Zur Abkühlung ins "Fünfzehenland"
Wer den Sommerurlaub an einem der oberbayerischen Seen verbringt, für den gibt es jetzt auch die passenden Lektüre: Eva Baders (32) "Fünfzehenland" (Emons Verlag, 320 Seiten, 10.90 Euro). Entwickelt hat die dreifache Mutter den Oberbayern Krimi am "Schreib- und Wickeltisch", wie man aus der Status-Meldung ihrer Facebook-Seite vor einiger Zeit schließen konnte. So richtig begonnen hat alles aber mit dem Titel, wie die Autorin, die selbst auch im Fünfseenland lebt, spot on news am Rande einer Lesung erklärt hat.
Auf dem Kriminalfall kam Bader, nachdem sie keinen Kindergartenplatz für ihren Ältesten bekommen hat: "Da erschien dann plötzlich eine tote Kindergärtnerin vor meinem inneren Auge...", verrät die charmante Autorin. Natürlich wisse sie, dass die Erzieherinnen nichts dafürkönnen. "Ich verstehe mich auch mit allen gut", versichert sie.
"Noch ein Oberbayern-Krimi?"
Anders als man vielleicht denken könnte, war es "erstaunlich leicht", einen Verlag zu finden. "Ich habe den Agenten meines Vaters (Heimatautor Josef Bader) angesprochen und ihm mein Manuskript in die Hand gedrückt", so Bader. Ausgerechnet. Denn just dieser Agent hatte gerade einen bitterbösen Artikel über die Heimatkrimi-Schwemme in Oberbayern verfasst. "Entsprechend mutig fand er es, dass ich ihm einen solchen geschickt habe." Immerhin gab es ja "noch keinen Gilching-Krimi" und "diese Lücke wollte ich natürlich ausfüllen", witzelt die Autorin weiter.
Die Orte sind echt - mit einer Ausnahme
"Die Handlungen spielen fast ausschließlich an echten Orten. Da kann man auch entlanglaufen", sagt die studierte Literaturwissenschaftlerin, Werbetexterin und Illustratorin. Zuvor hat sie aber bei den jeweiligen Inhabern nachgefragt, ob es ihnen recht ist, wenn die Gärtnerei, das Hotel etc. im Krimi vorkommen. So hat sie auch dem Chef der Weinhandlung, in der es eine Verfolgungsjagd gibt, die Szene vorab vorgelegt. "Ihm hat es so gut gefallen, dass wir demnächst eine Lesung dort machen werden."
Von fast allen gab es große Zustimmung, nur von einem Geschäft nicht: "Es gibt eine Metzgerei, die nicht namentlich erscheinen wollte." Ein bisschen kann man es vielleicht verstehen, denn die Metzgersgattin im Krimi spielt eine eher unrühmliche Rolle. "Da habe ich dann einfach die Namen ausgetauscht. Ortsansässige wissen natürlich trotzdem, wer gemeint sein könnte." Und auch für die beiden geplanten Fortsetzungen zeichnet sich schon eine Tendenz unter den lokalen Geschäftsleuten ab: "Tolle Sache, aber die Leiche bitte nicht bei uns im Geschäft."
Um was geht's im Krimi "Fünfzehenland"?
Im Magen eines Hechts findet ein Ammersee-Angler einen menschlichen Zeh. Weil aber der Rest der Leiche fehlt, darf Dorfpolizist Roland nicht ermitteln - und das, obwohl die hiesige Kindergärtnerin spurlos verschwunden ist. Seine Gattin Carla Maeßmer ist da energischer: Mit Kinderwagen und Wickeltasche bewaffnet nimmt sie die Ermittlungen auf. Zusammen mit Rechtsmediziner Dr. Al-Jamal und ihrer so steinalten wie glamourösen Nachbarin Gitte kommt sie einer tragischen Familiengeschichte auf die Spur - aber nicht nur der...
Die Recherchearbeit war Familiensache
Autorin Eva Bader Foto:Carola Wiese
Die medizinischen Fakten hat Eva Bader von ihrer kleinen Schwester, "die gerade ihr Medizin-Studium beendet". Die Germeringer Polizei hat ihr ein bisschen bei der Polizeiarbeit geholfen. Und die Zitate von Lukas, dem kleinen Sohn von Carla Maeßmer, stammen von den inzwischen drei Kindern der Autorin im Alter von eins, drei und vier Jahren. Wie bitte? Und wann hat sie Zeit zum Schreiben? "Wenn alle so um 21 Uhr schlafen, setze ich mich noch zwei Stunden an den Computer und schreibe 1.000 Wörter." - Ohne Disziplin geht sowas eben nicht.
Gewidmet ist das Erstlingswerk übrigens ihrem "duldsamen Ehegesponst", mit dem sie seit 2009 verheiratet ist, ihren "weltallerbesten Söhnen, die inspirierender nicht sein könnten", vor allem aber ihrer Tochter, "deren bevorstehende Geburt den Schreibprozess erheblich beschleunigte" - "Danke, dass du mir beim allabendlichen Tippen nur selten gegen die Blase getreten hast."
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