Befreiend ewige Weiten

Walter Kappachers Roman „Land der roten Steine” verbindet ein modernes Naturgefühl mit grandioser Landschaftsschilderung
Robert Braunmüller |
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Was treibt Menschen auf Berge, menschenfeindliche Hochebenen oder in eisige Polarzonen? Es ist die Herausforderung, das Unmögliche zu wagen, eigene Grenzen zu testen und sich selbst zu überwinden. Bergsteigen und wandern ist im besten Fall jenseits der Schweißtropfen ein Akt der Selbstverfahrung – eine Pilgerreise zum Selbst.

Bücher, die von diesen Themen handeln, strotzen oft vor Adrenalin und ranzigem Pathos. Walter Kappachers Roman „Land der roten Steine” ist eine wohltuende Ausnahme. Wessely, die Hauptfigur, ist ein pensionierter Arzt jenseits der Sechzig. Der ältere Herr hat ein wehes Knie und scheut deshalb die großen Herausforderungen: Von einem gleichfalls leicht maladen Indianer lässt er sich mit dem Jeep durch entlegene Zonen des Canyonland Nationalpark im amerikanischen Bundesstaat Utah kutschieren.

Im Buch wird Utah noch besser

Wessely sucht das „befreiende Gefühl einer ewigen Weite”. Wer davon ebenfalls befallen wurde, den werden die Naturschilderungen dieses knappen Romans stark ansprechen. Auch die schweifenden Gedankenspiele der Titelfigur werden dem einen oder anderen einsam wandernden Leser bekannt vorkommen. Das Buch ist voller ruhiger Beschreibungen, wie anders bestimmte Berge aus verschiedenen Richtungen aussehen.

Wegen der österreichischen Herkunft des Büchner-Preisträgers von 2009 drängt sich der Vergleich mit Adalbert Stifter auf. Der wäre jedoch schief: Kappacher ist Realist. Sein Buches ist ganz und gar gegenwärtig, mit Internet und gescheiterten Beziehungen, ohne Verklärung der Natur oder gar des Indianischen.

Natürlich ist Wesselys Reise eine Selbsterfahrung: Er versucht in der ewigen Weite seine Pensionierung und private Verluste zu verarbeiten. Im heimatlichen Gastein zehrt er noch lange von den gesehenen Bildern. Der Rezensent wanderte dagegen die Schauplätze des Romans im Internet nach, nahm per Youtube-Video virtuell an ähnlichen Jeep-Exkursionen teil und machte eine überraschende Erfahrung: Die Landschaft von Utah ist gewiss großartig, aber ihre Verarbeitung zu Literatur steigert den Genuss beträchtlich.

Walter Kappacher: „Land der roten Steine” (Hanser, 158 S., 19.90 Euro). Der Autor liest am 24. April 2012 um 20 Uhr aus seinem Roman im Literaturhaus, Salvatorplatz 1, Eintritt 9 Euro

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