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Humor hilft heilen: Der medizinische Kabarettist Dr. Eckart von Hirschhausen über die Liebe des Patienten zum Arzt, die Absurdität seines Berufs und die Vorzüge, einfach nur nett zu sein
| Michael Stadler
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Rettungsring Humor: Dr. Eckart von Hirschhausen möchte sein Publikum nicht brüskieren, sondern unterhalten, so entspannt, als ob man mit ihm am Strand liegt.
Frank Eidel Rettungsring Humor: Dr. Eckart von Hirschhausen möchte sein Publikum nicht brüskieren, sondern unterhalten, so entspannt, als ob man mit ihm am Strand liegt.

Wenn allein das Kaufen eines Buchs ein Liebesbeweis ist, muss sich Dr. Eckart von Hirschhausen mit Gefühlen geradezu bombardiert fühlen: Seine humoristischen Ratgeber wie „Glück kommt selten allein” liegen bei Millionen auf dem Nachttisch. Heute und morgen tritt er mit seinem Programm und einer Vorlesung im Circus Krone auf.

AZ: Herr von Hirschhausen, der Titel Ihres Programms, „Liebesbeweise”, klingt sehr unromantisch. Kann man denn die Liebe beweisen?

DR. ECKART VON HIRSCHHAUSEN: „Liebesbeweise” drückt genau diese verschiedenen Gefühle aus, die wir damit verbinden. Wir denken: Liebe fällt vom Himmel. Und die Wissenschaft sagt: Liebe sind nur Hormone. Und die Wahrheit liegt wahrscheinlich genau dazwischen. Ich glaube auch, dass die Komik bei dem Thema genau aus dieser Spannung entsteht. Wir haben eine romantische und eine realistische Seite. Der Romantiker sagt: Es gibt für jeden Menschen auf der Welt genau einen richtigen Partner. Der Realist denkt: Da muss nur einer den Falschen nehmen, dann geht es für alle nicht mehr auf.

Dann wären wir alle mit dem oder der Falschen zusammen.

Manchmal hat man den Verdacht, oder?

Sie erzählen auch, dass viele nur zum Arzt gehen, um mal wieder berührt zu werden – oder sich nackt zu zeigen. Haben Sie das auch erlebt?

Ja! Salopp gesagt kommen die Leute und sagen: Herr Doktor, ich hätte gerne nochmal ein EKG. Das letzte hat mir so gut getan. Jeder körperlichen Kontakt, jemanden, bei dem man sein Herz ausschütten kann. Das Dilemma ist, dass Leute, die dieses Bedürfnis in ihrem sozialen Umfeld nicht befriedigen können, auf die falsche Stelle verlagern, auf das Gesundheitswesen. Nun sind aber die Ärzte gar nicht die besten Zuhörer.

Sie halten auch eine öffentliche Vorlesung über die Kommunikationsprobleme zwischen Arzt und Patient.

Arzt und Patient sprechen oft im wahrsten Sinne nicht dieselbe Sprache. Schätzungen gehen davon aus, dass ungefähr die Hälfte der Menschen, die zum Arzt gehen, keine Beschwerden mit körperlich greifbarer Ursache haben. Unser ganzes System aber ist sehr fokussiert darauf, irgendwas zu finden, das diese Beschwerden physisch erklärt.

Sie erklären verständlich und mit Witz. Kann ein Arzt tatsächlich humorvoll gegenüber seinen Patienten sein?

Er muss! Die Grundabsurdität des ärztlichen Daseins ist ja: Egal, wie gut der Arzt ist – am Ende werden alle sterben. Das heißt, früher oder später versagt der Arzt, wenn er meint, dass der Tod sein Feind ist. Ich finde eher: Gesund ist nicht der, der körperlich unversehrt ist, sondern gesund ist der, der mit seinem Körper, so wie er gerade ist, Lebensfreude hat. Dabei wissen wir alle, was uns gut täte. Wir tun’s nur nicht. Insofern ist Humor genau das Mittel, das einem erleichtert, etwas zu verändern.

Was Sie von anderen Kabarettisten unterscheidet, ist Ihre positive Sicht aufs Leben.

Ich mache kein politisches Kabarett, ich mache mich nicht über Guido Westerwelle und Bundeskanzlerin Angela Merkel lustig. Ich finde das auch zu leicht. Das bringt wenig Erkenntnisgewinn. Das klingt pathetisch, aber mich interessiert am Kabarett, das System hinter den Dingen zu zeigen und die Leute zum Selber-Nachdenken anzuregen.

Der einzige Vorwurf, den man Ihnen machen kann, ist, dass Sie nett sind.

Aber da frage ich mich: Wer hat das Problem? Mir ist doch jemand, der nett ist, grundsätzlich lieber als jemand, der ein Arschloch ist. Wenn mir jemand sagt, dass es inhaltlich nicht stimmt, was ich erzähle, dann trifft mich das. Aber würde ich mehr erreichen, wenn ich die Leute beschimpfen würde? Glaube ich nicht.

Können Sie sich vorstellen, wieder als Arzt zu arbeiten?

Ja! Auch mit meiner Stiftung HUMOR HILFT HEILEN halte ich den Kontakt zur Basis. Mich interessiert, wie man Krankenhäuser so umgestalten kann, dass dort die Stimmung besser ist, auch für die Menschen, die dort arbeiten. Ich bin nicht weg aus der Medizin, weil ich es nicht mehr machen wollte. Sondern ich bin hin zu etwas, was mir im Moment sinnvoller erscheint, weil es mehr Leute erreicht.

Sie heilen die Leute von der Bühne aus?

Heilen ist ein großes Wort, aber ich versuche, sie gesund, munter und kompetent zu halten, dass sie erst gar nicht krank werden.

Vielleicht sparen Sie mit Ihren Auftritten ja unserem Gesundheitssystem Geld.

Ich warte nur darauf, dass die Krankenkassen den Eintritt für meine Show bezahlen. Aber wahrscheinlich würden die meisten Deutschen sagen: Kostet mich nix. Wird nix sein.

Circus Krone, heute und morgen, 20 Uhr; öffentliche Vorlesung am Do, 16-17 Uhr, Eintritt 10 Euro, für Studenten frei

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