Alfred Dorfer mit "und..." im Lustspielhaus in München.

Der Kabarettist Alfred Dorfer präsentiert sein neues Programm "und ..." insgesamt siebzehn Mal im Lustspielhaus.
| Carolina Zimmermann
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Alfred Dorfer bei der Verleihung des Deutschen Kabarettpreises.
dpa Alfred Dorfer bei der Verleihung des Deutschen Kabarettpreises.

München - Im Januar erhielt der österreichische Kabarettist Alfred Dorfer den Deutschen Kabarettpreis. Jetzt bereitet er sich in München auf sein neues Programm "und..." vor, das morgen im Lustspielhaus Premiere hat.

AZ: Herr Dorfer, haben Sie kein schlechtes Gewissen, dass Sie Ihren deutschen Kollegen schon wieder einen Preis weggenommen haben?
ALFRED DORFER: Das war eine deutsche Jury, ich kann da gar nichts dafür.

Sind die drei Punkte im Titel Ihres neuen Programms eigentlich im beschwingten Sinne zu verstehen, wie in "Und bitte!" oder klingt da etwas Abschließendes mit?
"Und" bezeichnet eher diese Ratlosigkeit. Sie wissen ja, wie das ist: Man braucht zuerst einen Titel, dann gibt’s Termine, dann kommt ein prophetischer Pressetext und dann weiß man noch immer nicht, was man schreiben wird. Die Ur-Idee für dieses Programm war eine Situation, die alle kennen und die für viele traumatisch ist: Umzug. Nach der Pause versuche ich dann dieses relativ private, wenn auch allgemeingültige Thema aufs Politische zu bringen. Aber es ist kein politisches Kabarett, Frau Merkel und der Herr Trump kommen nämlich nicht vor.

Weil er einem nur noch die Tränen in die Augen treibt?
Nein, ich habe allgemein keine Lust mehr, Aktualitäten hinterherzuhecheln. Die Hybris jedes aktuellen Kabarettisten oder Satirikers ist ja, die schnelleren Medien nachzuerzählen. Vor dem Internet warst du wirklich am Geschehen, aber jetzt ist es besser zu sagen: Ich bin zwar am Pulsschlag, aber die Dinge, die ich zu sagen habe, sind in einem Monat genauso gültig.

In Ihrem Programm geht es auch um die manchmal schwierige Beziehung zu Nachbarn. Wie kann man die Welt im Mikrokosmos eines Wohnhauses erzählen?
In Wirklichkeit ist das gar nicht so schwierig. Die meisten Menschen werden doch von ihren Nachbarn ständig konfrontiert mit Dingen, die sie gar nicht wissen wollen. Wir versuchen uns aber durch den Rückzug in die eigene Wohnung zu schützen. Ich glaube, dass das als Parabel funktioniert. Wir erfahren mehr über die Welt als noch vor 20 Jahren. Das Meiste von dem ist unerfreulich und daher ist der Rückzug in dieses biedermeierliche „Ich habe meine eigene Welt“ sehr nachvollziehbar.

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Bieten Sie Ihrem Publikum auch so einen Rückzugsort?
Was wir beim Theater machen, ist ja ein Hybrid. Einerseits schaffen wir für zwei Stunden eine abgeschlossene Gemeinschaft mit Menschen, die sich nie wieder sehen, und versuchen hier wie in einem Labor etwas herzustellen. Und all das, was draußen ist, bleibt auch draußen. Dennoch behandeln wir ja das, was draußen ist. Und in dieser speziellen Atmosphäre, wo du deinen Dialogpartner nicht siehst, sondern nur im Dunkeln spürst, entsteht eine besondere Art der Kommunikation. Menschen, die im Dunkeln sitzen, werden plötzlich aufnahmefähiger, weil sie nicht beobachtet sind.

Irritiert es Sie, wenn die Leute nicht lachen?
Das kommt darauf an. Diese absolute Abhängigkeit vom Lachen ist ja oft eine Gefangenschaft, die wir uns selbst auferlegen. Wenn nicht gelacht wird, heißt das überhaupt nicht, dass die da unten nicht dabei sind, sondern du hörst sie halt nicht. Es geht darum, die Menschen rhythmisch zu spüren und dann aufzunehmen, ob sie noch dabei sind. Und wenn sie noch dabei sind, muss ich auch nichts ändern. Es gibt aber auch Aufführungen, wo es Programm ist, dass sie nicht dabei sind, wie zum Beispiel beim Starkbieranstich. Da geht’s nicht um mich, da geht’s um Starkbier und das muss man wissen.

Wenn man kreativ arbeitet, wechseln sich Zuversicht und die Gewissheit zu scheitern ab. Wie gehen Sie in der Phase, in der Sie ein Programm schreiben, damit um?
Ich habe einen fiesen Trick. Sobald ich etwas entworfen habe, probier ich es aus. Ich benutze das Publikum als Regisseur. Schon Monate vorher, sobald zwei Minuten auf dem Papier oder in meinem Kopf sind, suche ich eine Stelle im alten Programm, wo das reinpassen könnte oder spiele es als Zugabe. Das heißt, es stellt sich relativ rasch heraus, ob es was taugt.

Ist Humorlosigkeit eigentlich gefährlich?
Ja. Humor heißt nichts anderes als "feucht". Und da Feuchtigkeit im Gegensatz zu Trockenheit ein Lebenszeichen ist, ist Humor ein Ausdruck von Leben. Und da wir zu Leben nur einen Gegensatz denken können ist Humorlosigkeit Leblosigkeit.

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