Blickpunkt Sport: Nostalgie, Gaudi - und zwei Grantler

Bei der 1500. Ausgabe der kultigen BR-Sendung "Blickpunkt Sport" streitet sich das frühere Löwen-Duo Wildmoser und Lorant wie ein altes Ehepaar. Ansonsten gerät die Gala zur Party mit Beckenbauer und Klitschko.
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Karl-Heinz Wildmoser stritt sich mit dem via Telefon zugeschalteten Werner Lorant. Marianne Kreuzer und Gerd Rubenbauer versuchten vergeblich zu schlichten.
Rauchensteiner/Augenklick Karl-Heinz Wildmoser stritt sich mit dem via Telefon zugeschalteten Werner Lorant. Marianne Kreuzer und Gerd Rubenbauer versuchten vergeblich zu schlichten.

MÜNCHEN - Bei der 1500. Ausgabe der kultigen BR-Sendung "Blickpunkt Sport" streitet sich das frühere Löwen-Duo Wildmoser und Lorant wie ein altes Ehepaar. Ansonsten gerät die Gala zur Party mit Beckenbauer und Klitschko.

Das waren noch Zeiten, als im Studio moosgrüne Telefone (mit Kabel und Wählscheibe) standen, als das Sakko des Gastgebers (Gerd Rubenbauer) noch rosa war und man als Moderator Schnauzer (Waldi Hartmann) tragen durfte. „Blickpunkt Sport“, erstmals ausgestrahlt am 14. April 1975 und erfunden von Eberhard Stanjek (†2001), war und ist – auch wenn das Wort überstrapaziert wird – eben Kult.

Und so war’s dann auch am Montagabend wieder, bei der Jubiläumssendung, bei Ausstrahlung Nummer 1500 – es wurde eine bairische Nostalgiereise durch drei Jahrzehnte Fernseh-Historie. Rubenbauer – mittlerweile nicht mehr in der aktuellen Moderatoren-Riege, 61 Jahre alt und im dunkelblauen Einreiher – gab bei der Gala mit Staraufgebot charmant den Conferencier. Der Abend geriet zur Gaudi – samt, wie sich’s gehört, Eklat.

Dafür verantwortlich? Das früher unzertrennliche Löwen-Duo Karl-Heinz Wildmoser (im Studio) und Werner Lorant (via Telefon). Sie zofften sich vor laufenden BR-Kameras. Ex-Präsident Wildmoser begann das Gespräch mit der Bemerkung: „So ist er halt: Sagt zu – und dann wieder ab. So kenne ich ihn, den Werner.“ Dann wurde der Ex-1860-Trainer aus der Schweiz zugeschaltet. Und er konterte: „Da war ja genug Quatsch dabei.“

„Ich hatte die Arbeit, Du das schönste Leben!“

Danach ging’s dann richtig zur Sache. Dass Rubenbauer und Kollegin Marianne Kreuzer versuchten, die zwei Streitlöwen zur herzergreifenden Versöhnung aufzufordern, geriet zur Farce. Wildmoser rechtfertigte allen Ernstes erneut die Entlassung Lorants im Jahr 2001 und wollte auf dessen Kosten für Stimmung sorgen: „Ich hatte die Arbeit, Du das schönste Leben!“ Was Lorant – völlig zu Recht – gar nicht komisch fand. Er motzte via Telefon: „Wir haben die Arbeit zusammen gemacht. So war’s!“ Was Wildmoser dann auch einräumte.

Und das einstmals einträchtige Zweiergespann zoffte sich weiter – wie ein längst geschiedenes Ehepaar beim Wiedersehen nach Jahren. Kostprobe gefällig? Lorant meinte: „Seit damals hast du mich nicht einmal angerufen – und ich dich bestimmt zwei-, dreimal.“ Geredet mit ihm habe Wildmoser dann eher wenig. Rubenbauer versuchte dennoch, den Ex-Präsidenten zu überreden, den Trainer zum Essen einzuladen. Doch auf das seltsame Angebot des Wiesnwirts („Ich habe ihn ja eh immer zum Essen eingeladen“) verzichtete Lorant dann doch: „Das ist ein Schmarrn!“

Ein schönes Ereignis

Lustiger ging’s bei anderen Gästen zu: Rosi Mittermaier und Christian Neureuther, den Eishockey-Stars um Hans Zach, Wladimir Klitschko und bei den Bayern, allen voran bei Franz Beckenbauer. Der Bayern-Präsident erinnerte sich daran, wie er früher Stanjek aufzog: „Hör’ mir auf mit Deiner Bamperl-Sendung!“ Und dann bekamen Bayerns aktuelle Nationalspieler ihr Fett weg. „Wenn ich den Schweinsteiger und den Klose in Moskau sehe, da muss ich mich fragen: Was ist da los? In der Nationalmannschaft rennen sie plötzlich wie die Windhunde. Das verbietet ihnen ja bei Bayern keiner! Es sagt keiner zu ihnen: Tut’s langsam!“ Des Kaisers Analyse: Die Burschen sind zu satt. „Vielleicht liegt’s am Erfolg der letzten Jahre. Wobei Platz drei im eigenen Lande – ein Erfolg? Ich wag’s zu bezweifeln. Aber es war ein schönes Ereignis.“ Genau wie die Blickpunkt-Gala: ein schönes Ereignis.

jos, kby

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