Aus verwühlten Betten

„Ganz langsam gehen wir das Ende entgegen...“: Howard Carpendale ließ in der Olympiahalle Fans und Konsonanten souverän schmelzen
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So sieht echter Carpendale-Schmelz aus.
dpa So sieht echter Carpendale-Schmelz aus.

„Ganz langsam gehen wir das Ende entgegen...“: Howard Carpendale ließ in der Olympiahalle Fans und Konsonanten souverän schmelzen

Noch bevor Howard Carpendale auf die Bühne kommt, kriegt das Publikum sein Markenzeichen zu hören. „20 Uhr 10“ heißt der Aufmacher seines jüngsten Albums, der Text wird rundgeschliffen: „Zwanzisch Ua zeehn“. Ein Deutsch, das nach Drinks on the Rocks und Aufstehen aus verwühlten Betten klingt – der Carpendale-Schmelz. Am Anfang ist er zu Videobildern zu hören. Dann hat die Bühne den Sänger wieder, nach über vier Jahren Abstinenz und ohne merkliche Änderungen. Auch mit 62 Jahren nehmen ihm die Fans in der vollen Olympiahalle – weiblich, 50, aus dem Häuschen – den leise lächelnden Verführer ab.

Mit einem strahlend weißen Anzug und seinem eben nicht ganz fehlerfreien Deutsch bietet er die scheinbar perfekte Projektionsfläche. „Ganz langsam gehen wir das Ende entgegen...“, wird er nach fast zwei Stunden Konzert sagen, ein Raunen geht da durch die Menge. So spricht nur Carpendale und hört sich dabei trotzdem noch richtig an: Der Schlagersänger, der sein Image und seine Lieder immer zwischen heimelig und weltläufig angelegt hat.

In „Good Bye America“ kehrt er der neuen Welt für die Bundesrepublik den Rücken; in „Eine Nacht in New York City“ beschwört er die globale Gleichheit der Liebesenttäuschungen. Und macht sich im Zweifelsfall fremde Lieder zu eigen: Ob von Udo Jürgens („Ich war noch niemals in New York“) oder seinem Lieblingssänger Elvis („Suspicious Minds“). Den ganz großen Druck in der Stimme entfaltet er nicht dabei – er braucht ihn auch nicht: Den besorgen seine Background-Sänger, die sichere Tourband und eine bombastische Lichtinszenierung. Vor einer angedeuteten Stadtsilhouette oder einer Projektion aus Blau muss Carpendale vor allem lässig bleiben, das Mikrofon am Ende anfassen, die Schritte langsam setzen: „Ti Amo“ und „Alice“ laufen dann von selbst.

Christoph Gröner

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