Bezugslos studieren?

An der Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF) herrscht Unruhe: Wird die Zukunft dieser großen Talentschmiede verspielt.
| Adrian Prechtel
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Nein, er kotzt nicht. Aber er steckt bald den Kopf in den Sand. Die Skulptur vor der HFF in der Gabelsbergerstraße. Im Hintergrund der HFF-Eingang am neuen Bernd-Eichinger-Platz
Gregor Feindt Nein, er kotzt nicht. Aber er steckt bald den Kopf in den Sand. Die Skulptur vor der HFF in der Gabelsbergerstraße. Im Hintergrund der HFF-Eingang am neuen Bernd-Eichinger-Platz

Sie alle studeiten an der HFF: Doris Dörrie, Uli Edel, Bernd Eichinger, Roland Emmerich, Florian Gallenberger, Dennis Gansel, Dominik Graf, Florian Henckel von Donnersmarck, Nico Hofmann, Rainer Kaufmann, Caroline Link, Marcus H. Rosenmüller, Hans Christian Schmid, Wim Wenders, Sönke Wortmann.

Aber nicht nur die jetzigen Studierenden an der HFF glauben, dass die glorreiche Zeit der Münchner HFF zu Ende ist, wenn nicht bald etwas passiert. Auch die Branche fürchtet um das Renomee der berühmten und international gefeierten Hochschule.
Dabei ist die HFF erst vor einem Jahr von einem etwas wilden Giesinger Ex-Bettfederfabrik-Gebäude in das Kunstareal an der Gabelsbergerstraße umgezogen – in die Nachbarschaft der Pinakotheken. Der Freistaat investierte dazu rund 100 Millionen Euro. Mittlerweile hat die Ludwigsburger Filmakademie einen besseren Ruf als die Münchner HFF. Auch ist am Standort München selbst mit der Macromedia, der Hochschule für Medien und Kommunikation, eine echte Konkurrenz entstanden. Und die Potsdamer HFF schläft auch nicht.

Vier Thesen was sich warum an der HFF ändern muss:

1. DIE HFF IST FÜHRUNGSLOS!
2011 wurde die Amtszeit des amtierenden, bereits heute 65-jährigen HFF-Präsidenten Gerhard Fuchs für eine dritte Amtszeit bis ins Jahr 2017 verlängert. Da Herr Fuchs bereits als Fernsehdirektor in diesem Jahr in den Ruhestand ging, kann er nicht einmal mehr für die traditionell und personell gute Verzahnung des Bayerischen Rundfunks mit der HFF sorgen. Nicht einmal bei der internen Diskussions-Veranstaltung zur Zukunft der HFF war Fuchs anwesend, aber die neue Fernsehdirektorin Bettina Reitz. Der für die Studien-Ausgestaltung zuständige Studiendekan Andreas Gruber hat mit nur zwei Assistentinnen und gleichzeitiger eigener Leitung der HFF-Abteilung Spielfilm viel zu wenig Personal, um die Verwaltungsaufgaben zu bewältigen.

2. DIE HFF HAT DEN BEZUG ZUR BRANCHE VERLOREN!
Eine gute, erfolgreiche Ausbildung kann nur gelingen, wenn die Studierenden von den aktuell besten und erfolgreichen Regisseuren, Produzenten, Kameramännern und weiteren Filmschaffenden unterrichtet werden. Dies ist zum großen Teil an der Münchner HFF nicht mehr der Fall. Ganze populäre Genres kommen im Regiefach kaum vor, wie Komödie oder Thriller. Stattdessen wird das Bild des ernsten Autoren- und Arthauskinos als Leitlinie gepflegt. Der überlasteten Spielfilm-Regie-Abteilung fehlen mindestens zwei weitere Professorenstellen, die die Genrevielfalt weiter auffächern könnten.


3. DIE HFF ARBEITET „AUTISTISCH”
Früher war die HFF für starke Regie-Drehbuch-Produktions-Teams bekannt. Heute arbeiten die Einzel-Abteilungen unverzahnt vor sich hin. So wissen oft Regiestudierende nicht, welche Drehbücher gerade entstehen. Übergreifende Fächer wie Dramaturgie werden absurderweise für jede Abteilung gesondert unterrichtet. Aus Copyright-Rechten des Architekten und durch absurde Brandschutzauflagen dürfen nicht einmal aktuelle Projekte oder Informationen darüber zum allgemeinen Austausch plakatiert werden.

4. NEUES GEBÄUDE, NEUE TECHNIK, ABER ALTES UND ZU WENIG PERSONAL
Die HFF hat mit ihrem Umzug von Giesing an den Standort in der Gabelsbergerstraße am schnell geschaffenen Bernd-Eichinger-Platz ein modernes, technisch gut ausgestattetes Domizil bekommen. Parallel dazu sind aber keine neuen Technik-Experten als Techniker und Unterrichtende eingestellt worden. So kann neue Technik weder unterrichtet noch nach dem aktuellen Stand der Kunst eingesetzt werden.

 

Hier finden Sie kritische Stimmen zur HFF.

Lesen Sie hier den Kommentar des AZ-Redakteurs.

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