Marstallplatz nahe: Die etwa einstündige Aufführung „Der kleine Harlekin“ verbindet vier Stockhausen-Stücke zu einem raffinierten Musiktheater ohne die üblichen Zutaten wie Zeigefinger, versteckte Pädagogik und Betulichkeit. Und sie unterfordert auch erwachsene Besucher nicht.

Instrumentales Theater

Von etwas Sprechgesang abgesehen, ist dieses instrumentale Theater wortlos. Man kann sich trotzdem eine Geschichte zusammenreimen, in der das tanzende Klarinetten-Mädchen (Merve Kazokoglu) nach einer Auseinandersetzung mit zwei Rowdys in den Weltraum katapultiert wird. Aber es geht auch ohne, weil die Bilder und das instrumentale Theater für sich stark genug sind.

Und das ist kein Wunder: Carlus Padrissa und seine Mitstreiter bieten auch für Kinder und Jugendliche alles auf, was zu einer Aufführung von La Fura dels Baus gehört: Fackeln, einen feuerspeienden Drachen und dreidimensional wirkende Video-Projektionen. Die jüngeren Besucher erfreuten sich sichtlich an den getanzten Rangeleien. Und wer Stockhausen ein bisschen kennt, durfte sich freuen, wie frisch der ranzig gewordene Raumfahrt- und Kosmos-Fimmel des Komponisten hier auf die Bühne gebracht wird, wenn eine Prise Ironie beigegeben wird.

Es ist eine liebevolle, bunte, unterhaltsame und zugleich Herz und Hirn fordernde Aufführung auf dem gleichen künstlerischen Niveau wie auf der großen Bühne des Nationaltheaters. Wie Musiktheater eigentlich immer sein müsste – nicht nur für Kinder. Unsere sehr kritische 11-jährige Begleitung monierte etwas zuviel „Kino“, war aber sonst rundum zufrieden.

Wieder am 3., 4. und 5. 4., 11 Uhr, am 4. 4. auch 18 Uhr. Karten unter Telefon 21 85 19 20

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