"10 Lessons of my Live": Kent Nagano über Begegnungen

Kent Naganos Buch "10 Lessons of my Live" erzählt von Begegnungen mit berühmten Kollegen.
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Kent Nagano bei einer Probe zu Hans Werner Henzes Oper "The Bassarids" vor drei Jahren bei den Salzburger Festspielen.
Kent Nagano bei einer Probe zu Hans Werner Henzes Oper "The Bassarids" vor drei Jahren bei den Salzburger Festspielen. © Barbara Gindl

Der Titel schmeckt ein wenig nach Lebenshilfe, der Untertitel "Was wirklich zählt" fast noch mehr. Aber Kent Naganos neues Buch "10 Lessons Of My Life" ist mehr ein Anekdotenbuch, in dem der Dirigent und jetztige Musikchef der Hamburgischen Staatsoper über Begegnungen mit mehr oder weniger bekannten Musikerkollegen berichtet - darunter auch Frank Zappa und Björk.

Nagano, 1951 im kalifornischen Berkeley geboren, hat erst mit 30 Jahren sein erstes Rockkonzert besucht - und das auch unter Mitnahme von Ohrenstöpseln: "Eine Lightshow folgte der nächsten, es wurde unablässig geraucht." Auf der Bühne stand Frank Zappa. Naganos Eltern hatten zwar schon nach 20 Sekunden einer TV-Übertragung eines seiner Konzerte entschieden, dass das keine Musik für ihre Kinder sei. Aber der französische Avantgarde-Großmeister Pierre Boulez schätzte die Orchesterwerke Zappas, und so begann sich auch Nagano dafür zu interessieren. Allerdings gestaltete sich der Kontakt mit dem Rockmusiker ("Er aß Kaviar mit Sour Cream") wegen dessen sehr spontaner Terminvorstellungen eher schwierig: Zappa verlangte von Nagano, sich innerhalb von 15 Minuten zu entscheiden, ob er zwei Platten mit seinen Werken mit dem London Symphony Orchestra aufnehmen wolle oder nicht.

Nagano und Björk

Auf Björk wurde Nagano aufmerksam, als er im Flugzeug ein MTV-Musikvideo sah. Er hielt sie für die ideale Besetzung für die singende Sprechstimme in Arnold Schönbergs "Pierrot lunaire". Bei einer Begegnung in einer Londoner Bar stellte sich heraus, dass Björk die Musik des österreichischen Komponisten schätzte, und so kam es zu einer einmaligen Aufführung beim Festival im schweizerischen Verbier - allerdings unter konspirativen Bedingungen, um jeden Starrummel zu vermeiden.

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Die Hauptrolle einer der hübschesten Anekdoten des Buchs spielt Pierre Boulez. Auf die Frage, was er von historischer Aufführungspraxis halte, lächelte der französische Dirigent und Komponist und wiegte den Kopf. Dann erzählte er, dass er bei der Uraufführung seines Stücks "Le Marteau sans Maître" in 40 Proben vielleicht 40 Prozent des Komponierten realisieren konnte. 30 Jahre später habe er nach vier Proben 98 Prozent erhalten. Deshalb sei er als Komponist skeptisch, wenn Interpreten wie Nikolaus Harnoncourt oder John Eliot Gardiner die Umstände einer Uraufführung rekonstruieren wollten.

"10 Lessons of my Live": Begegnung mit Richard Trimborn

Für Leser in München ist womöglich interessant, was Nagano über seine Zusammenarbeit mit Richard Trimborn berichtet. Mit diesem langjährigen Mitarbeiter von Wolfgang Sawallisch und Studienleiter der Bayerischen Staatsoper studierte Nagano die Werke von Wagner und Strauss. Andere Kapitel handeln von Alfred Brendel, Leonard Bernstein und Yvonne Loriod, der Gattin des Komponisten Olivier Messiaen, dessen Turangalîla-Sinfonie Nagano am 21. und 22. Oktober in der Isarphilharmonie dirigiert.

Das unschöne Wort "Dirigat" und einige Irrtümer, wie die Verwechslung von Tarte und Torte oder die merkwürdige Behauptung, es gäbe ein Tondokument der Uraufführung von "Pierrot lunaire" - den Schönberg selbst erst 30 Jahre später in den USA aufnahm - lassen sich verschmerzen. Inge Klöpfer hat die Geschichten sehr flott aufgeschrieben, und wem nach Lebenshilfe dürstet, wird womöglich doch bei den zehn Kapitelüberschriften fündig.


Kent Nagano: "10 Lessons of my Life. Was wirklich zählt" (Berlin Verlag, 208 S., 22 Euro). Der Dirigent leitet am 21. und 22. Oktober in der Isarphilharmonie Aufführungen der Turangalîla-Sinfonie von Olivier Messiaen (Solist: Pierre-Laurent Aimard), wenige Restkarten an der Abendkasse

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