Neues Buch "Wo der Wolf lauert": Suche nach der Wahrheit

"Wo der Wolf lauert" von Ayelet Gundar-Goshen schildert ethnische und soziale Konflikte der Gegenwart.
| Roberta De Righi
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Die Schriftstellerin Ayelet Gundar-Goshen.
Die Schriftstellerin Ayelet Gundar-Goshen. © imago images/Italy Photo Press

Jamal ist tot. Der Sechzehnjährige ist zusammengebrochen auf einer Party, in einer Villa in Palo Alto. Herzstillstand. Waren Drogen im Spiel? War es Mord? 

In Ayelet Gundar-Goshens vielschichtigem Roman "Wo der Wolf lauert" werden die ethnischen und sozialen Konflikte der Gegenwart unter Jugendlichen ausgetragen. Und vor dem Hass, der aus Rassismus und Antisemitismus wächst, ist auch das Silicon Valley nicht sicher. Er ist der Nährboden für Gundar-Goshens fesselnde Story, die zwischen Krimi, Sozialstudie und Familiengeschichte mäandert und mit Motiven eines Spionageromans kokettiert.

Ayelet Gundar-Goshen schreibt über jüdisches Leben in der Fremde

Die Autorin (geboren 1982), die Psychologie und Film studierte, hat selbst einige Jahre in Kalifornien gelebt. "Relocation" heißt das Buch im Original, Übersiedlung, und das Thema ihres vierten Romans ist jüdisches Leben in der Fremde - als Israeli in den USA: Lilach, die die Ereignisse aus der Ich-Perspektive schildert, ihr Mann Michael und ihr Sohn Adam sind wohlhabende Expats. Michael hat einen gut dotierten, geheimen Job in der digitalen Rüstungsindustrie, Lilach ihre Karriere der ihres Gatten hintangestellt und arbeitet als "Kulturkoordinatorin" im Seniorenheim.

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Am Anfang des Romans stehen die Nachrichten über Attentate auf jüdische Einrichtungen in den USA, unter anderem auf die Reformsynagoge in Palo Alto, wo vier Frauen verletzt und eine junge Frau getötet werden. Doch bald wird der immer offener zu Tage tretende Antisemitismus zum Hintergrundgeschehen, nach und nach schieben sich neue Konfliktherde ins Bild.

Das Geflecht aus sozialer Ungerechtigkeit verdichtet sich

Auf der Party, bei der Jamal stirbt, war auch Adam zu Gast. Gundar-Goshen schildert das Geschehen konsequent aus der Perspektive der besorgten Mutter - die einerseits ihren Sohn schützen will, andererseits ahnt, dass er mit dem Tod des schwarzen Jungen zu tun haben könnte. Weil Adam sein Inneres total gegen seine Eltern abschottet, beginnt Lilach, Umstände und Beteiligte zu recherchieren.

Ihre Suche nach der Wahrheit führt sie unter anderem zu Jamals alleinerziehender Mutter, die als Zimmermädchen in einem Luxushotel arbeitet. Dort stellt sie nicht nur fest, dass Adams Schulkamerad der antisemitischen Nation of Islam angehörte, sondern auch, dass Adam offenbar schon lange dessen Mobbing-Opfer war.

So verdichtet sich das Geflecht aus sozialer Ungerechtigkeit, wechselseitigem Rassismus, Schuld und möglichen Rachemotiven immer mehr. Gundar-Goshen konstruiert die Geschichte nah an der Wirklichkeit, packt allerdings ein bisschen zu viele Aspekte hinein. Doch die Stärke ihres Buches liegt in der ambivalenten Darstellung aller Beteiligten. Und in der differenzierten Beschreibung der Wandlung, die Lilach mit zunehmender Erkenntnis durchmacht. So ist letztlich in "Wo der Wolf lauert", nicht die Wahrheit, sondern der Weg dorthin das Ziel.


Ayelet Gundar-Goshen "Wo der Wolf lauert" (Kein & Aber, 352 Seiten, 25 Euro)

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