400 Kostüme in unter drei Stunden: Wheeldons "Cinderella"

Im Ballett geht es um Perfektion. Auch hinter der Bühne soll nichts schiefgehen. Auch nicht bei den Kostümwechseln, die oft extrem schnell gehen müssen. Dabei machen kleine Häkchen den Beteiligten besonders zu schaffen.
| dpa
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Madison Young als Cinderella agiert bei einer Probe.
Madison Young als Cinderella agiert bei einer Probe. © Sven Hoppe/dpa/Archivbild
München

Bei großen Ballettinszenierungen proben nicht nur die Tänzerinnen und Tänzer jede Schrittfolge und jede Armhaltung - auch hinter den Kulissen wird jeder Handgriff einstudiert. Nur 1,5 Minuten hat beispielsweise die Solistin in Christopher Wheeldons "Cinderella" für den Kostümwechsel vom armseligen Aschenputtel zur geheimnisvollen Ballbesucherin. Vor der Deutschland-Premiere am Bayerischen Staatsballett in München am Freitag sind deshalb auch die Fachleute aus Garderobe und Maske nervös.

"Da muss einfach jede Sekunde und jeder Handgriff ausgerechnet sein und sitzen", sagt die Leiterin der Garderobe, Olga Mironova-Bouktsis. "Das ist hammermäßig aufwendig. Hinter der Bühne läuft alles im Sekundentakt, man muss jeden Handgriff üben wie die Tänzer die Choreographie."

Das dreiaktige Werk zur Musik von Sergej Prokofjew wurde 2012 als Koproduktion zwischen dem Dutch National Ballet und dem San Francisco Ballet in Amsterdam uraufgeführt. In der aufwändigen und etwa dreistündigen Inszenierung sind auf der Bühne etwa 70 Mitwirkende in knapp 400 Gewändern zu sehen.

Am Anfang der Kostümproben sind es bis zu acht, bei der Premiere noch vier bis fünf Helfer, die bei schnellen Wechseln pro Tänzerin mit Kostüm und Schmuck auf der Seitenbühne bereit stehen. "Wir rennen von der Bühne weg, und eigentlich wollen wir in erster Linie einfach nur atmen", schildert Elvina Ibraimova, die eine der beiden Stiefschwestern des Aschenputtels tanzt. Alleine würde sie den Kostümwechsel - Ibraimova hat in dieser Rolle immerhin drei Minuten Zeit - niemals schaffen.

Ein Grund dafür ist auch eine typische Besonderheit von Ballettkostümen: Sie sind in der Regel von oben bis unten mit kleinen Häkchen verschlossen. "Die halten den größten Zug aus", erklärt Annett Gesellmann aus der Kostümwerkstatt der Staatsoper den Grund. Der Nachteil ist, dass es recht viel Zeit kostet, sie zu schließen. Deshalb kommen bei extrem schnellen Kostümwechseln auch Klettverschlüsse zum Einsatz. Reißverschlüsse versucht Gesellmann möglichst zu vermeiden: "Die müsste man sicher nach jeder zweiten Vorstellung auswechseln."

© dpa-infocom, dpa:211114-99-991307/2

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